Aktienindizes
Bonds und Zins als Indikator für den Aktienmarkt
Wenn es überhaupt etwas Sicheres an der Börse gibt, dann dies, daß der Aktienmarkt maximal sechs bis neun Monate sich gegen einen sinkenden Rentenmarkt stellen kann. Außerdem wird der Einbruch am Aktienmarkt umso stärker sein, je länger der Markt gegen den Zinstrend lief. Dies trifft auch noch in der heutigen Zeit zu, wenngleich die Märkte, was die kurzfristigeren Bewegungen angeht, eher auf die kurzfristigen Zinsen und den Diskontsatz achten.
Die absolute Renditehöhe war früher wichtig für die Aufteilung der Gelder zwischen Aktien- und Bondsmarkt. Da heute die Dividende ihre Rolle verloren hat und die Bewegungen am Aktienmarkt rein spekulativer Natur sind, ist die Renditehöhe der Bonds bedeutungslos geworden. Der Trend der Bonds ist aber immer noch sehr wichtig, das heißt die Aktien steigen, wenn die Bonds steigen und fallen, wenn sie es tun, wenngleich auch sehr zeitverzögert. Die Korrelation ist aber nach wir vor hoch.
Ein sehr sicheres Zeichen, das fast nie Fehlsignale gibt, ist eine inverse Zinsstrukturkurve und zwar ist der Beginn der Inversität ein ziemlich sicheres Bärensignal und der Abbau ein Bullensignal. Dabei ist natürlich zu berücksichtigen, daß keineswegs alle Bullen-oder Bärenmärkte über eine inverse Phase bei der Zinsstruktur verfügen müssen.
Bonds im Tageslauf
Es gibt immer wieder Phasen, in denen sich die Händler am Aktienmarkt an den Bonds orientieren. Besonders typisch sind zwei Erscheinungen:
- Entsteht bei den Bonds eine Eröffnungslücke und wird diese dann geschlossen, dann geht der Aktienmarkt meist in dieselbe Richtung, in die die Bonds diese Lücke geschlossen haben.
- Ist der S&P stark, obwohl die Bonds schwach sind, ist dies ein wichtiges Bullensignal, denn es zeigt, daß die Kommerziellen kaufen, also die Fonds, diese kümmern sich nicht um die Bonds, während die Floor-Trader sich in erster Linie an den Bonds orientieren. Das Umgekehrte ist der Fall, wenn die Bonds stark sind und der Aktienmarkt schwach.
Prime Rate
Sie wird monatlich veröffentlicht und ist der Vorzugspreis, den die Banken ihren besten Kunden einräumen, an sich ist es ein nachhinkender Indikator, jedoch markieren Veränderungen der Prime Rate meist den Punkt, an dem der Aktienmarkt beginnt, auf die vorausgegangenen Zinsänderungen zu reagieren.
Zinsstrukturkurve und Aktienmarkt
Ist die Zinsstrukturkurve invers, sind die Zinssätze der T-Bills höher als die der T-Bonds, dann kann dies zwei Gründe haben:
- Die FED hat die kurzfristigen Zinsen erhöht, um die Inflation zu bekämpfen;
- Es werden verstärkt Bonds mit langen Laufzeiten gekauft, weil man auf ein niedriges nominales Wachstum spekuliert oder darauf, daß die Inflation weiter sinkt.
Beide Möglichkeiten bei einer inversen Zinsstruktur weisen jedoch darauf hin, daß der Markt eine nachlassende Konjunktur erwartet. Die Erfahrung zeigt, daß solche Markterwartungen meist eintreffen, vielleicht auch deshalb, weil die Konjunktur ja von den Stimmungen hervorgerufen wird.
Dagegen entspricht einer anziehenden, kräftigen Konjunktur eine normale Zinsstrukturkurve aus analogen Gründen:
- Die FED senkt die kurzfristigen Zinsen, um die Konjunktur zu beleben;
- Die langfristigen Anleger rechnen mit starkem Wachstum und damit längerfristig mit höheren Zinsen und verkaufen ihre Bonds.
Die Konsequenz ist, daß wachstumsorientierte Strategien bei inverser Zinsstruktur die besseren Ergebnisse bringen, während substanzorientierte Strategien die besseren Ergebnisse bringen, wenn die Zinsstrukturkurve ansteigt, sich also immer mehr normalisiert. Dabei ist aber entscheidend die Beachtung der Extremwerte bei der Zinsstrukturkurve. Man muß also zwischen den vier Phasen unterscheiden, wenn die Zinsstrukturkurve die Richtung ändert.
Die vier Phasen der Zinsstrukturkurve
- Von flach nach unten: Damit ist gemeint von einer flachen Kurve geht es in Richtung invers.
Die Wachstumsaktien liegen vorn, weil die Anleger glauben, daß die FED die Expansion bremsen will. - Von extrem unten nach flach: Die Kurve entwickelt sich von invers nach flach, auch hier haben Wachstumswerte die Nase vorn, weil die Anleger glauben, daß die Notenbank den restriktiven Kurs bald aufgeben wird und aufgrund der Rezession die Zinsen bald sinken werden.
- Von flach aufsteigend: Sobald die Kurve beginnt, aufzusteigen, schneiden die substanzorientierten Fonds besser ab, da die Anleger jetzt glauben, daß die Notenbank mit der Ankurbelung der Wirtschaft jetzt ernst macht.
- Von extrem steil nach flach: Auch schneiden die substanzorientierten Fonds noch besser ab bis die Kurve wieder flach geworden ist. Die Anleger glauben, daß die Notenbank die starke Expansion etwas zu bremsen sucht.
Dauer der inversen Zinsstruktur
Falls eine inverse Zinsstruktur längere Zeit anhält, ist dies meist ein Bärensignal für den Aktienmarkt. Grund: Sie hält nur dann längere Zeit an, wenn in irgendeiner Form eine Finanzkrise vorliegt oder aber wenn die Notenbank eine extreme Politik der Geldverknappung betreiben. Besonders gefährlich für die Entwicklung eines Bärenmarktes ist es, wenn zu einer länger anhaltenden Inversität auch noch eine Deflation hinzukommt. Meist wird eine solche Phase von hohen KGVs begleitet, da die Gewinne im Bärenmarkt später sinken als die Kurse.