Aktien
Der richtige Zeitpunkt, um Gewinne bei Aktien mitzunehmen
Investoren verkaufen Aktien meist zu früh aufgrund irgendwelcher Tipps oder Nachrichtensendungen. Auf Nachrichten sollte man nur dann reagieren, wenn diese das Unternehmen ernsthaft betreffen, besonders auch, wenn sie gesamte Branche betreffen. So können zum Beispiel starke Devisenkursveränderungen dazu führen, daß einzelne Branchen in dem bestimmten Land Probleme bekommen.
Befolgt man die hier gegebenen Ratschläge zur Investition bei Aktien, wird man sehr selten Nachrichten erhalten, die die spezifische Firma, in der man investiert ist, negativ betreffen. Denn normalerweise sollte man die Aktien schon verkaufen, wenn irgendein Unternehmen derselben Branche eine bessere Entwicklung zeigt und dieses Warnsignal geht eben negativen Nachrichten um geraume Zeit voraus.
Noch frühzeitiger wird man verkaufen, wenn man die Gründe, die einen zum Kauf bewogen haben, schriftlich festhält und man ständig prüft, ob diese noch bestehen. Im folgenden werden einige Tipps gegeben für Gewinnmitnahmen bei bestimmten Aktienarten. Allgemeine Regeln für den Marktaustritt lassen sich nicht formulieren. Im allgemeinen funktioniert die Erfahrung besser. Diese muß man sich allerdings erarbeiten. Dann aber merkt man, besser als jedes System, wenn der Markt nicht mehr genügend Trend aufweist.
Verkauf von Zyklikern
Der Zyklus ist häufig dominant und wird vorweggenommen, so daß eine Aktie häufig 50% sinkt trotz steigender Gewinne. Außerdem muß man natürlich aufpassen auf die Politik der Firma, meist ist der Boom bei einem Zykliker vorbei, wenn massiv in den Ausbau neuer Kapazitäten investiert wird. Ein weiteres wichtiges Verkaufssignal sind steigende Lagerbestände. Ein weiteres sehr schlechtes Zeichen für Zykliker ist das Auftreten von neuen Konkurrenten.
Sinkende Rohstoffpreise sind normalerweise ein Zeichen von bald sinkender Nachfrage, was auf die Gewinne durchschlagen wird. Bei vielen Branchen lohnt es sich hier, auf die Terminpreise zu achten, die häufig eher reagieren als die Kassa-Preise. Letztlich muß man auch auf offensichtlich fehlgeschlagene Pläne achten, zum Beispiel wenn es nicht gelungen ist, die Kosten soweit zu senken, daß sie unter die von Ausländern zu liegen kommen.
Verkauf von Wachstumsaktien
Man muß hier das Ende der zweiten Phase im Lebenszyklus erkennen. Bei einem Ladengeschäft zum Beispiel sinkt die Zahl der neu eröffneten Läden, die alten fangen an schmuddelig auszusehen und die Kinder gehen nicht mehr gern in diesen Laden, weil irgendwelche modischen Artikel, die sie dringend brauchen, fehlen.
Weitere Warnsignale sind hohe Prozentanteile von Analysten, die die Aktie empfehlen und ihr Vorhandensein in 60% aller Fonds. Besonders verheerend ist es, wenn der Vorstandsvorsitzende zum Manager des Jahres gewählt wird oder sonst in Zeitungen hervorgehoben wird.
Weiterhin sind alle Eigenschaften von Aktien, die man meiden soll, natürlich auch Eigenschaften von Aktien, die man verkaufen soll. Im übrigen ist es wichtig, das unterschiedliche Verhalten des KGV bei Wachstumswerten und zyklischen Werten zu betrachten: während sich bei dem Zykliker am Top das KGV verringert (weil der Markt den Zyklus vorwegnimmt), wird es bei einer Wachstumsaktie am Top größer. Häufig nimmt es absurde Dimensionen an.
Weitere Warnsignale: Gefallener Umsatz im letzten Quartal, die Ergebnisse bei neuen Produkten oder neuen Läden sind enttäuschend, zwei Top-Manager oder mehrere etwas tiefer angesiedelte gehen zur Konkurrenz, die Firma unternimmt große Anstrengungen, um den Institutionellen ein extrem positives Bild zu vermitteln, das KGV ist deutlich größer, zum Beispiel bei 30 als die Gewinnschätzungen für das nächste Jahr, zum Beispiel 20.
Verkauf von Turnaround-Aktien
Man verkauft natürlich, wenn der Turnaround gelungen ist. Dies ist der Fall, wenn die Aktie wieder in eine der anderen Kategorien, zum Beispiel Zykliker, fällt.
Weitere Signale: Die Schulden steigen wieder, nachdem sie sich fünf Quartale hintereinander verringert haben; die Vorräte steigen doppelt so schnell, wie der Umsatz; das KGV ist höher als der Gewinn; die Umsätze von Unternehmen, die die Produkte der Firma abnehmen, sinken.
Verkauf von Substanzwerten
Dies war früher sehr problematisch, man konnte jahrzehntelang auf einem Goldesel sitzen, ohne daß die Leute das merkten. Heute wird nach 2-3 Jahren ein professioneller Firmenjäger auftauchen und ein günstiges Übernahmeangebot abgeben, was die Kurse in die Höhe schießen läßt. Falls keins der folgenden Warnsignale auftritt, sollte man darauf warten.
Warnsignale: Die Firma gibt Neuemissionen aus, um zu diversifizieren. Man verkauft eine Sparte zu einem niedrigeren Preis als man erwartete. Eine Änderung in der Steuergesetzgebung mindert den Wert des Verlustvortrages erheblich, der Anteil der Institutionellen ist in den letzten Jahren auf über 60% gestiegen.
Zehn Warnpunkte von Appel
Die ersten sieben stammen von Len Cedar, die letzten drei von Apple. Alle Warnsignale sind sehr frühzeitig.
- Insider-Trading
- Buchhaltungstricks (Hier ist das künstliche Hochhalten der Gewinne gemeint, besonders üblich bei Konglomeraten und Computeraktien. Man sollte hier achten auf Posten wie: Restated Earnings, Poolings of Interest und Profits from Continuing Operations oder auch Abwertungen von Schulden oder Veränderungen des Fiskaljahres)
- Diversifikation (In der Mehrzahl der Fälle nicht sinnvoll)
- Prozesse
- Übernahmen (Häufig als Gerüchte oder aus dem Kurs absehbar, wichtig ist hier der Ruf der übernehmenden Gesellschaft)
- Volumen (Ein Klimax im Volumen hat fast immer fundamentale Ursachen, besonders dann, wenn er von keiner oder nur geringer Preisbewegung begleitet wird)
- Gesunder Menschenverstand (Z. B. was den Konjunkturzyklus angeht)
- Das Häufen von Korrekturen bei Gewinnprognosen
- Rücktritte von Managern
- Das Fehlen von Neuerungen bei der Produktpalette
Verkaufssignale nach Granville
Stärkere Kursrückgänge bei einzelnen Spitzenwerten zeigen häufig das Ende der Hausse an, auch, wenn der Gesamtmarkt noch steigt. Wenn ein Kurs 2-3 Wochen (8-12 Börsentage)sehr stark anzieht, sollte man ihn verkaufen, denn meistens liegt ein Klimax vor (blow-off).
Bei angekündigten splits sollte man das Papier verkaufen, wenn der Kurs zuvor schon stark gestiegen ist. War dies nicht der Fall, steigt der Kurs nach dem split häufig 20-30%. In diesem Fall sollte man dann verkaufen, da meist dann eine Konsolidierung eintritt. Während sehr starken Kurssteigerungen bei denen großer Optimismus in den Medien herrscht.
Neue Hochs bei sinkenden Umsätzen
- Sehr starke Umsätze, ohne daß der Kurs wesentlich steigt. Dies deutet immer auf Distribution hin (Churning).
- Schließt der Kurs mehrere Tage auf oder bei Tagestief, so steht ein Trendwechsel bevor.
- Immer verkaufen, wenn ein Kurs um mehr als 12-15% sinkt.
- Immer verkaufen, wenn wichtige Unterstützungslinien durchbrochen werden.
- Grundsätzlich sind alle Zeitpunkte zu berechnen, an denen zu erwarten ist, daß Großanleger aus steuerlichen Gesichtspunkten heraus, zuvor gemachte Gewinne ralisieren werden.
- Wenn ein Wert stark gestiegen ist, ist jeder Durchbruch aus dem Trendkanal, auch der nach oben, ein Verkaufsignal, meist liegt im letzteren Fall ein blow-off.
- Immer verkaufen, wenn neue Hochs aus dritter Kursbasis, mittlerweile ist dann alles zu offensichtlich geworden.
- Neue Hochs bei gleichzeitig unregelmäßigen und sprunghaftem Chart(mangelnde Kursfestigkeit).
- Starke Kurseinbrüche bei sehr hohem Umsatz.
- Sehr wichtig ist folgende Regel: Ist ein Kurs über einen langen Zeitraum hin gestiegen, so ist es meist günstig, ihn zu verkaufen, sobald sich die 200-Tage-GD-Linie umkehrt.
- Immer verkaufen, wenn die relative Stärke unter 70 fällt.
- Jeden Wert verkaufen, der droht, gemachte Gewinne wieder zu verlieren und zwar auch dann, wenn dabei unter Berücksichtigung der Transaktionskosten +/- 0 rauskommt.
- An Verkauf sollte man auch dann denken, wenn nach längeren Steigerungen weitere extreme Kurssteigerungen bei gleichzeitigen extrem hohen Werten auf der Skala der relativen Stärke auftreten.
PSR als Verkaufssignal
Das Kurs/Umsatzverhältnis ist zwar nicht für das Timing des Verkaufs geeignet, gibt aber dennoch gute Hinweise, welche Aktien grundsätzlich überbewertet sind, wobei man immer die Größenklasse miteinberechnen muß mit ihrem jeweligen PSR-Niveaus.
Grundsätzlich gibt es zwei Gründe eine Aktie zu verkaufen. Der eine ist dann gegeben, wenn das PSR außergewöhnlich hoch geworden ist, so daß es Zeit wird, Gewinne mitzunehmen. Der andere besteht darin, daß eine Firma ja bestimmte Qualifikationen verlieren kann, die es zuvor als Super Aktie qualifizierten.
Einer der häufigsten Gründe, der zu dem Eintreten eines der beiden oben genannten Verkaufsgründe führt, ist ein Ende des Wachstums im Hauptgeschäft bzw. Verlangsamung des Wachstums, hervorgerufen entweder durch eine Marktsättigung oder dadurch, daß der Markt etabliert ist und nur noch mit dem BSP zusammenwächst.
Grundsätzlich muß man so verfahren, daß man von Zeit zu Zeit eine Aktie, die man im Depot hat, so analysiert, als wäre man ihr zum ersten Mal begegnet und sich frägt, ob man sie dann kaufen sollte. Dies ist natürlich das Schwierigste, was man sich vorstellen kann, denn es ist fast unmöglich gegenüber eigenen Aktien objektiv zu sein.
Bei der Beurteilung, ob der erreichte PSR-Wert so hoch ist, daß man Gewinne mitnehmen sollte, muß man die Veränderungen der PSR-Werte im Zeitverlauf berücksichtigen. 1978 etwa war ein PSR-Wert von 2,5 extrem hoch, im Bullenmarkt von 1984 sind Werte über 5 ganz üblich. Es gibt auch einige Aktien, die einen PSR-Wert von über 20 besitzen.
Weiterhin ist die Höhe des PSR zu betrachten relativ gesehen zur Größe der Gesellschaft und zu ihren Zukunftsaussichten. Im Normalfall sind Werte zwischen 2 und 5 schon extrem hoch. Nur wenige Gesellschjaften werden in diesem Bereich über einen längeren Zeitraum verweilen. Bei Gesellschaften, die über 1Milliarde Umsatz machen, ist ein Wert von 3 bereits extrem.
Zeichen von Gefahr
Gewinne sollte man dann mitnehmen, falls eines der folgenden Gefahrenzeichen auftritt, natürlich nur, bevor das Gewinnziel erreicht wird:
- Die Aktie gibt den meisten Gewinn innerhalb von zwei Stunden zurück.
- Sie schließt in der Nähe des Low, nachdem sie deutlich schon vorher nach oben ging.
- Bei hohem Volumen kommt es nur zu einem geringen Anstieg.
- Sie macht ein großes Aufwärtsgap beim Open, sinkt dann aber unter das Hoch des Vortages.
- Sie fällt zurück in das Preisgebiet, wo es zuvor einen Anstoß für einen früheren Einbruch gegeben hat.
- Ein bedeutender Market Maker verkauft die Aktie ständig im ganzen Tagesverlauf.
Weitere Gefahrenzeichen für das etwas langfristigere Traden
- Die Aktie macht ein Aufwärtsgap von mindestens 1/2$, Gaps ab dieser Größe sind meist von den Spezialisten hervorgerufen.
- Die Aktie tradet in den letzten 30 Minuten des Tages in der Nähe des Tagestiefs, dies ist bei steigenden Aktien ein frühes Warnsignal, daß die Verkäufer das Übergewicht gewonnen haben.
- Die Aktie ist im Tagesverlauf deutlich gestiegen und fällt dann am selben Tag noch zurück unter das Open. Dies ist nicht dassselbe, wie in (2).
- Die Aktie macht ein Gap nach unten um mehr als einen 1/2$ und nimmt das Tief der ersten 30 Minuten danach, also nach Ablauf der 30 Minuten, heraus.
Alle vier Kriterien gelten im umgekehrten Sinne bei Short-Geschäften.