Options-Indikatoren

Prämie und Marktrichtung
Das Insider-Wissen läßt sich auch für den Gesamtmarkt nutzbringend verwerten. Nehmen wir an, in einem bullishen Markt an dem der S&P steigt, zum Beispiel um 10$ und jene Optionen, die 5$ über diesem Schlußkurs liegen, sich nicht bewegen oder am nächsten Tag sogar noch etwas niedriger notieren, dann weiß man genau, daß irgendwo ein Verkaufsprogramm beginnen wird, so daß gleichgültig, wie bullish die Leute sind, der Markt nicht steigen kann.

Noch sicherer kann man natürlich sein, wenn gleichzeitig bei diesem Szenario die Puts steigen würden, das heißt zusammenfassend, die out-of-the-money-puts- und calls zeigen, was die großen Spieler gerade aktuell beabsichtigen, denn die Leute, die sichere Informationen darüber haben, wie sich der Markt in den nächsten Stunden bewegen wird, kaufen dann keine Optionen mit großen Prämien, die nahe beim Geld sind. Der Kauf von out-of-the-money-Optionen ist für sie ja risikolos.

Das umgekehrte ist der Fall, wenn der Markt plötzlich fällt, aber die Put-Optionen unverändert sind oder sogar im Preis fallen. Daß Optionen gegen die Bewegung des Marktes sich bewegen können, hängt damit zusammen, daß die Market Maker, die ja einen Großteil dieser Optionen schreiben, in solchen Fällen den Markt überfluten, das heißt in dem genannten Fall des fallenden Marktes werden sicherlich viele kleine Spieler dazu animiert, Puts zu kaufen.

Dies wirkt sich aber in den Kursen nicht aus, da die Market Maker, die wissen, daß morgen ein Kaufprogramm starten wird, soviele Puts schreiben, wie sie nur gerade können. Am sichersten ist die Situation, wenn nicht nur die Optionen der Siegerseite nicht steigen, sondern die der Verliererseite gleichzeitig nach oben gehen, also wenn in einem sinkenden Markt die Calls steigen und die Puts sinken.

Der Einfluß des Hedgens
Leider muß man hier eine Einschränkung machen, sonst wäre nämlich das Geld verdienen zu leicht. Ist nämlich der Markt wirklich sehr stark down auf heftigem Volumen und unter der Führung großer Aktien, dann kann man das Prämienniveau der Calls als sehr sicheren Indikator benutzen. Das obige System funktioniert nur an normalen Trading-Tagen. Ganz besonders dann, wenn der Markt sich in einer Range befindet. Die Hauptursache hierfür ist das Hedgen. So gibt es häufige Situationen, wo die Market Maker den S&P shorten und gleichzeitig Call-Optionen kaufen. Dies geschieht im Rahmen von verschiedenen Arbitrage-Strategien. Dies geschieht allerdings meist dann, wenn größerer Bewegungen unterwegs sind. Die Prämien geben dann oft Kontrasignale.

Insiderinformationen

Vorwegnahme von Reports
Diese schlagen sich in der Regel eher in den Optionspreisen nieder, als in den Future-Preisen. Eine typische Anwendung liegt in der Vorwegnahme der Ergebnisse von Reports.

Kauf- und Verkaufsprogramme
Wie oben gezeigt, gehen grösseren Bewegungen normalerweise grössere Optionskäufe mit etwa drei Stunden voran. Ein weiterer Hinweis ergibt sich aus der Prämie, besonders bei Tops und Böden. Steht zum Beispiel in einem steigenden Markt ein grösseres Verkaufsprogramm bevor, dann erkennt man dies daran, dass die out-of-the-money-Calls flach sind oder sinken, obwohl der Markt steigt. Auch das Ende von Korrekturen lässt sich so erkennen. Nehmen wir an, in einem Bullenmarkt korrigierte der S&P um 40 Punkte, so kann man sicher sein, dass die Korrektur bald zu Ende sein wird, falls die out-of-the-money-Puts stabil werden oder sinken.

Dies hängt damit zusammen, dass jetzt die Insider aufhören, Puts zu kaufen. Noch wichtiger ist aber, dass die Market Maker, wenn sie wissen, dass die Bewegung bald zu Ende geht, den Markt mit Puts oder Calls überfluten, da sie jetzt nackt schreiben. Die Divergenz zwischen Prämie und Kurs ist also ein wichtiger Indikator für die Marktrichtung. Ausnahmen sind Situationen, wo das Hedgen dominiert, wie zum Beispiel vor dem Hexen-Sabbath. Dieser Indikator ist vor allem dann sehr sicher, wenn gleichzeitig die Optionen in Gegenrichtung auch steigen. Nehmen wir also an, der Markt sinkt, aber gleichzeitig steigen die Calls, während die Puts sinken. Es liegt hier dann sozusagen eine Doppeldivergenz vor.

Market-Maker-Squeeze

Die sogenannten Short Squeezes sind in der Regel Market Maker Squeezes. Diese sind hervorragend auszunutzen, man erkennt sie an der starken Beschleunigung des Trends zwischen 15.15 Uhr und 16.00 Uhr. Eine solche Squeeze wird mindestens drei Tage dauern und etliche hundert Punkte im Dow machen. Die Ursache liegt in den überteuerten Preisen für Optionen, sie führen dazu, dass die Institutionellen ihr Insider-Wissen normalerweise lieber als Schreiber von Optionen ausnutzen, wenn sie also glauben, dass der Markt fällt, werden sie statt überteuerte Puts zu kaufen, die dann vielleicht von 2$ auf 2,50$ steigen, lieber Calls schreiben.

Schreiben sie zum Beispiel einen in-the-money-Call von 10$, dann würde die gleiche Bewegung dazu führen, dass die Prämie auf 6$ oder etwas mehr abfällt, sie würden also das 6-8 fache verdienen als durch den Kauf von Optionen. Dieses Verfahren des nackten Schreibens ist meist relativ risikoarm, einerseits haben sie, da sie ja den Geldfluss kennen, ziemlich genaue Vorstellungen, in welche Richtung sich der Markt in den nächsten Tagen entwickeln wird. Andererseits sind ihre Möglichkeiten der Vermarktung so gut, dass es, wenn der Markt gegen sie läuft, nahezu immer möglich ist, die Optionen ohne Verlust zurückzukaufen.

Eine Market Maker Squeeze entwickelt sich jedoch dann, wenn der Dow einen grossen Sprung macht, zum Beispiel ein Gap von 100 Punkten, besonders, wenn er dabei über einen Strike-Preis springt. Da die Market Maker ihre Verluste nicht bezahlen, sondern neue Optionen schreiben in der Erwartung, dass die Lücke geschlossen wird, entwickelt sich nun häufig daraus ein Selbstläufer: der Dow steigt weiter, sie müssen die Calls zurückkaufen und neue schreiben, und dies jeden Tag bis sie sich entschliessen, die Verluste mitzunehmen. Dasselbe funktioniert auch in die andere Richtung, falls man mit nackten Puts arbeitet. Es ist aber in beiden Fällen zu beachten, dass seit 1987 eine gewissen Gegentendenz aufgetreten ist: immer mehr Market Maker scheuen sich, Optionen über Nacht zu halten und daytraden nur noch die Optionen.

Ein Sentiment-Indikator für den S&P

Veränderungen der impliziten Volatilität sind hier ein sehr guter Hinweis für die Marktstimmung. Ist der Markt zum Beispiel bullish gestimmt, dann zeigt sich dies zuerst an der impliziten Volatilität der Calls, die ansteigt, usw.

Implizite Volatilität als Indikator

Während die Put-Call-Ratio wegen des starken Einflusses des Hedgens ihren Einfluß als Indikator verloren hat, ist die implizite Volatilität nach wie vor geeignet, Bewegungen vorauszusagen. Eine niedrige Volatilität geht den größeren Moves voran. Man erkennt sie auch an der Verengung der Bollinger-Bänder, die eng seitwärts gehen. Hohe Volatilitäten findet man dagegen vor Seitwärtsbewegungen und Konsolidierungen.

Der Markt wird dann in eine größere Trading-Range eingehen. Diese Beziehung ist sogar noch besser auszunutzen. Während man nämlich im ersten Fall auf ein Breakout als Signal warten muß, die niedrige Volatilität also nur ein Filter ist, geht hohe Volatilität immer schon mit Konsolidierung einher. Trendindikatoren, wie der ADX können Hilfestellung leisten.

Volatilität und Breakouts

Immer dann, wenn die Volatilität ein neues wichtiges Tief macht, zum Beispiel ein 2-Jahres-Tief, steht ein bedeutender Move bevor. Für das Traden benötigt man natürlich zusätzliche technische Indikatoren. In jedem Fall weiß man, daß ein Break folgen wird, was schon sehr wichtig ist. Ideal wäre es, wenn gleichzeitig ein Muster gemacht wird, das einen größeren Trend verspricht, zum Beispiel ein Keil oder ein Dreieck.

Erwartungs-Analyse

Die Erwartungen lassen sich einerseits über die Prognosen der Experten, andererseits über die Reaktionen der Medien feststellen. Man prüft dann im Aktionsmarkt anhand der Preise für Puts und Calls, ob diese schon auf den Markt durchgeschlagen ist. In diesem Fall kann man dies als Kontraindikator verwenden. Man muß allerdings immer die ganze Situation betrachten und kann dies nicht isoliert betrachten. Eine typische Erscheinung besteht zum Beispiel darin, daß, während der Markt oder eine bestimmte Aktie herabsinkt, Experten und Medien versuchen, einen Boden herbeizureden. Geschieht das und werden dann große Mengen von Calls gekauft oder Call-Optionsscheine, dann kann man sicher sein, daß die Bewegung noch weitergehen wird, usw.

Zusammenspiel zwischen Erwartungen und P/C-Ratio

Eine weitere Möglichkeit, die Erwartungen zu messen, ist der Optionsmarkt, besonders die P/C-Ratio. Man muß hier die Extremwerte besonders beachten, niedrige Werte deuten auf Optimismus hin, hohe auf Pessimismus. Die Grundregeln sind erläutert auf (S. 41) anhand zweier Charts von Omega und Micron Technologie. In beiden Fällen geschah dasselbe in drei Stufen:

  1. In der ersten Stufe stiegen die Aktien an, gleichzeitig stieg aber auch die P/C-Ratio, das heißt Spekulanten gingen gegen den Trend, weil viele Puts gekauft wurden. Dies ist ein hervorragendes Zeichen für eine Trendfortsetzung und Gelegenheit, eben gegen die Masse zu traden.
  2. Als der Aufwärtstrend in die letzte Phase ging, kapitulierten die Bären und die P/C-Ratio sank stark, obwohl immer Schwankungen einzukalkulieren sind. Dies ist ein Warnsignal, daß ein Aufwärtstrend bald endet, wenn er mit einer relativ niedrigen P/C-Ratio einhergeht.
  3. Nach dem Allzeithoch der Aktie trat dann die dritte Phase ein, wenngleich die Aktienkurse jetzt sanken, sank die P/C-Ratio noch weiter, weil die Mehrzahl der Marktteilnehmer eben an eine Trendfortsetzung glaubte. Eine sinkende P/C-Ratio bei sinkenden Kurse ist aber ein Hinweis darauf, daß der Abwärtstrend weitergeht. Man kann dies analog auch bei Branchen und Indizes anwenden. Im übrigen ist es immer ein starkes bullishes Signal, wen die Kurse steigen entgegen den Erwartungen und ein Bärensignal, wenn sie entgegen den Erwartungen sinken.

P/C-Ratio

Im allgemeinen wird die Masse bei Tops euphorisch und bei Böden trübsinnig. Am zuverlässigsten sind dabei die extremen Werte der P/C-Ratio, zum Beispiel wenn beim S&P die P/C-Ratio über 0,7 steigt oder sogar auf 0,8, dann ist dies ein deutlicher Hinweis auf eine mögliche Bodenbildung. P/C-Werte von 0,2 sind typische Top-Signale. Noch wichtiger und ein sehr gutes Trendfortsetzungssignal ist es, wenn zum Beispiel, wie im Jahr ’96, bei schon geringen Kurskorrekturen schnell Angst aufkommt.

Bald nach jedem Einbruch gab es Werte von 0,6 oder mehr, was ein sehr schönes Zeichen ist, daß die Hausse weitergehen wird. Überhaupt ist diese angstgesteuerte Anlegerpsychologie der Boden für die Hausse in den 90ern, eine Wende steht erst bevor, wenn wieder die Gier die Angst überwiegt. Im übrigen ist außer der P/C-Ratio auch noch das gesamte Volumen der Optionen interessant und ein guter Kontradindikator.

Bemerkungen zur Put/Call-Ratio

Es ist zu beachten, daß die Verwendung als Kontraindikator nur dann funktioniert, wenn die Kurse schon längere Zeit gestiegen oder längere Zeit gesunken sind. Am Anfang einer Bewegung dagegen ist ein ständig wachsendes Volumen bei Calls und ein stagnierendes Volumen bei Puts eher bullish am Boden und am Top ist das umgekehrte, also ein ständig wachsendes Volumen bei Puts und ein stagnierendes Volumen bei Calls dann bearish.

Hierin liegt die Schwierigkeit der P/C-Ratio, sinnvoll ist es deshalb, sich den Gesamtumsatz der Optionen anzusehen, um entscheiden zu können, ob die breite Masse aktiv ist, die Ratio also ein Kontraindikator ist oder die Bewegungen bei Puts und Calls eher von den Insidern getragen werden. Wenn in einem Bärenmarkt nach starkem Ansteigen der Prämien der Puts die Preise hier anfangen zu stagnieren oder sogar zu fallen, dann ist dies ein sicheres Anzeichen für das Einströmen neuer Kunden, sicherer als die P/C-Ratio. Noch sicherer ist dies aber ein Zeichen, daß die großen Institute extrem viele Puts schreiben. Meist kommt es danach zu einer mittelfristigen Erholung, es handelt sich also um eine Art Sentiment-Indikator.

Tipp

Durch das stark gestiegene Hedgen ist die frühere formale Auswertung der P/C-Ratio in Verruf gekommen. Viele sind der Meinung, daß die Put/Call-Ratio völlig unbrauchbar sei. Man kann sie aber trotzdem noch benutzen, wenn man es mit ein bißchen Marktverständnis tut und die Trendrichtung und die Kursgeschwindigkeit beachtet. Nehmen wir zum Beispiel an, der Markt hat einen Gipfel gemacht und sinkt. Während der ganzen Abwärtsbewegung zeigt die Put/Call-Ratio, daß die Leute immer noch bullish sind. Dann macht der Markt einen Boden und dann explodiert die Ratio nach oben, dies ist ein sehr bullishes Signal, denn offensichtlich sind die Leute jetzt pessimistisch geworden. Auch muß man immer andere Indikatoren betrachten, wie die AD-Linie, usw.

Options-Volumen und Open Interest (OI)

Meist wird das OI der Puts und Calls übersehen. Man achtet nur auf das OI bei Futures und bei Optionen nur auf das Volumen. Man sollte aber in jedem Fall bei der Betrachtung der P/C-Ratios immer das OI der Optionen mitbetrachten. Dies hilft, größere Stimmungswandel aufzudecken. Nehmen wir an, eine Aktie macht eine starke Aufwärtsbewegung und die hohe P/C-Ratio und das hohe OI zeigen, daß diese Aufwärtsbewegung von Skepsis getragen wird, was natürlich günstig ist. Macht die Aktie oder der Markt ein Top, wird das OI weiter steigen, während die P/C-Ratio stark abfallen wird, das ist ein typisches Zeichen für eine Top-Bildung.

Normalerweise sind die Mehrzahl der Optionsschreiber Profis, häufig auch Floor-Trader und Broker. Diese pflegen sich in den allermeisten Fällen abzusichern durch den Kauf von Aktien bzw. das Shorten der Aktien, da sie nicht an hohen Gewinnen, sondern an einem regelmäßigen Einkommen interessiert sind. Ist aber der Basispreis weit entfernt, so ist eine Absicherung weder sinnvoll wegen der niedrigen Prämien, noch nötig, da man sie später, falls der Kurs sich hier nähert, noch durchführen kann.

Gibt es nun bei einem weit entfernten Basispreis eine Anhäufig des OI, dann sollte man aufpassen, wenn die Kurse in diese Richtung gehen. Wahrscheinlich wird dieser Preis erreicht, zum Beispiel bei Call, da sie Optionsschreiber sich erst absichern müssen, um delta-neutral zu bleiben und so den Kurs in die Höhe treiben. Wird dieser Basispreis erreicht, kann man davon ausgehen, daß sämtliche Schreiber von Calls gehedgt sind. Das Kaufinteresse wird als schlagartig nachlassen, weshalb es hier häufig zu Topbildungen kommt. Diese Kursniveaus stellen also wichtige Widerstandszonen dar.

Hält die Widerstandszone und fallen die Kurse zurück, oder rückt das Verfallsdatum näher, kommt zudem zunehmender synthetischer Verkaufsdruck auf, da immer mehr Schreiber entscheiden, daß sie eine Absicherung nicht mehr nötig haben und sich von den Aktien trennen, so daß zu dem Erlahmen des Kaufdrucks noch Verkaufsdruck hinzukommt, das ist der Grund, warum solche Niveaus sehr häufig Tops darstellen.

Volatilität und Markstimmung

In den 1990ern zum Beispiel war es typisch, daß hohe Werte bei der impliziten Volatilität sich an Böden bilden. An den Tops dagegen blieb die Volatilität niedrig, da eine gewisse Selbstsicherheit eingesetzt hatte und nur wenige an fallende Kurse glaubten. So etwas passiert dann immer kurz bevor die Kaufkraft versiegt. Im übrigen ist das Fehlen von Gier-Ausschlägen nach oben, was auch zur Erhöhung der Volatilität führt, bullish, da in der Regel erst das letzte Hoch von Gier gekennzeichnet ist. Es empfiehlt sich, zwei GDs der impliziten Volatilität zu benutzen, zum Beispiel 10 und 30 Tage, um die Verhältnisse zu analysieren.

Der VIX

Der VIX (Volatilitätsindex des CBOE, das sind Optionen auf den S&P)ist ein hervorragender Index für den Gesamtmarkt. Sein Wert zeigt die implizite Volatilität des Marktes für die nächsten 30 Kalendertage. Steigt das Put/Call-Verhältnis, also der Pessimismus, dann fällt in der Regel der Markt, aber der VIX zeigt scharfe Ausschläge nach oben, da nervöse Anleger die Index-Puts hochtreiben, also nicht nur das Put-Volumen steigt an, sondern die Anleger bezahlen auch mehr für die Puts. Die Extremwerte des VIX geben daher gute Kontrasignale, es spielt keine Rolle, welcher absolute Wert erreicht wird, es kommt auf den relativen an, daher benutzt man hier die Bollinger-Bänder für die täglichen VIX-Werte.

Im Gegensatz zu den Standardabweichungsbändern werden hier zwei Standardabweichungen genommen, die man um den 21-Tage-GD legt. Die Kaufsignale und die Verkaufssignale treten erst auf, wenn der VIX nach Überschreiten der Bänder wieder in diese zurückkehrt, die Kaufsignale am oberen Rand, die Short-Signale am unteren. Man muß also die Spitze im VIX abwarten. Darüberhinaus kann man auch mit absoluten Werten für den VIX arbeiten und zwar dann, wenn er 20 überschreitet und dann von da aus wieder zurückfällt unter 20. Solche Bewegungen stimmen mit den größeren Markttiefs überein.

Open Interest bei Index-Optionen

Ebenso, wie der VIX bei Kursrückgängen meist nach oben ausschlägt, steigt dann das OI für die Puts. Umgekehrt spricht es immer für die Stärke eines Bullenmarktes, wenn ein hohes OI bei Puts vorhanden ist. Man benutzt für die Analyse am besten den Frontmonat und zwar Calls und Puts, die out-of-the-money sind. Hier tummeln sich nämlich bevorzugte Spekulanten. Daher sind diese Optionen geeignet, Angst und Gier aufzudecken. Überraschenderweise findet man immer wieder Phasen, in denen ein hohes OI in Puts auf den Index Anzeichen für einen übertriebenen Optimismus ist, daher muß man das OI differenziert betrachten, da normalerweise ein hohes OI auf Puts ein bullisher Kontraindikator ist.

Wir müssen also zusätzlich zum OI die Kurse der Puts und Calls vergleichen und zwar von solchen, die jeweils gleich weit aus dem Geld sind, zum Beispiel war vor ’87 das OI der Puts größer als das der Calls, da der hohe Optimismus zu ungedeckten Put-Verkäufen geführt hat. Man verkaufte Puts als selbstgemachte Geldmaschine und landesweit wurden Seminare über das Schreiben von ungedeckten Puts abgehalten. Verglich man damals die Preise, so sah man, daß Puts und Calls die gleich weit aus dem Geld waren, denselben Preis hatten.

Nach dem Crash in den 90ern dagegen waren die Preise von Puts fast doppelt so hoch, wie die von den Calls, und dieser Marktpessimismus war die Grundlage für die große Hausse. An großen Markthochs wird man niemals ein solches Preisverhältnis finden. Liegt auf einem Optionsbasispreis ein sehr hohes Open Interest, dann handelt es sich iimmer um wichtige Widerstands- und Unterstützungszonen.

Marktpsychologie und Short-Dynamik

Der Markt als Ganzes wird von Psychologie und Mechanik getrieben. Spitzenwerte bei den Stimmungsindikatoren deuten immer darauf hin, daß der aktuelle Trend seinem Ende entgegengeht, da Angst und Gier eben an den Wendepunkten ihren Höhepunkt erreichen. Gleichzeitig wirken aber die Indexoptionen direkt, also mechanisch auf den zugrundeliegenden Markt. Liegen zum Beispiel heftige Put-Aktivitäten vor, und sind auch die Put-Prämien hoch, dann bedeutet dies, daß auch direkt im Markt zur Absicherung massiv geshortet wird. Trotzt der Markt dann diesem Verkaufsdruck und steigt, entwickelt sich eine scharfe Rallye aus dem Eindeckungszwang der Short-Position.

Die Optionsprämie als Indikator für Insider-Aktionen

Grösseren Bewegungen gehen normalerweise grössere Optionskäufe mit etwa drei Stunden voran. Ein weiterer Hinweis ergibt sich aus der Prämie, besonders bei Tops und Böden. Steht zum Beispiel in einem steigenden Markt ein grösseres Verkaufsprogramm bevor, dann erkennt man dies daran, dass die out-of -the-money-Calls flach sind oder sinken, obwohl der Markt steigt.

Auch das Ende von Korrekturen lässt sich so erkennen. Nehmen wir an, in einem Bullenmarkt korrigierte der S&P um 80 Punkte, so kann man sicher sein, dass die Korrektur bald zu Ende sein wird, falls die out-of-the-money-Puts stabil werden oder sinken. Dies hängt damit zusammen, dass jetzt die Insider aufhören, Puts zu kaufen. Noch wichtiger ist aber, dass die Market Maker, wenn sie wissen, dass die Bewegung bald zu Ende geht, den Markt mit Puts oder Calls überfluten, da sie jetzt nackt schreiben.

Die Divergenz zwischen Prämie und Kurs ist also ein wichtiger Indikator für die Marktrichtung. Ausnahmen sind Situationen, wo das Hedgen dominiert. Dieser Indikator ist vor allem dann sehr sicher, wenn gleichzeitig die Optionen in Gegenrichtung auch steigen. Nehmen wir also an, der Markt sinkt, aber gleichzeitig steigen die Calls, während die Puts sinken. Es liegt hier dann sozusagen eine Doppeldivergenz vor.