On-Balance-Volume (OBV)

Der OBV ist etwas aus der Mode gekommen, was damit zu tun hat, daß er bei den modernen dynamischen Märkten häufig etwas spät Signale gibt. Er kann dann nur noch als Trendbestätigung dienen. Seine allgemeine Interpretationsrichtung geht dahin, daß der Trend intakt ist, solange auch der Trend des OBV intakt ist. Man arbeitet also mit Trendlinien im Indikator und sehr häufig zeigen sich Breaks hier eher als im Kurs. Von der Idee seine Entwicklers Granville her sollte er zusammen mit dem Climax-Indikator angewendet werden.

Dafür berechnet man den OBV für jede Aktie des Dow‘ und gibt für jede Aktie entweder die Zahl 1 oder -1 bzw. 0, je nachdem ob ihr OBV sinkend ist, waagerecht oder steigend. Der OBV auf Einzelaktien gab in den 1970ern gute Signale, in den heutigen Märkten gibt er auch häufig Fehlsignale. Dagegen ist der OBV auf den Gesamtmarkt immer noch ein sehr guter Indikator. Es handelt sich um den populärsten und auch keinesfalls den schlechtesten Indikator für Akkumulation und Distribution.

Er formt die meisten Muster aus, wie auch der Preis, zum Beispiel Doppelböden und Dreiecke, besonders gut funktionieren die Trendlinien. In der Regel hat er einen Vorlauf vor dem Preis. Man sollte die Muster im Preis und im OBV miteinander vergleichen hinsichtlich Konvergenz und Divergenz, dies ermöglicht, eine Prognose zu erstellen. Das alles funktioniert nur im längeren Zeitrahmen, da der Umsatz im Tagesverlauf von der Tageszeit abhängt. Im Daytraden muß man sich eben verlassen auf die Daten, die der Times-and-Sales-Ticker liefert.

Der OBV, wie auch alle anderen Akkumulations/Distributions-Indikatoren haben ihre größte Prognosekraft bei neuen Hochs und Tiefs, die der Markt macht. Macht der OBV zum Beispiel neue Hochs vor dem Preis, wird man auf Bars achten, die akzelerieren und größer werden. Erreicht aber der Preis zuerst ein neues Hoch, darf man erwarten, daß er zunächst pausieren wird, bis entweder der OBV folgt, oder das Ganze zu einer Wende wird. Anders ist es aber, wenn der Preis zuerst ein neues Tief macht, hier kann es sein, daß die Aktie allein viel stärker sinkt, bevor die Masse dies kapiert und der OBV folgt.

Wenn aber der OBV zuerst ein neues Tief macht, ist es Zeit, aus dem Markt zu rennen oder zu shorten, denn dieser Markt hat alle seine Unterstützungszonen verloren. Das Problem beim OBV ist, daß er den gesamten Tagesumsatz einer Seite zurechnet. In langen Seitwärtsmärkten führt das zu sehr schlechten Signalen, in der Regel prognostiziert der OBV nicht die Breaks im Voraus. Er funktioniert auch nicht in wenig liquiden Aktien und bei Nasdaq-Aktien ist darauf zu achten, daß die Nasdaq das Volumen doppelt berechnet, nämlich einmal beim Kauf und einmal beim Verkauf.

Die Grundregel beim OBV lautet, daß der Trend solange in Ordnung ist, solange das OBV Hochs und Tiefs in der gleichen Richtung ausbildet, wie der Preis. Daher empfiehlt es sich mit Trendlinien auch beim OBV zu arbeiten. Sehr wichtig ist seine Verwendung bei Seitwärtsbewegungen und Formationen zur Prognose der Ausbruchsrichtung. Wenn in einer Formation oder Seitwärtsbewegung mehr als ein Monatsumsatz akkumuliert wurde (man rechnet den durchschnittlichen Umsatz pro Tag auf zwanzig Handelstage um), darf man davon ausgehen, daß der Ausbruch nach oben sein wird, es sei denn, es würde im Verlauf der Formation dann Distribution einsetzen.

Variante
Tom deMark empfiehlt einen neuen Indikator, der entsteht, wenn man da OBV multipliziert mit dem ROC des Preises, also dem Momentum.