Aktienindizes
Das ideale Spielfeld für Daytrader
Wenngleich die Aktienindizes weniger stark trenden, wie manche andere Märkte, zum Beispiel Devisen oder Rohstoffe, weisen sie eine Reihe von Merkmalen auf, die sie zur idealen Spielwiese machen für Daytrader.
- Große Bewegung innerhalb der Tages-Range.
- Hohe Hebel und niedrige Margins, wenn man E-Minis handelt.
- Sehr hohe Liquidität, man kann also leicht in den Markt hinein und wieder heraus.
- Viele zusätzliche Indikatoren, die die Analyse erleichtern.
- Viele Hobby-Trader, was das Traden aussichtsreich macht.
Da wir uns hier hauptsächlich mit dem kurzfristigen Traden, besonders mit dem Daytraden befassen, ist ein Teil der wichtigen Trading-Fragen bezüglich der Aktienindizes in den Punkt Daytraden ausgelagert, zum Beispiel die Bereiche des Programm-Tradens und des Kassa-Future-Spreads. Die Ausführungen vermitteln hauptsächlich Hintergrundwissen über das Verhalten von Aktienindizes allgemein, speziell über die amerikanischen, also Dow, S&P und Nasdaq. Der Dax ist ein Nebenmarkt und sehr stark abhängig vom Verhalten der großen amerikanischen Märkte.
Er ist z. Z. auch nicht günstig für das Traden aufgrund eines ungünstigen Margin-Hebel-Verhältnisses und auch, weil er ein sehr unangenehmes Kursverhalten zeigt. Er wird im Tageslauf von heftigen Hin und Her-Schwankungen bewegt und größere Veränderungen treten fast immer als Folge von Änderungen in den USA auf. Sucht man Märkte, die von den USA unabhängig sind, zum Beispiel um einen Hausse-Markt zu finden, während in den USA ein Bärenmarkt herrscht, muß man auf relativ kleine Börsen gehen, im ehemaligen Ostblock oder in den Entwickungsländern. Je mehr aber diese Märkte sich etablieren und wachsen, desto stärker geraten sie unter den Einfluß von New York und Tokio.
Der Value-Line-Indikator
Der Value-Line-Index hat eine Vorreiterrolle vor dem S&P, nicht grundsätzlich, aber immer dann, wenn starke Bewegungen sich anbahnen. Dies funktioinert auch im kurzen Zeitrahmen, besser allerdings im etwas längerfristigen, in beiden Fällen ist es jedoch kein geeigneter Timing-Indikator, jedoch sollte man ihn als Hintergrund benutzen, denn er sagt etwas darüber aus, ob die anderen Timing-Indikatoren gute oder schlechte Signale geben werden.
Warum Sie die Ratschläge der „Experten“ in den Wind schlagen sollten
Der Hauptgrund ist einfach der, daß die Märkte davon leben, daß die Marktteilnehmer unterschiedliche Ansichten über die Zukunft haben. Es kann also niemals eine wissenschaftlich richtige Analyse des Aktienmarktes geben, denn gäbe es diese, käme der Markt sofort zum Erliegen: Diejenigen, die gute Aktien besitzen, würden sich davon nicht trennen und jene, die schlechte besitzen, würden keine Käufer finden. Die empirisch feststellbare Tatsache, daß die Experten immer falsch liegen, ist also eine Grundvoraussetzung dafür, daß die Märkte weiter existieren können.
Die Leute, die in den Medien auftreten, vertreten eigene Interessen. Sie sind grundsätzlich immer an steigenden Kursen interessiert, da sie eben die Masse der Anleger bei der Stange halten wollen, von denen sie leben. Von daher würde eine echte Beratung ihren ökonomischen Interessen zuwiderlaufen. Tritt zum Beispiel eine Zinswende ein hin zu steigenden Zinsen, überschlagen sich die Medien mit Argumenten, die darlegen, daß die Maßnahmen keine Trendwende bedeuten, denn die Konjunktur sei noch nicht stark genug oder sie schreiben, daß die steigenden Zinsen für die Firmen kein Problem wären, weil sie sich im Ausland Geld besorgen können, usw. Man versucht also, die Anleger systematisch irrezuführen.
Selbst wenn das obige nicht der Fall wäre, wären sie im Normalfall nicht zur Beratung fähig, da es, wie im ersten Punkt gezeigt, keine ernstzunehmende Markttheorie gibt. Beratung kann nur von einem bestimmten Wissen ausgehen und ein solches Wissen darüber, wie die Kurse sich entwickeln werden, existiert nicht. Die bekannten Zusammenhänge werden Ihnen allerdings hier auf diesen Seiten dargelegt. Sofern sich die Berater ehrlich bemühen, orientieren sich an den volkswirtschaftlichen Theorien, die versuchen, die Börsenkurse als Variablen darzustellen von volkswirtschaftlichen und finanziellen Vorgängen.
Jedoch beeinflussen die Aktienmärkte diese Vorgänge selbst und schaffen neue Fakten. Immer wenn zum Beispiel der Dow in der Vergangenheit ein neues 2-Jahres-Hoch machte, begann sich in den USA die Kreditnachfrage aufzublähen, weil die gestiegenen Kursen einen starken Optimismus erzeugen. Diese Effekte lassen sich mit einer wissenschaftlichen Theorie nicht in den Griff bekommen, da die Stimmungsschwankungen oft von externen Faktoren abhängig sind.
Handelsbeschränkungen für den Aktienmarkt
Die Handelsbeschränkungen sind hier viel lockerer als an den Rohstoffmärkten. Die Bewegungen nach denen Handelsbeschränkungen eintreten, vor allem die Limit Moves, sind so groß, daß sie selten auftreten und der Trader in jedem Fall schon aus finanziellen Gründen zuvor den Markt verlassen haben wird, so daß Limit Moves kein Problem darstellen.
Limit Moves
Wenn der Dow um 10% im Verlauf eines Tages fällt, wird das Traden in New York für 60 Minuten gestoppt, wenn er um 20% fällt für zwei Stunden, wenn er um 30% fällt für den Rest des Tages. Das Analoge gilt nicht für Anstiege. Die Werte sind durch die Tageszeit zu modifizieren. Sie gelten nur bis 14.00 Uhr, was den 10%-Einbruch angeht. Zwischen 14.00 Uhr und 14.30 Uhr wird das Traden für 30 Minuten gestoppt bei einem 10%-Einbruch, danach findet kein Stop mehr statt. Bei einem 20%-Einbruch gilt als Richtzeit 13.00 Uhr, zwischen 13.00 Uhr und 14.00 Uhr wird das Traden für eine Stunde unterbrochen und danach für den Rest des Tages. Gültig sind nicht die tatsächlichen Prozentsätze, sondern die Werte, die der Dow jeweils an den Quartalsbeginnen hatte, also am 1.1., 1.4., usw.
Curbs In
Offiziell bezeichnet man das als „Collar on Programtrading“. Wenn er in Kraft tritt, wird auf CNBC die Meldung „Curbs In“ verbreitet. Dies besagt, daß das Programselling nur auf einem Uptick mehr ausgeführt werden darf und das Programbuying nur auf einem Downtick. Diese Beschränkung wird in Kraft gesetzt, wenn der Dow 190 Punkte höher oder 190 Punkte niedriger notiert, gerechnet vom gestrigen Close. Die Beschränkungen bleiben intakt bis der Dow entweder auf 90 Punkte des gestrigen Close herangekommen ist oder bis zum Ende des Trading-Tages um 15.00 Uhr Central Time.
Typische Gipfel- und Bodenbildung beim Dow
Tages-Charts
Es kommen zwei Faktoren regelmäßig zusammen: Der erste ist, daß der Dow von seinem Schlußkurs her betrachtet stagniert oder nur wenig ansteigt. Gleichzeitig zeigen die Umsätze der Gesamtbörse eine nochmalige Steigerung gegenüber dem bereits hohen Niveau des Vortages. In der Regel kommt noch ein drittes Merkmal hinzu: die Range ist ein wenig größer als an den Vortagen. Der Dow schließt häufig in der Nähe des Tagestiefs, aber nicht immer. Im weiteren Verlauf nach dem Spike des Gipfels sinken die Umsätze meist 2-4 Tage lang, was fälschlicherweise als günstig angesehen wird.
Irgendwann danach erfolgt eine Rallye, hier muß man auch auf das Volumen achten, die Rallye dauert meist 3-5 Tage und typischerweise sinkt von Tag zu Tag das Volumen etwas. Meist nehmen auch die Kurssteigerungsraten prozentual ab. Zu dem Phänomen des nachlassenden Umsatzes nach dem Spike muß man bedenken, daß ein Großteil der Distribution ja bereits auf dem Weg zum Gipfel stattgefunden hat. Es ist also völlig normal, daß jetzt die Umsätze nachlassen. Die Umsätze nehmen dann wieder zu, wenn mehr Anleger die Zeichen erkennen, dies kann je nach Situation einige Tage bis einige Wochen dauern.
Außerdem sollte man alle Indizes betrachten, nicht nur den Dow, denn mal ist die Wendeformation bei dem einen, mal bei dem anderen klarer ausgeprägt. Außerdem führen fast immer die Spitzenwerte die Abwärtsbewegungen an. Häufig sind es die, die zuvor die Aufwärtsbewegung angeführt hatten. Man sollte daher einen Index auf die Spitzenwerte berechnen. Schon ein Tag hier mit starkem oder erhöhtem Umsatz ohne Kurssteigerung ist ein Warnsignal. Hat man auf diese Weise mögliche Wendepunkte festgestellt, so betrachtet man das stündliche Volumen im Vergleich zur selben Stunde des Vortages.
Stundencharts
Besonders nützlich ist dieses Verfahren beim Pullback, also der ersten Rallye nach dem Spike. Man erkennt dann sehr gut das Erlahmen der Aufwärtsbewegung und den Zeitpunkt, wenn das Volumen wieder zu steigen beginnt bei Abwärtsbewegungen. Weiterhin ist das stündliche Volumen wichtig, wenn der Dow sich anschickt, eine Widerstands- oder Unterstützungslinie zu durchbrechen. Ob dieser Durchbruch geschieht oder nicht, zeigt sich an der Zu- oder Abnahme des stündlichen Volumens. Ein Durchbruch ist wahrscheinlich, wenn das Volumen von Stunde zu Stunde drastisch zunimmt. Werden frühere Tiefs ein paar Tage lang bei nur geringfügiger Zunahme des Volumens unterschritten, kann es sich möglicherweise um einen Shakeout handeln: an zwei Tagen werden dann die Umsätze zunehmen, ohne daß der Kurs weiter abfällt.
Bodenbildung beim Dow
Ein wichtiges Anzeichen ist ein erster nachhaltiger Erholungsversuch. Diesen definiert er so, daß zwischen dem 3. und dem 10. Tag ein deutliches Follow Through auftritt. Damit ist gemeint ein deutliches Anziehen im Kurs und im Volumen. Allgemein haben die ersten zwei Tage keine Bedeutung, was immer hier auch passiert. Ein Hin und Her tritt relativ selten ein, nachdem ein Follow Through stattgefunden hat. Scheitert es nämlich, dann brechen die Kurse gravierend ein, meist schon am folgenden Tag. Typisch für den Beginn er Hausse-Bewegung ist auch, daß die Rücksetzer im Tagesverlauf sich über dem absoluten Tagestief des Vortages bzw. des letzten Spikes halten. Dieses Verhalten ergibt sich in ähnlicher Weise auch in anderen Zeitrahmen, zum Beispiel in Stundencharts.
Kursfestigkeit und versiegende Umsätze
In fast allen Fällen kommt es über ein oder zwei Wochen sowohl in der Basisformation als auch im Bereich eines möglichen Henkels zu einem deutlichen Versiegen des Umsatzes. Allgemein gilt, daß die Kombination von Kursfestigkeit (die Schlußkurse liegen sehr nah beieinander) und versiegendem Umsatz ein sehr starkes Hausse-Signal ist.