Erfolgreicher Umgang mit Sentiment-Indikatoren

Nach einer scharfen Bewegung im Aktienmarkt deuten extreme Werte in den Sentiment-Indikatoren auf eine Wende hin, sie sind allerdings nicht geeignet, in diesem Fall, für das Timing. Führt eine deutliche Bewegung im Markt dagegen nicht dazu, daß die Sentiment-Indikatoren in den Extrembereich kommen, so wird die Bewegung weitergehen, eventuell nach einer kurzen Korrektur. Dies gilt vor allem dann, wenn sich das Sentiment im Laufe der Bewegung kaum verändert hat.

In Seitwärtsbewegungen zeigen die Sentiment-Indikatoren ziemlich sicher die Ausbruchsrichtung an. Dies gilt vor allem dann, wenn die Seitwärtsbewegung nach einer Trendbewegung auftritt, also eine Ruhephase im Trend war. Sentiment-Indikatoren funktionieren am besten, wenn sie auf Trendfortsetzung deuten. Wenn der Markt zum Beispiel stark gestiegen ist, aber immer noch Pessimismus vorliegt, kann man ziemlich sicher sein, daß der Aufwärtstrend weitergehen wird.

Put/Call-Ratio

Von den vielen Börsen und Indizes in den USA sollte man in erster Linie auf die P/C-Ratio des SPX (S&P500) achten, da diese Maßzahl stark von den Institutionellen beachtet wird.

Ein P/C-System

Es eignet sich für das kurzfristige Traden und kombiniert vier Signale, die man beobachten sollte. Der Verfasser achtet vor allem auf vier Signale:

1. Das tägliche Put-Volumen in Chicago verdoppelt seinen 10-Tage-GD
Eine Empfehlung von John Bollinger. Das Signal tritt auf, meist vor dem Tief in den Preisen, es kennzeichnet sozusagen das Tief im Momentum der Preise.

2. Der Tageswert bei den Optionen auf den S&P 100 bringt einen Wert von 1,6 Puts over Calls
Eine Empfehlung von Bernie Schaeffer. Das Signal ist vor allem bei solchen Tagen relevant, bei denen der Markt gestiegen ist. Es funktioniert ziemlich gut.

3. Mindestens zwei Tage an denen die P/C-Ratio größer als 1 ist
Es stammt ebenfalls von Schaeffer. Seine Treffsicherheit ist allerdings nicht so hoch, wie beim vorhergehenden Signal.

4. Werte von mehr als 0,75 bei der P/C Ratio, die sich nur auf Aktien bezieht
Dieses Signal tritt relativ selten auf und ist auch eher für das längerfristige Traden interessant. Es funktioniert vor allem sehr gut bei der Nasdaq.

Für alle Signale gilt das gleiche, das für die meisten Sentiment-Indikatoren gilt: Sie funktionieren am besten, wenn sie Trendfortsetzungen anzeigen.

Hines-Ratio

Die Put/Call-Ratio wird mit dem Open Interest verbunden. Die Formel lautet:

(Putvolumen : Put OI) : (Callvolumen : Call OI)

Arms-Index

Es handelt sich um einen wichtigen Marktbreiteindikator. Man kann ihn insofern auch als Sentiment-Indikator auffassen, als ungewöhnlich hohe Werte auf starke Übertreibungen hindeuten.

Geldmittel der Fonds

Man dividiert die frei verfügbaren Geldmittel der Fonds durch ihr gesamtes Anlage- volumen. Der besondere Sentiment dieses Indikators besteht darin, daß er gleichzeitig ein fundamentaler Indikator ist. Die Bewegungen am Aktienmarkt werden nämlich in erster Linie durch die Investitionsentscheidungen der Fonds bestimmt. Fehlt ihnen das Geld, fehlt der Wall-Street der wichtigste Antriebsmotor, sitzen sie auf dem Geld, so werden sie dies früher oder später investieren und die Börse hochtreiben. Natürlich gibt es Fonds auch auf anderen Gebieten, aber nirgends haben sie einen solchen Einfluß wie auf dem Aktienmarkt.

Bullish Consensus

Es ist zu beachten, daß Berater ständig optimistisch sind. Bei Befragungen bedeutet also ein Wert von 55% Optimisten bereits einen extremen Pessimismus und ist bullish. Der Gefahrenbereich beginnt bei ca. 75% Optimisten. Man kann auch zwei Extremwerte angeben. Ein bullishes Signal liegt vor:

  • Wenn entweder mehr als 50% bearish sind
  • Oder weniger als 35% der Befragten bullish sind

Beide Extremformen werden gemeinsam sehr selten erreicht, wenn, dann steht meist eine heftige Aufwärtsbewegung bevor. Man kann die beiden Extremwerte auch noch auf andere Weise nutzen: Der Markt behält meist seine Richtung bei, solange bis ein Extremwert erreicht wird. Darauf folgt im Umkehrschluß, daß Wenden, die ohne ein Extrem im Sentiment auftreten, meist nur Korrekturen sind und der Trend weitergehen wird, dies gilt auch im umgekehrten Sinne bei fallenden Werten.

Market Vane Bullish Consensus
Es gehen vier Daten ein:

  • Auswertung der Börsenbriefe
  • Auswertung der Hotlines der Advisers
  • Anfragen an die großen Brokerhäuser bezüglich der aktuellen Empfehlungen
  • Fax- und Email-Services der kommerziellen Börsenberater

Investors Intelligence
Der Investors Intelligence ist eher für das längerfristige Traden geeignet, während der Bullish Consenus und der Market Vane sich besser für kurzfristiges Traden eignen. Macht der Investors Intelligence eine Divergenz zu den beiden anderen Sentiment-Indikatoren, sollte man lieber mit diesen traden, da sie für das kurzfristige Traden wichtiger sind.

Investors Sentiment Survey
Dieser Indikator ist zu volatil, er befragt Mitglieder von Non-Profit-Organisationen.

Neuere Markstimmungsindikatoren
Man könnte man bestimmte Fonds als Sentiment nehmen, die sowohl bearishe als auch bullishe Fonds enthalten, wie die Firma Rydex. Bei sinkenden Kursen sollten der Ursa-Fond den S&P schlagen, bei steigenden Kursen der Nova-Fond. Ist dies nicht der Fall, kann man dies als Sentiment-Indikator auffassen.

Dividendenquote

Man dividiert den Gewinn pro Aktie durch die Dividende. Bei 10$ Gewinn pro Aktie etwa und 4$ Dividende, würde die Quote 40% betragen. Es handelt sich um einen sehr guten Kontraindikator für den Aktienmarkt.

Medien

Allgemein ist starke Aufmerksamkeit in den Medien das Zeichen für ein Ende des Trends. Dies gilt vor allem auch bei Aktien, bei Rohstoffen ist es teilweise differenzierter zu betrachten, denn einige Rohstoffe, wie Öl, stehen ohnehin fast immer im Mittelpunkt der Medien, man kann hier schlecht objektive Kriterien festlegen. Ein typisches Beispiel ist der Time Magazine Indicator. Eine empirische Untersuchung über 15 Jahre ergab, daß man in 100% der Fälle Gewinn machte, wenn in dieser Zeitschrift zum ersten Mal von einer Krise bei einer Firma berichtet wurde. Kaufte man dann die entsprechende Aktie, machte man immer Gewinn.

Der Members Report der NYSE

Wenngleich er mit einer Zeitverzögerung veröffentlicht wird, handelt es sich traditionell um einen der wichtigsten Stimmungsindikatoren. Allerdings hat seine Bedeutung in den letzten Jahren nachgelassen, wie auch die gesamte Bedeutung der traditionellen Aktienmarktindikatoren zurückgegangen ist.

Public/Specialists Shorts
Dies ist nach wie vor die wichtigste Kennzahl des Berichts. In der Vergangenheit war es immer so, daß ein starkes Shorten des Publikums zu Anstiegen führte. Mittlerweile verhält es sich allerdings so, daß das Publikum sehr stark schwankt in seiner Tendenz zu shorten. Die Ergebnisse werden also gestört, zumal die Spezialisten ohnehin grundsätzlich mehr shorten als das Publikum. Die wahrscheinlich beste Art, diese Zahl zu nutzen ist die, daß man ihn als Langfristindikator verwertet. In Phasen nämlich, wo das Publikum mehr shortet als die Spezialisten an der New Yorker Börse (kommt ziemlich selten vor, zuletzt 1995-1997)kann man ziemlich sicher sein, daß die grundsätzliche bullishe Tendenz des Marktes weitergehen wird.

Members Net Balance Index
Hier werden die Aktivitäten der Spezialisten addiert mit den Aktivitäten der Börsenmitglieder. Aufgrund der Arbitrage ist der Index meist im Minus. Wenn der 4-Wochen-GD des Indikators positiv wird, also von Minus ins Plus wechselt, stehen immer starke Marktanstiege an. Noch sicherer ist es, wenn dies über einige Zeit von mehreren Wochen anhält und sehr hohe Nettokäufe auftreten, was allerdings ziemlich selten vorkommt.

Total Shorts/Total Volume
Die gesamten Leerverkäufe werden durch das Volumen dividiert, also als Prozent des Volumens ausgedrückt. Signifikante Aussagen lassen sich meist nur dann ableiten, wenn die Zahl der Shorts auf ein historisches Hoch steigen, zum Beispiel den höchsten prozentualen Wert der letzten fünf oder zehn Jahre erreichen. Ähnlich verhält es sich bei den alten Indikatoren, wie Odd-Lott-Shorts. Hier werden die Short-Aufträge der kleinen Spieler dividiert durch die Leerverkäufe der Spezialisten.

Die Volatilität

Sie kann insofern als Sentiment-Indikator aufgefasst werden, als hohe Werte Marktangst kennzeichnen und niedrige Unsicherheit und Warten auf Neuigkeiten. Der VIX zum Beispiel schwankt normalerweise zwischen 18 und 30. Werte über 35 zeigen Angst. Eine Bodenbildung zum Beispiel ,die bei einem hohen OEX auftritt, zum Beispiel von 40, ist also sehr zuverlässig, denn der Markt glaubt nicht an den Beginn einer Bullenbewegung. Sind die Werte dagegen sehr niedrig, bedeutet dies, daß Neuigkeiten sehr schnell zu einem starken Trend führen können, da sie die Meinung leicht ändern werden.