Der frühe Vogel fängt den Wurm

Die meisten Hochs und Tiefs werden in der ersten oder letzten Stunde gemacht. Daher ist das Traden am Vormittag relativ risikolos, trotz der schnellen Bewegung: Denn man verläßt nach wenigen Minuten den Markt, wenn man nicht sofort in den Profit läuft. Noch günstiger ist es, in einem solchen Fall zu drehen und die Zahl der Futures zu verdoppeln. Bei dieser Technik wird man im Monat zwei bis drei Tage finden, die mit Verlust enden, weil man zweimal oder dreimal so ausgestoppt wird.

Auf die Dauer zahlt es sich jedoch aus, da man an der großen Mehrzahl von Tagen im Gewinn sein wird. Einen zusätzlichen Hinweis, ob der Trade Erfolg haben wird oder nicht, gibt die Ausführung: Eine schlechte Ausführung, also eine hohe Slipage, deutet meist auf eine Gewinntrade, eine günstige auf einen Verlusttrade. Die erste Range, die in der Eröffnungsphase gebildet wird, ist wiederum Ziel von Stop-Jägern. Es wird also mehrfach falsche Ausbrüche geben, vor allem, wenn es am Vortag eine starken Trend gab und der Markt sich jetzt wieder etwas beruhigt hat.

Die Kunst des Vormittags-Tradens liegt also vor allem darin, die Indikatoren sehr genau zu beherrschen, um falsche Breaks herausfiltern zu können. Das Schwierigste ist das Traden kurz nach dem Open in den ersten zehn Minuten, jedoch ergibt sich 20-30 Minuten nach der Eröffnung eine zweite Chance: Hier entwickelt sich der erste wirkliche Trend in den meisten Fällen. Diese Trendbewegung dauert meist etwas mehr als eine Stunde, worauf dann langsam schon die Mittagsphase beginnt, die von einem trendlosen Verhalten gekennzeichnet ist und vielem Jagen von Stops.

Der Eröffnungspreis bildet an vielen Tagen eine zentrale Linie, um die besonders am Vormittag die Kurse fluktuieren. Man muß dann also auch lernen mit den Indikatoren in Seitwärtsbewegungen umzugehen und die richtige Ausbruchsrichtung zu erwischen. Vielleicht das wichtigste Motiv beim Vormittagstrade besteht darin, das Gesamtmuster zu erkennen, das der Tag bilden wird. Ausgangspunkt ist die Opening Range, die Entwicklung daraus, den jeweiligen Zustand der Indikatoren, usw. Je größer die Opening Range ist, desto wahrscheinlicher ist es, daß der Tag volatil hin und her gehen wird.

Die größeren Trend-Tage haben entweder eine sehr kleine Opening Range oder machen schon einen Großteil der Bewegung direkt an die Eröffnung anschließend, ohne direkt zurückzukommen. Hilfreich bei der Beurteilung des sich entwickelnden Tages ist immer der Umstand, daß an den meisten Tagen ein Extrem des Bars am Vormittag gemacht wird. Ein weiteres Motiv ist die zeitliche Lage der News. Das sind nicht nur die News, die den Aktienmarkt insgesamt betreffen, wie Fed-Veröffentlichungen oder Konjunkturmeldungen, sondern auch Neuigkeiten von größeren Firmen, die eine Ausstrahlung auf Branchen haben, die dann wieder den Dow oder den Nasdaq bewegen können, usw.

Ein weiterer Schlüsel, besonders am frühen Vormittag, ist die Zeit, die Rallyes und Korrekturen benötigen. Eine Korrektur gegen den Trend sollte hier in der Regel nicht länger als 25 Minuten dauern, meist weniger. Dauert sie länger, so besteht eine große Wahrscheinlichkeit, daß der Trend gewendet hat. Auch gibt es so gut wie niemals längere Seitwärtsbewegungen am frühen Vormittag und auch selten am späten. Man sollte also eine Bewegung, auch wenn die eigenen Stops noch nicht ausgelöst sind, nie länger als 15-20 Minuten gegen sich laufen lassen oder seitwärts.

Dagegen dauern die Trendbewegungen meist länger, 25-40 Minuten, bevor Gewinnmitnahmen auftreten. Aufgrund der Kürze der Bewegung empfiehlt es sich auch, am Vormittag mit kleineren Charteinheiten zu arbeiten als am Nachmittag. Ein weiteres Merkmal am Vormittag ist die Schnelligkeit der Bewegung. Diese setzt die Bereitschaft zum Drehen der eigenen Position voraus, sowie eine entsprechende Mentalität, um Erfolg zu haben.

Hilfreich ist es auch, wenn man von vorhinein von bestimmten Einstiegs- und auch Ausstiegspunkten ausgeht und diese gleich an den Markt gibt. Viele Trader zögern mit Ausstiegspunkten zu arbeiten, wenn sie im Gewinn sind, weil sie sich ärgern, Geld liegen zu lassen. Auf Dauer zahlt es sich jedoch aus, denn der häufigere Fall ist einfach der, daß es zu einem Reversal kommt und der Großteil der Gewinne wieder verschwindet. Für die Gewinnziele bietet sich die Beachtung der Marktsymmetrie an.