Zyklische Analyse beim Daytrading

Die traditionelle zyklische Analyse ist aber längerfristig ausgerichtet, denn je enger der Zeitrahmen gewählt wird, desto unklarer werden mathematisch gesehen und damit unberechenbarer, was einfach damit zusammenhängt, daß kleinere Zyklen weniger Kraft haben und von größeren häufiger dominiert werden, so daß ihr Rhythmus schlechter zutage tritt. Man sollte daher meinen, daß man sie vernachlässigen kann, dies ist aber nicht der Fall.

Der Grund liegt in der Schärfe der Hebel, auch kleinere Bewegungen können schon zu größeren Verlusten und Gewinnen führen. Daher empfiehlt es sich, auch die Zyklen im kurzen Zeitrahmen zu beachten, denn auch, wenn ein Zyklus zum Beispiel häufig ausbleibt, so führt dies zwar dazu, daß er mathematisch durch die Software nicht mehr nachweisbar ist, aber auch dieses Ausbleiben ist dann ein Signal, nämlich ein Trendsignal, das zeigt, daß ein höherer Zyklus die Kontrolle übernommen hat und sich tendenziell ein Trend entwickelt hat.

Ein zyklisches System

Wenngleich statistisch gesehen die Aktienmärkte eben nicht Mean Reverting (vgl. Volatilität) sind, gibt es doch einen gewissen Zyklus, der allerdings nur zunächst qualitativ zu benennen ist: der Markt hat die Tendenz zwischen einem relativen Tief und einem relativen Hoch hin und her zu pendeln. Dies kann man quantitativ so in den Griff bekommen, dass man vom tiefsten Close in X-Tagen und mit dem höchsten Close in X-Tagen arbeitet.

Das System eignet sich jedoch nicht so besonders gut für das Future-Traden. Es wird empfohlen mit geringfügig out-of-the-money-Optionen zu handeln, zum Beispiel auf den OEX. Das Future-Traden könnte die finanziellen Möglichkeiten übersteigen wegen grösseren Drawdowns. Die besondere Stärke des Systems liegt darin, dass sehr viele Trader Oszillatoren benutzen.

Die Psychologie, die jedoch hinter den oben dargestellten Zyklen steht, reagiert wesentlich schneller als die Oszillatoren. Wenn wir bereits im Markt sind, geben sehr viele Oszillatoren ein Signal, so dass eine gewisse Beschleunigung auftritt. Die Idee ist, dass der Markt sich so verhält, dass die Psychologie sich ändert, einige Tage nachdem ein Wechsel im Extrem aufgetreten ist. Der Vorteil des Systems liegt vor allem darin, dass er sehr oft grössere Bewegung erwischt.

Trading Regeln

Es werden hier nur die Kaufregeln besprochen, die Regeln für das Leerverkaufen (Shorten) sind analog im umgekehrten Sinn. Man verwendet sechs Tage (daher wäre es möglich, dass ein Bezug besteht zu den Mondphasen, wo sechs Handelstage etwa ein Viertel sind). Für den S&P wartet man auf einen Schluß unterhalb des tiefsten Preises der letzten sechs Tage, vor der Eröffnung des folgenden Tages plaziert man dann einen Buy-Stop und zwar beim höchsten Schluß der vorangegangenen drei Tage. Kommen wir nicht in den Markt, wird der Stopp am Ende des Tages zurückgenommen, wenn aber der Markt wiederum unter dem tiefsten Preis, der jetzt letzten sechs Tage schliesst, dann wird das Verfahren wiederholt.

Verschiedene Kurzzeitzyklen

Der 4-Tage-Zyklus nach Murrey
Auf drei aktive Tage folgt ein neutraler. Murrey ist der Meinung, daß dies durch den Erdmagnetismus hervorgerufen wird. Er empfiehlt daher mit Zeitrahmen zu arbeiten nicht nur bei seinen Murrey-Verfahren, sondern auch bei den Indikatoren, die es ermöglichen, diesen Zyklus erscheinen zu lassen.

Der Zyklus von 384 Minuten
Dieser Zyklus stammt auch von Murrey, er ist der Meinung, daß diese Zahl (abgeleitet von der siderischen Mondbewegung) in allen Zeitrahmen eine Rolle spielt, besonders bei Tagen, aber auch bei Minuten. Wichtig sind auch die 16tel, in diesem Fall 24 Minuten.

Der Gezeiten-Rhythmus
Er dauert 12,4 Stunden und betrifft auch Börsen, die nicht unmittelbar am Meer liegen, da die Anziehungskräfte des Mondes in analoger Weise auf die Erdoberfläche wirken. Ebenso wirken sie auf den Menschen ein und auch auf sein Nervensystem. Man sollte diese typische Verschiebung, denn 2 x 12,4 Stunden sind 24,8 Stunden und das ist länger als ein Tag, in den Märkten beachten. Man kann auch mit Gezeiten-Tabellen arbeiten.

Sonnenuntergang und Sonnenaufgang
Sowohl beim Sonnenuntergang als auch bei Sonnenaufgang aktiviert sich das Geschehen an den Börsen. Das läßt sich sehr gut bei den Devisen beobachten, die rund um die Uhr im Interbanken-Handel getradet werden, bei Aktien und Futures vor allem im nach- und vorbörslichen Handel. Hier zeigen sich häufig starke Veränderungen nach oben oder unten, diese Tendenz sollte man ausnutzen.

90-Minuten-Zyklus
Dieser Zyklus läßt sich auch im Dow statistisch nachweisen. Er hängt zusammen mit dem circadianen Mondzyklus. Er findet sich auch in der Schlafphase bei der REM (Rapid Eye Movement)-Phase. In der Wachphase, die für die Börsen relevant ist, wirkt sich der Rhythmus so aus, daß alle 90 Minuten die Kurse eine kleine Verschnaufpause machen. Dies ist besonders nützlich für Daytrader. Stagnieren der Kurse bedeutet hier meist, daß der Kurs noch weitergehen wird, wenn sie im Rhythmus dieses Zyklus auftreten.

Empirisch gewonnene Zyklen
Neben den obigen Zyklen, die mit ganz bestimmten externen Rhythmen zusammenhängen, gibt es empirisch gewonnene Zyklen, die also mathematisch extrahiert werden, vgl. die zyklische Analyse. Ein Beispiel ist ein 200-Minuten-Zyklus, schwankend zwischen 180 und 240 Minuten, der sich immer wieder im Yen zeigt mit Unterbrechungsphasen. Diese empirisch gefundenen Zyklen können zeitweise durch Überschneidungen von anderen Zyklen sich ergeben, daher neigen sie dazu zu verschwinden und irgendwann wiederzukehren.