Neuigkeiten und Reports

Insiderinformationen
Normalerweise haben Insider schon vor dem Erscheinen eines Reports oder einer Entscheidung ein sicheres Wissen über das Ergebnis. Sie nehmen daher die News vorweg und dies drückt sich vor allem in stark erhöhten oder sinkenden Kursen am Optionsmarkt aus. Man kann daher, wenn man dies bemerkt, und die Kurse mit dem erwarteten Ergebnis korrespondieren, die News häufig schon vorweg nehmen. Steigen sowohl Puts als auch Calls, dann weiß man, daß der Report so ausfallen wird, daß das Volatilitätsniveau allgemein steigen wird. Steigt nur eine Seite, weiß man, daß der Report in eine Richtung gehen wird, usw.

Ereignisse und Optionsmarkt

Wenn vor Ereignissen eine extreme Stimmung herrscht, also heftige Call- bzw. Put-Aktivität, wird das Ereignis selbst normalerweise eine Bewegung in gegenteiliger Richtung veranlassen. Falls nämlich zum Beispiel eine bullishe Stimmung einen Spitzenwert erreicht, müßte schon ein völlig außergewöhnliches positives Ereignis eintreten, damit die Kurse noch weiter steigen. Dem gegenüber würde auch ein nur geringfügig schlechter als erwartetes Ergebnis, schon in der Lage sein, einen drastischen Einbruch zu erzeugen. Als die FED zum Beispiel im Februar ’94 die Zinsen erhöhte, und die Kurse sanken, stieg das Call-OI im Frontmonat über das Put-OI, was sehr selten vorkommt, dies signalierte, daß der Markt den Boden noch nicht gefunden hatte und tatsächlich fiel er im März um weitere 6%.

Umgekehrt ist es eben bullish, wenn der Markt nach oben geht, aber die Stimmung schlecht ist. Weiterhin ist es wichtig, die Stimmung bei Korrekturen im Bullenmarkt zu beachten: während der 10%tigen Korrektur zwischen dem 1.7.1996 bis zum 16.7. erreichte das P/C-Verhältnis den negativsten Wert seit ’89. Am 24. 7. wurde dies dadurch bestätigt, daß der VIX den höchsten Wert seit ’91 erreichte. Man konnte dann darauf vertrauen, daß der Bullenmarkt intakt ist. Das typische Gegenbeispiel waren August und September ’87, wo der beginnende Kursrückgang mit Selbstzufriedenheit und keiner Angst verhalten einherging.

Exzessiver Pessimismus

Häufig kommt es vor, daß vor einem Report soviele negative Erwartungen aufgebaut werden, daß der Markt auch dann steigt, wenn der Bericht wirklich negativ ausfällt. Er ist dann sozusagen erleichtert darüber, daß der Bericht nicht noch negativer war, sondern nur so negativ, wie erwartet. Ist der Bericht sogar besser als erwartet, kann es zu extremen Kurssteigerungen kommen.

Ein Neuigkeiten-System von Connors/Hayward

Das System hat vier Regeln:

  • Nach dem Close muß ein extrem bullishes oder bearishes Ereignis auftreten, zum Beispiel ein Wirtschaftsbericht, Erntereport, eine Unternehmensmeldung, eine Empfehlung von Broker-Häusern, usw.
  • Der Markt macht eine Lücke und geht jenseits des High oder Low des Vortages.
  • War das Gap nach oben, dann setzen wir einen Sell-Stop ein oder zwei Ticks unter das Vortagshoch. War es nach unten, einen Buy-Stop einen oder zwei Ticks über dem Vortagestief. Traden wir mit Aktien, können sie natürlich nicht hier gekauft werden, sondern man muß die Order manuell ausführen.
  • Ist man in den Markt gekommen, setzt man einen Ausstiegs-Stop am Eröffnungspreis des heutigen Tages. Läuft man in den Gewinn, arbeitet man mit einem Trailing-Stop.

Dieses System funktioniert so gut, weil es am klarsten die Herdenmentalität ausnutzt.

Drei Regeln zu Reports von Grant Noble

Bedeutung der Marktreaktion
Nehmen wir als Beispiel, daß ein Bushel Sojabohnen 7$ kostet und eine Ernte von 2 Milliarden Bushel prognostiziert ist, was 14 Milliarden ausmacht. Geht jetzt der neue Report von 2,05 Milliarden aus, so ergäbe das per Dreisatz 6,83$. Berücksichtigt man jetzt noch, daß bei sinkenden Preisen auch die Nachfrage steigt, so müßte Soja etwa auf 6,90$ sinken. Dies passiert aber sehr selten. Interessant ist also immer die Reaktion des Marktes auf einen Report, nie der Report selbst. Schließt Soja zum Beispiel unverändert nach dem Report und sogar höher, so warten die neuen Erntezahlen bereits im Preis oder das große Geld glaubt nicht an den Report. Weiterhin muß man immer daran denken, daß vor den Reports die meisten schwachen Hände den Markt verlassen. Diejenigen, die es dann wagen, gegen den Consensus zu ttaden, sind immer sehr starke Hände.

Weak Hands-Formation

Vor einem Report tritt meist diese auf oder die Panik-Formation. Es handelt sich um eine Rallye, die die meisten kleinen Spieler veranlaßt hat, den Markt zu verlassen. In der Regel ist dieses Signal jedoch falsch, das heißt der Trend wird durch den Report bestätigt. Allgemein besteht die Weak Hands-Formation also in einer kleinen Rallye im Bärenmarkt und einer kleineren Korrektur im Bullenmarkt, die Wenden treten auch bei kleineren Widerstands- und Unterstützungszonen auf.

Panic Formation

Dies ist eine andere Report-Formation, die gegensätzliche Implikationen hat. Der Trend beschleunigt sich hier vor dem Report panikartig. Nach dem Report kommt es dann zu einer größeren Trendwende. Die findet meist bei einer wichtigen Unterstützungs- oder Widerstandszone statt und nicht bei einer zweitrangigen, wie bei der Weak Hands-Formation. Ein System von Cooper versucht dies auszunutzen.

Daytraden und Neuigkeiten

Im Dezember 1994 traten zum Beispiel drei Faktoren auf, von denen jeder einzelne normalerweise ausreichte, um den Aktienmarkt ins Sinken zu bringen: Höhere Zinsen, Sinken der Kommunalobligationen aufgrund des Orange County-Konkurses und die Peso-Krise. Tatsächlich legte der Markt aber in diesem Monat um 1,5% zu, zehn Monate später war er um zusätzliche 30% gestiegen. Immer dann, wenn ein Markt gegen die Nachrichten steigt oder fällt, ist dies ein Zeichen für eine sehr langfristige Bewegung.

Dies ist auch auf saisonale Entwicklungen anwendbar. Die besten Trades laufen häufig den typischen Saisonbewegungen entgegen. Es führt zu nichts, wenn man seine Entscheidungen darauf gründet, welches Marktverhalten logisch wäre. Je logischer etwas erscheint, desto wahrscheinlicher wird man damit Verlust machen. Diesen Umstand versuchen die beiden nächsten Systeme auszunutzen. Den allgemeinen Umstand kann man besonders bei Aktien und im Aktienmarkt gut ausnutzen.

Trendumkehr nach aktuellen Neuigkeiten am Morgen

Die Wirtschaftsnachrichten vor Handelsbeginn rufen häufig unberechtigte Kursbewegungen hervor, bedingt durch die Einschüchterung des großen Publikums. Das folgende System ist in erster Linie für Bonds und Devisen gedacht. Man achtet auf die Nachrichten bis 8.30 Uhr EST, es sollen nach Möglichkeit bedeutsame Nachrichten sein. Man achtet dann auf das Vortageshoch oder -tief. Werden die Extrema um mindestens vier Ticks herausgenommen, setzt man in Gegenrichtung ein oder zwei Ticks eine Order.

Wird also das Hoch herausgenommen, so geht man ein bis drei Ticks unter dieses Hoch und setzt einen Sell-Stop, jeweils die Werte vom Vortagshoch oder -tief. Das jeweils andere System wird für den Stop Loss benutzt. Besonders für den Bond-Markt sind die Trendwenden an solchen Tagen sprichwörtlich geworden. Es kommt allerdings öfters vor, daß der Markt sich nicht gleich entscheiden kann, so daß man ausgestoppt wird. Es lohnt sich also immer, wieder einzusteigen, denn hat er an solchen Tagen dann seine Entscheidung getroffen, dann ist die Bewegung erfahrungsgemäß besonders signifikant.

Trendumkehr nach Sensationsmeldungen

Im Gegensatz zur vorherigen, handelt es sich hier um eine eher langfristige Strategie, sie ist besonders für Einzelaktien geeignet, wenn diese sich nämlich gegen negative Nachrichten durchsetzen und steigen, liegen wichtige fundamentale Faktoren vor. Es sollte ein Vorkommnis sein mit drastischen Auswirkungen auf den Markt, unser Pivot-Punkt wird der Schlußkurs (also nicht Hoch und Tief), den der Markt vor Auftreten dieses Ereignisses verzeichnete.

Man gibt dann eine Stop Order auf dieses Niveau zum Eintritt. Handeln wir bei Aktien, so muß hier der Stop Loss relativ weit gesetzt werden. Ein typisches Beispiel war der Orange County-Konkurs, der in den Medien in düstersten Farben geschildert worden ist. Die Versicherung von Orange County MBIA brach nur von 52 auf 47$ ein und machte das Ganze in drei Tagen wieder gut. Dies ist ein sehr typischer Trade in dieser Richtung, allerdings psychologisch sehr schwer durchzuführen wegen dem Mediendruck. Tatsächlich sind aber solche Trades nahezu 100% sicher.