Das Verhältnis von Aktienmarkt und Konjunktur

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein war dieses Verhältnis eindeutig: Steigende Konjunktur führte zu steigenden Aktienkursen aufgrund der höheren Gewinnerwartung. Heute sind die Verhältnisse wesentlich komplexer. Es hängt von mehreren anderen Faktoren ab, ob die Börse eine anziehende Konjunktur begrüßt in der Hoffnung auf höhere Gewinne oder ob sie in der Erwartung von steigenden Zinsen stattdessen nach unten geht. Zu Beginn der Konjunkturerholung allerdings steigen meist die Zinsen gemeinsam mit dem Kursen. Danach wird das Verhältnis komplizierter. Zusätzlich kompliziert wird das Verhältnis dadurch, daß die kausale Wirkung nicht mehr von der Wirtschaft auf die Börse ausgeht, sondern manchmal auch umgekehrt. Ein starker Einbruch an der Börse kann durchaus auch zu einer Konjunkturabkühlung führen, weil die Verluste der vielen kleinen Vermögensbesitzer einen Konsumverzicht erzwingen.

Die zwei Arten von Inflation und ihr Einfluß auf den Aktienmarkt

Es ist von zentraler Wichtigkeit für die Börse zwischen zwei Arten der Inflation zu unterscheiden:

Nachfrageinflation
Dies ist die klassische Form bei der zuviel Geld zu wenig Güter jagt. Aus ihr kann sich auch eine Hyperinflation entwickeln. Solange dies aber nicht geschieht, können die meisten Unternehmen die Preise stärker anheben als ihre Kosten steigen. Dadurch entstehen nominale Gewinne.

Kosteninflation
Dies kann ausgehen entweder von den Lohnkosten oder von den Importpreisen. In den 70ern kamen beide Faktoren sehr stark zusammen, ein dritter Grund liegt in den ständig steigenden ertragsunabhängigen Steuern. Bei diesem Typ steigen meist die Kosten stärker als eine Abwälzung durch die Preise möglich ist. Es ist klar, daß dies sich auf die Börse sehr negativ auswirkt. Besonders ist zu beachten, daß ein Gegensteuern der Notenbank hier viel stärkere und negativere Auswirkungen hat als beim ersten Typ und zwar sowohl, was die Börse angeht, als auch die Konjunktur.

Disinflation

Die klassische Einteilung in Inflation/Deflation ist in der heutigen Zeit nicht hilfreich. Die Keynesianistischen Restbestände in der Politik der Notenbänke verhindern in der Regel das Entstehen einer echten Deflation. Sie erscheint meist nur als Drohung. Typisch ist dagegen der Zustand der Disflation, das heißt einer leichten Inflation, die teilweise aber durchaus mit Abkühlungen in der Wirtschaft einhergehen kann. Ursache sind die ständigen Störungen des Konjunkturablaufs durch staatliche Eingriffe. Der PPI, also der amerikanische Index der Produzentenpreise, ist ein gutes Maß für die Entwicklung von Inflation und Deflation.

Von Inflation kann man eigentlich erst dann sprechen, wenn zumindest die Gefahr einer Selbstverstärkung besteht, also einer Inflationsspirale. Dies ist erst gegeben, wenn die Inflation über 5% liegt und gleichzeitig die Leute auch überzeugt sind, daß diese Entwicklung auch weitergehen wird. Dies sind sie auch nur dann, wenn der Trend der Inflation dabei gleichzeitig steigt. Auch sollte die letzte Deflation auch längere Zeit zurückliegen. Alle anderen Phasen kann man also als Disinflation bezeichnen, das heißt ein Zustand, der für die heutigen Industriegesellschaften mehr oder weniger normal ist und nicht unbedingt zur Selbstverstärkung neigt.

Die Entstehung der modernen Disinflation

Unter Disinflation versteht man das in den letzten Jahrzehnten in den Industriestaaten entstandende Inflationsmuster. Es besteht aus einer moderaten Inflation und einer Notenbankpolitik, die durch Geldverknappung und Erweiterung, zum Beispiel Offenmarktpolitik und ähnlichem einerseits, andererseits über Variierung des Zinssatzes versucht diese Inflationsrate auf niedrigem Niveau stabil zu halten. Jede Inflation bedeutet eine Umverteilung von bestimmten Gruppen an andere. Schwerpunktmäßig sind an der Inflation die politischen Klassen interessiert, vor allem, weil dadurch die Menschen in höhere Steuergruppen komemn, also stillschweigende Steuererhöhungen auftreten. Dies führte in der Vergangenheit häufig dann zu galoppierender Inflation, wenn das naive Geldvertrauen der Massen verlorenging.

Weitere Gruppen, die an der Inflation interesssiert sind, sind die Gewerkschaften, weil so mehr Geld von den Armen und Arbeitslosen abgezogen wird, hin zur Pressure Group, die sie vertreten. Dieser mächtigen Inflationskoalition aus Politikern und Gewerkschaftern steht jetzt aber in den letzten Jahren eine immer stärker werdende Einflußnahmen gegenüber von seiten der internationalen Unternehmen. Dabei sind diese Unternehmen nicht in erster Linie an Geldwertstabilität interessiert, obwohl sie dies von den Regierungen ständig fordern. Ihr Interesse liegt vielmehr in Phasen von steigenden Zinsen, die angeblich der Inflations- bekämpfung dienen sollen. Dies ist auch der Grund, warum die merkwürdige Finanzpolitik von Greenspan trotz seiner vielen Irrtümer und Fehleinschätzungen ständig gelobt wird von seiten der Industrie.

Die alteingessenen Weltkonzerne sind mit jeder technischen Neuerung der Konkurrenz ausgesetzt von einer Vielzahl von neugegründeten Unternehmen, die viel dynamischer sind. Um sich dagegen zu wehren, benötigen sie Phasen der steigenden Zinsen. Während sie selbst nämlich leicht in der Lage sind, sich im Ausland zu finanzieren und daher die Zinsen in einem Land für sie keine Rolle spielen, bedeuten steigende Zinsen für junge Unternehmen häufig den Tod. Sie werden übernommen oder gehen Konkurs. Nicht nur die Zahlungen für Zinsen wachsen, gleichzeitig nimmt die Bereitschaft der Banken ab, Unternehmen Kredite zu geben und hiervon sind besonders die jungen Unternehmen betroffen. Normalerweise schon im Verlauf eines Jahres führen steigende Zinsen zu sinkenden Aktienkursen.

Dies verhindert lukrative Börsengänge und nimmt den jungen Unternehmen die Möglichkeiten, sich am Aktienmarkt zu finanzieren und zu retten. Die Disflation ist sozusagen der Kompromiß zwischen der politischen Klasse und den Weltunternehmen. Es ist Inflation genug, um weiter Geld in das Steuersäckel zu bringen auf Kosten der unteren Schichten, man nimmt diese Inflation aber zum Anlaß, immer dann, wenn neue Wellen von Technologien heranbranden, an der Zinsschraube zu drehen und den Aktienmarkt nach unten zu führen. So kämpfte Greenspan seit 1997erbittert gegen die steigenden Börsenkurse an mit immer neuen Warnungen, weil die Internetfirmen eine echte Bedrohung für die etablierten darstellten. Erst 2000 gelang es ihm dann, die Weichen für den Börsenzusammenbruch zu stellen.

Warum der Keynesianismus bei der Inflationsbekämpfung scheitert

Sehen wir einmal davon ab, daß der Keynesianismus eben ein Produkt der Ökonomie ist, die von der falschen Annahme ausgeht, daß Angebot und Nachfrage unabhängig sind, obwohl in Wahrheit das eine das andere beeinflußt und zwar auf vielfältige Weise, so scheitert der Keynesianismus in erster Linie daran, daß jede finanzpolitische Maßnahme irgendwelche Interessen von Einflußgruppen betrifft. D. h. er scheitert an der praktischen politischen Durchführung.

Es ist zwar gelegentlich durchsetzbar, in einer Depression die Ausgaben des Staates zu erhöhen und manchmal auch die Steuern zu senken (obwohl es hier meist schon hapert), aber es war bisher noch nie in irgendeinem Land durchsetzbar in der Boomphase zu sparen. Außerdem führt der Versuch einer Keynesianistischen Politik durch das ständige Ändern von Ausgaben und Steuersätzen zu soviele politischen Kämpfen, auch innerhalb der Parteien, daß das Ganze schon bald ins Gegenteil umschlägt. Im Normalfall führt dies zu einem permanenten Nachfrageüberhang, zu Inflation und der modernen Diflation und zu einer Wirtschaftspolitik, die das Marktgeschehen soweit außer Kraft setzt, daß man nur noch die negativen Seiten der Marktwirtschaft hat und nicht mehr die positiven.

Liquiditäts-Hausse

Eine Liquiditäts-Hausse tritt auf oder wird zumindest erwartet, wenn nicht nur die Zinsen gesenkt werden, sondern auch sonst eine Politik des lockeren Geldes betrieben wird, zum Beispiel über die Offenmarkt-Politik. Damit eine Liquditäts-Hausse dann auch wirklich erscheint, muß dann noch hinzukommen, daß die Wirtschaft stagniert. Dies führt dann in der Regel dazu, daß die Inflation am Aktienmarkt stattfindet und nicht bei den Realgütern. Man muß also immer bei lockerer Geldpolitik prüfen, ob die Inflation in die Aktien gehen wird, in die Immobilien oder in die Preise.

Gewinn-Hausse

In den Medien geistert ständig die Hoffnung auf eine Gewinn-Hausse, die auf die liquiditätsgetriebene Anfangs-Hausse folgen soll. In der Realität ist es aber so, daß Gewinnüberraschungen in erster Linie kleine Aktien in die Höhe treiben und die spekulativen Werte. Die großen Werte, besonders die des Dax und des Dow, aber auch ein Großteil der S&P-Aktien, werden dagegen in erster Linie von den Zinsbewegungen beeinflußt. Die wirklich großen Börsenzuwächse finden normalerweise in den Rezessionsjahren statt. Ein bis zwei Jahre danach folgen dann die Gewinnüberraschungen, die aber häufig einhergehen mit einer eher durchwachsenen Börse, je nach Umfeld. Gewinnüberraschung und Rezession gehören zusammen, denn in der Rezession werden Rationalisierungen vorgenommen und sobald dann die Konjunktur anspringt, wachsen zwangsläufig die Gewinne.

Rezession

Rezessionsjahre sind fast immer fast immer sehr gute Aktienjahre. Dagegen brechen die Aktien in der Hochkonjunktur meist ein. Dabei ist jedoch zu beachten, daß die Aufwärtsbewegungen in Rezessionsjahren ziemlich selektiv sind, es profitieren vor allem jene Branchen, die trotz Rezession gut dastehen, in Deutschland traditionell Exportwerte. Die anderen Aktien steigen dann auch, aber erst nachdem sie eingebrochen sind.