Daytrading im Tagesverlauf

Der Tagesverlauf weist typische Rhythmen auf. Diese erklären sich teilweise aus biologischen Fakten, wie dem Mittagessen oder aus externen, wie der Häufigkeit und der Zeitpunkt von Nachrichten, usw. Teilweise lassen sie sich auch nicht erklären. Es ist zu beachten, daß für das Daytraden nicht nur diese Bewegung innerhalb des Tages wichtig sind, sondern die einzelnen Tagestendenzen. Diese werden beim Aktienmarkt besprochen. Es gibt einzelne Wochentage, die einen Aufwärts- oder Abwärtsbias haben, aber auch bestimmte Zeiten innerhalb eines Monats oder Tages mit positiven oder negativen Bias. Ein Zentralmotiv bei der Eröffnung und darüberhinaus auch im weiteren Tagesverlauf, ist das Jagen der Stops.

Der Taylor-Zyklus im Intraday-Bereich

Die Märkte haben sich heute so weit dynamisiert, daß an vielen Tagen der 3-Tage-Rhythmus von Taylor innerhalb eines Handelstages auftritt. Es handelt sich nicht um einen zeitlichen Rhythmus, sondern um einen Rhythmus, der durch die Bewegung der Insider und der Floor Trader hervorgerufen wird. Man geht praktisch so vor, daß man den Rhythmus (Kaufen, Verkaufen, Leerverkaufen)versucht, innerhalb des Tages anzuwenden. Auf diese Weise erhält man eine sinnvolle Gliederung des Tagesablaufs, am besten eignen sich hierzu 5-Minuten-Charts.

Ausgangspunkt ist immer der erste Trend gegen die Eröffnung, zum Beispiel eine deutliche Rallye nach einer tieferen Eröffnung, dies wäre die Kaufphase. Dann folgt eine Konsolidierung, die gleichzeitig verschiedene Stops jagt, dies wäre das Verkaufssignal, also das Signal zum Mitnehmen der Gewinne. Wenn dann am Nachmittag der Versuch eines weiteren Anstiegs scheitert und der Markt wieder zu den Tiefs zurückkehrt nahe der Eröffnung, wäre dies eben die Leerverkaufsphase.

Man versucht in der Eröffnung stets festzustellen, in welche Richtung diese drei Stufen ablaufen werden, wobei darauf zu achten ist, daß die Preise normalerweise zunächst in Gegenrichtung zur späteren Richtung sich bewegen. Man muß also immer auf Zeichen der Preiszurückweisung achten bei der ersten Bewegung nach dem Open. Hierzu verwendet man dann Bars mit einem kürzeren Zeitrahmen, zum Beispiel zwei Minuten. Schon das Zusammenfallen des Close eines 2-Minuten-Bars mit dem Hoch bzw. dem Tief in anderer Richtung, ist häufig schon das Zeichen, das die Gegenbewegung zu Ende geht und die Kaufphase beginnt.

Die Kaufphase kann natürlich auch nach unten gehen, gemeint ist immer der Anfangstrend. Die Kaufphase geht normalerweise nicht sofort in die Leerverkaufsphase über, sondern dazwischen liegt eine Seitwärtsbewegung von mindestens einer Stunde. Da die Bezeichnungen von Taylor etwas irreführend sind, da sie nur vom Aufwärtstrend ausgehen, ist es für praktische Anwendung besser, die Phasen mit I, II und III zu bezeichnen und in Gedanken den Tag in diese drei Phasen zu unterteilen.

11.00 Uhr- und letzte Stunde-Indikator

Die Empirie zeigt, daß die Bewegungen in der letzten Stunde sehr viel über den kurz- und mittelfristigen Trend aussagen, während die Bewegungen zwischen 11.00 Uhr und 12.00 Uhr New Yorker Zeit mehr etwas über den längerfristigen Trend aussagen. Die Wichtigkeit dieser beiden Phasen hängt damit zusammen, daß viele Trader die Eröffnungsphase vermeiden und erst gegen 10.30 Uhr beginnen, Positionen einzunehmen, dies aber spätestens um 12.00 Uhr erledigt haben, weil sie dann zum Mittag gehen.

Die letzte Stunde ist dadurch gekennzeichnet, daß die Spezialisten hier den Büchern den letzten Schliff verpassen, während die Daytrader aussteigen. Wichtig ist immer, wenn beide Indikatoren in die gleiche Richtung gehen. Dies ist immer ein Zeichen für längere Trends.

Mittagszeit

Da hier das Volumen stark austrocknet, muß man hier mit einem Gegentrend rechnen, der meist jedoch ziemlich schwach ausgeprägt ist. Wie in allen ausgetrockneten Märkten, so ist auch hier besonders auf die Lage der Stops zu achten. Denn bei niedrigem Volumen reizt das die Floor-Trader den Move in diese Richtung zu lenken. Man kann die Richtung vorhersagen, wenn man auf den Chart sieht und richtig erkennt, wo die nächsten größeren Stops liegen. In diese Richtung werden die Kurse sich dann bewegen, sind die Stops ausgelöst, werden sie wieder zurückkommen.

Man sollte die Bewegungen in der Mittagsphase nicht allzu ernst nehmen, meist scheitern sie. Dies gilt für Bewegungen, die zwischen 11 und 13 Uhr begonnen haben. Hat sich kurz nach 11.30 Uhr noch kein deutlicher Gegentrend entwickelt, werden die Bewegungen noch unzuverlässiger und ziemlich volatil.
Falls die typische Gegenbewegung in der Mittagsphase ausbleibt (geschieht meist nach einem starken Vormittagstrend), dann entwickelt sich der Gegentrend erst am frühen Nachmittag, jedenfalls nach 13.00 Uhr.

Typische Wendezeiten

Die Wendezeiten verändern sich mit der Zeit. Man muß also jeweils genau die vergangenen Tage beobachten. In den letzten zwei Stunden, besonders in den letzten 45 Minuten, hat der Aktienmarkt die Tendenz zum Trend, wenngleich in den letzten Minuten häufig unvorhersehbare Bewegungen auftreten wegen Gewinnmitnahmen. Ist dieser Trend sehr stark, wird er sich wahrscheinlich in den nächsten zwei Tagen wiederholen, da größere Kaufprogramme im Markt liegen.

Die wahrscheinlichste Zeit für das Tages-Hoch liegt entweder gleich kurz nach dem Open, wenn es ein Abwärtstag ist, oder zwischen 12.30 Uhr und 14.00 Uhr amerikanischer Zeit.

Marktsymmetrie

Die Wendepunkte lassen sich durch die Preisbewegungen sinnvoll ersetzen. Normalerweise besteht die Symmetrie, das heißt eine Trendbewegung am Vormittag sagt in ihrer Länge und Dauer etwas aus über die am Nachmittag. Man kann also den sog. Measured Move sinnvoll anwenden.