Beim Daytraden kommt es vor allem darauf an, verschiedendste Informationen miteinander zu kombinieren. Marktstimmung und eintreffende News müssen zusammengebracht werden mit dem konkreten Kursverhalten, Nachbarmärkte und Indikatoren müssen berücksichtigt werden, usw. Dadurch, daß Murrey-Math im Vorhinein wichtige Widerstands- und Unterstützungslinien festlegt, und diese in einer viel größeren Zahl als dies früher möglich war, noch dazu in verschiedenen Zeit- und Preisräumen, ergeben sich viel mehr Anhaltspunkte, um das Marktverhalten zu analysieren und die zukünftige Marktrichtung zu prognostizieren.
Man kann auf diese Weise das Verhalten der Kurse viel besser verstehen. Die anderen Elemente, die Zeitlinien, Konfliktgebiete, usw. ,bieten zusätzliche, bisher nicht zur Verfügung stehende Informationen, auch Intraday. Dadurch entsteht ein Raster innerhalb dessen man das Kursgeschehen im Tagesverlauf und in kurzen Zeiträumen sehr intensiv analysieren kann. Kombiniert man Murrey-Math mit anderen Indikatoren, so erhält man außerwöhnlich hohe Trefferquoten, die anders nicht zu erzielen wären. Die Murrey-Mathematik ergibt auch sehr gute Signale beim Options-Daytrading.
Erstellung des Trading-Raumes
Murrey nimmt in der Regel eine Vierteilung der Trading-Zeit vor. Man erhält also vier Quadrate beim Future-Traden im Tagesverlauf. Bei den gewählten Preis-Oktaven sollte man darauf achten, daß man zwar eine relativ kleine geeignete wählt für das Traden, aber zumindest noch einen größeren Zeitrahmen wählt oder sogar zwei, und auch eine größere Preis-Oktave beachtet. Man kann auf diese Weise das Verhalten der Preise wesentlich besser analysieren. Das obere Diagramm benutzt den gesamten Tag als Trading-Raum und ist geeignet für 15-Minuten-Charts und Stundencharts. Bei 5-Minuten-Charts würden wir den Tagesraum teilen.
Zeitlinien beim Daytraden
Wie im obigen Beispielchart zu sehen ist, haben die Märkte die Tendenz, auf den Achtel-Linien, sowie auf den Halbierungspunkten zu wenden. Dies geschieht mit großer Regelmäßigkeit, beim S&P ungefähr in 90% der Fälle. Allerdings sind die Wenden selten so ausgeprägt, daß sie sich wirklich für das Traden lohnen würden, es sei denn, man ist in der Lage mit dem entsprechenden finanziellen Einsatz sehr kurzfristig zu scalpen.
Für den durchschnittlichen Trader empfiehlt es sich jedoch, keineswegs alle Wenden zu traden, sondern diese nur als zusätzliches Hilfsmittel zur Kursbeobachtung zu nehmen zusammen mit den anderen Murrey-Komponenten und Indikatoren. Wichtige Wenden werden durch entsprechende Oszillatoren-Werte gekennzeichnet, durch Signale der Kerzen, durch das entsprechende Verhalten des Kurses an den Murrey-Linien, durch Länge und Steilheit des Moves, durch das Durchbrechen von Momentum-Linien, usw.
Oszillatoren und Murrey-Math
Grundsätzlich sind alle Oszillatoren geeignet, besonders natürlich jene, die ziemlich sicher auf bevorstehende größere Wenden hinweisen. Bewährt haben sich zum Beispiel Oszillatoren, die auf der Differenz zweier GDs beruhen, man kann aber auch einfach die Abstände zwischen zwei GDs und Kursen vergleichen, was auch ein Zeichen für überkauft oder überverkauft ist, o. ä.
Daneben besteht die Möglichkeit den Oszillator, mit dem man gern arbeitet, selbst mit Murrey-Math zu analysieren. Im folgenden Beispiel etwa wird der RSI im Tageslauf mit Murrey-Math analysiert und man sieht, daß vor allem die Diagonalen der Quadrate wichtige Wendepunkte kennzeichnen. In jedem Fall wird auf diese Weise eine neue Dimension in der Indikatorenbetrachtung geschaffen.
News und Murrey-Math
Typischerweise führen News zu heftigen Bewegungen im Tagesverlauf. Sehr häufig gehen sie zunächst in die „falsche“ Richtung, das heißt es kommt zu einer kurzen Bewegung, die sehr steil ist, wonach die Kurse dann im weiteren Verlauf des Tages überwiegend in Gegenrichtung tendieren. In der Mehrzahl dieser Fälle geben die Zeitlinien hier einen starken Hinweis. Steigen zum Beispiel die Kurse während einer Greenspan-Rede steil an, so kann man darauf wetten, daß beim Erreichen des nächsten Wendesignals, sei es auf einer Achtel-oder einer Sechszehntel-Zeitlinie, die Gegenbewegung einsetzen wird.
Dies ist besonders dann sicher, wenn die Bewegung sehr steil und ungewöhnlich heftig ist. Natürlich, es gibt Fälle, in denen die Kurse weitergehen, wenn auch nicht mehr so steil, aber man muß eben hier die Kerzen beachten. Die Gegenbewegung setzt normalerweise mit kürzeren Kerzen ein, das heißt man hat noch genügend Zeit, die Gegenbewegung zu traden. Die Kerzenmuster geben zusätzliche Hinweise auf eine bevorstehende Wende.
Lost Motion beim Daytraden
Die Lost Motion wurde schon bei Gann besprochen. Nehmen wir als Die Lost Motion beträgt hier 0,488; also 2/8. Dies errechnet sich wie folgt: Teilt man 1000 zweimal durch 8, erhält man 15,625; wiederholt man dies zweimal, so erhält man für eine Achtellinie 0,244. 0,488 sind also 2/8 der vierten Unter-Oktave von 1000. Es ist wichtig, auch die größeren Oktaven als die vierte zu beachten, vor allem auch deshalb, weil es im Dow und im S&P einen wichtigen 4-Tages-Zyklus gibt. Die Märkte haben alle vier Tage die Tendenz, die Richtung zu wechseln. Dies kann man mit den größeren Oktaven dann besser erkennen.
Zusammenspiel zwischen Murrey-Linien und Fibonacci
Geben die Kerzencharts an einer Murrey-Linie Wendesignale, dann empfiehlt es sich, neben anderen Indikatoren, auch die Fibonacci-Verhältnisse zu betrachten. Man sollte hier nicht nur die Retracements beachten, sondern auch verschiedene Fibonacci-Extensionen und -Projektionen. Allgemein verhält es sich beim Traden, ganz besonders beim Daytraden so, daß die Gewinnwahrscheinlichkeit eines Trades sehr stark ansteigt, wenn mehrere Signale vorhanden sind. Natürlich nur dann, wenn sie aus verschiedenen Quellen kommen. Verschiedene Oszillatoren, die das Gleiche zeigen zum Beispiel, erhöhen die Trefferquote nicht. Stimmen dagegen Kerzencharts mit Murrey-Signalen und Fibonacci überein, dann ist die Trefferquote schon extrem hoch.
Speed-Resistance-Linien und Momentum-Linien beim Daytraden
Die Bedeutung der Speed-Resistance-Linien ist beim Daytraden stark erhöht. Dies hat zwei Gründe.
Zunächst einmal wenden die Kurse hier häufiger als bei Tages-oder Wochencharts, wie auch z. T. aus dem obigen Beispielchart zu erkennen ist. Praktisch jedes Mal, wenn im Tagesverlauf die beiden wichtigen Speed-Resistance-Linien berührt werden, zeigen die Kurse eine Wende oder zumindest eine deutliche Reaktion.
Weiterhin ist es beim Daytraden wichtig, immer auf die Geschwindigkeit der Kurse zu achten. Man kann Normalgeschwindigkeit und überhöhte und zu langsame Geschwindigkeit nicht nur über die Momentum-Linien feststellen, sondern auch, wenn man die Parallelität einer Kursbewegung zu einer Speed-Resistance-Linie feststellt. Auch den Momentum-Linien kommt eine erhöhte Bedeutung zu, da natürlich Trendbrüche im Tagesverlauf ebenfalls sehr wichtig sind, besonders wenn sie sich an Murrey-Linien ereignen und an Zeitlinien.
Konfliktgebiete und Daytraden
Für Tages-, Wochen- und Monats-Charts gilt, daß im Höchstfall zwei der fünf Konfliktgebiete eines Quadrats vom Kurs penetriert werden. Dieses Vermeiden betrifft jedoch in erster Linie die Close-Basis. Daher ist die Bedeutung für das Daytraden etwas geringer. Immerhin ist auch hier noch eine deutliche Tendenz festzustellen, die Konfliktgebiete zu umgehen.
Die geringere Bedeutung der Konfliktgebiete beim Daytraden ist jedoch von Mal zu Mal unterschiedlich ausgeprägt. Aktienindizes zum Beispiel verhalten sich bei Intraday-Charts, auch in kleinen Zeiträumen, fast so, wie auf Tages-oder Wochencharts, das heißt bei ihnen ist die Bedeutung der Konfliktgebiete ziemlich hoch.
Länge der Bewegung beim Daytraden
Die meisten Moves beim Daytraden sind gerade Achtel, das heißt die Bewegungen haben die Tendenz, zwei, vier oder sechs Achtel zu laufen. Man nimmt achtet also besonders auf die Lost Motion und nimmt die Vielfachen davon, beim Dow also auf 19,5 und auf 39,5; beim S&P auf 0,2444 und 0,48828, sowie auf Vielfache davon. Man wird zum Beispiel beim S&P-Future immer wieder Tage finden, wo ausschließlich Bewegungen von der Größe der Lost Motion oder von Vielfachen gemacht wird.
Der Waist beim Daytraden
Mit Waist bezeichnet man den Mittelpunkt von Kerzen. Relevant sind allerdings nur die Mittelpunkte von längeren Kerzen, sie ergeben zusätzliche Widerstands- und Unterstützungslinien und können wie eine Murrey-Linie behandelt werden. Man nimmt allerdings nicht exakt den Mittelpunkt, sondern einen mittleren Bereich. Daneben ergeben sich noch spezielle Regeln. Hat zum Beispiel der gestrige Tag eine längere Kerze gebracht und heute wird deutlich über dem mittleren Bereich dieser Kerze eröffnet, so kann man davon ausgehen, daß dies entweder ein Gap sein wird, die Kurse also weiter ansteigen bzw. absinken, wenn die Eröffnung darunter war, oder aber, daß es sehr schnell zum Reversal kommt. Weitere Regeln zum Waist befinden sich in den Büchern.
Eine etwas geringere Bedeutung als der Waist haben die Schultern des Vortages, also die Enden des Körpers der langen Kerze. Beide, sowohl Waist als auch Schultern, sollte man nur dann benutzen, wenn die Kurse sich nicht in der Nähe einer wichtigen Murrey-Linie befinden. Im allgemeinen reagieren sie darauf stärker. Der Waist wird vom Körper der Kerze berechnet, die Mitte, also nicht die Mitte des gesamten Bars. Er gilt nur für einen normalen Trading-Tag, die Kerze muß also groß sein, aber nicht extrem groß. Wir sollten ein schnelles Reversal bei Annäherung erwarten, sowie, wenn der Markt hier eröffnet oder schließt, ein Gap.
Das Volumen wird bei der Annäherung an den Waist abnehmen oder anwachsen. Ist das Volumen niedrig, bedeutet das, daß der Waist ignoriert wurde, er sollte angepasst werden. War die Kerze des Vortages sehr lang, besteht die Anpassung darin, daß man mehrere Waists berechnet. Funktioniert der 50%-Waist nicht, dann werden die Schultern des vorigen Trading-Tages als Waist benutzt. Bei einem Gap ist der Waist für den Tag nicht mehr gültig. Hält die Station auf einer Murrey-Linie, dann kann man diese sozusagen als den großen Waist betrachten und den 50%-Waist als kleinen Waist.