Traditionelle Aktienmarktindikatoren

Hier werden Indikatoren besprochen, die es nur für den Aktienmarkt gibt, die man also nicht bei anderen Märkten, wie Futures oder Devisen, generieren kann. Es gibt eine Fülle von traditionellen Indikatoren für den Aktienmarkt, die heute allerdings weitgehend ihre Bedeutung verloren haben aufgrund von Änderungen in der Struktur des Aktienmarktes. Die Short-Sale-Ratio zum Beispiel , also das Ausmaß in dem die Profis in New York leerverkaufen, wird heute verzerrt durch den Einfluß des Optionsmarktes. Auf jede Aktie werden heute im Schnitt acht Optionen gehandelt. Im wesentlichen sind von den traditionellen Aktienmarktindikatoren noch vier empfehlenswert, vor allem die ersten beiden.

  • TRIN
  • New Highs/New Lows
  • AD-Linie
  • Index der aktivsten Aktien

Diese vier Indikatoren sind z. T. auf anderen Seiten bereits besprochen worden. Im folgenden stellen wir hier noch andere traditionelle Aktienmarktindiktoren vor.

Zahl der Aktien über ihrem 150-Tage-GD

Man glättet die Werte mit einem GD, der Indikator prognostiziert ganz gut die größeren Bewegungen, besonders die größeren Aufwärtsbewegungen. Diese setzen meist ein, wenn weniger als 30% der Aktien über ihrem 150-Tage-Gleitenden Durchschnitt liegen. Vor größeren Abwärtsbewegungen steigt der Wert auf über 70%. Für das Timing ist er allerdings nicht geeignet, da sich fast immer Doppelböden und Doppeltops im Indikator bilden, häufig auch auf unterschiedlichem Niveau. In Deutschland benutzt man für den Dax meist den 200-Tage-GD. Eine ältere Untersuchung zeigte, daß bei einer Zwischenerholung im Bärenmarkt die Zahl maximal 65%, meist weniger, der Aktien über ihrem 200-Tage-GD steigen. Steigen mehr als 65%, handelt es sich also um einen neuen Bullenmarkt.

Normabweichung

Normabweichungen zeigen einen zumindest kurzfristigen Trendwechsel an, der kurz bevor steht. Allerdings lassen sich hierfür keine festen Zahlen angeben, obwohl dies in den Büchern immer wieder geschieht. Einmal verändern sich die betreffenden Werte längerfristig gesehen durch Strukturänderungen, andererseits kurzfristig durch die Marktstimmungen. Man muß die Normabweichung immer relativ sehen jeweils zu dem, was in den letzten Wochen üblich war.

Wechseln in der ersten Stunde des Aktienmarktes ungewöhnlich viele Aktien den Besitzer, so ist dies ein Bärensignal. Ebenso, wenn an einem Tag wesentlich mehr gehandelt wird als im Durchschnitt der letzten fünf Tage. Bei Einzelaktien ist darauf zu achten, daß sie innerhalb von zwei Wochen so gut wie nie um mehr als 20% steigen. Normalerweise folgt dann eine Konsolidierung.

New Highs/New Lows

Neue Hochs

Änderungen bei den neuen Hochs sind immer Zeichen für strukturelle Änderungen am Markt, also einer Stimmungswende. Außerdem sind sie gut geeignet vor den Topbildungen im Aktienmarkt zu warnen, vor jedem wichtigen Gipfel bilden sie mehrere Divergenzen.

Ein Bullentrend ist in Ordnung, solange sich eben keine Divergenzen bilden bei den neuen Hochs, sondern jedes neue Hoch im Kurs von einem neuen in den Highs begleitet wird. Normalerweise muß eine Trendwende immer durch Divergenzen bestätigt werden, entweder zu den Hochs oder zu den Tiefs. Trendwenden im Preis ohne Divergenzen werden sich als Korrekturen entpuppen. Im Bullentrend etwa sinken bei einer Korrektur Kurs und Hochs gemeinsam.

Neue Tiefs

Ähnlich wie bei den neuen Hochs kommt es bei den neuen Tiefs in erster Linie auf den Trend an, der den Kursverlauf bestätigen sollte. Auch sollten Trendwenden immer durch Divergenzen, entweder zu den Hochs oder zu den Tiefs, bestätigt werden.

High/Low-Ratio

Bei der Interpretation muß man vorsichtig sein, denn bei einem Boden gibt es normalerweise keine neuen Hochs, aber viele hundert neue Tiefs. Ansonsten wirkt die Differenz wie ein Oszillator, das heißt grundsätzlich bestätigt sie den Trend, wenn ein neues Hoch oder Tief im Kurs von einem neuen Hoch oder Tief in der Differenz bestätigt wird, während Divergenzen auf Wenden hindeuten. Allerdings weisen größere Tops oder Böden auf Trendfortsetzung hin.

Eine interessante Möglichkeit ergibt sich in Seitwärtsbewegungen: Die Richtung der Ratio zeigt die Richtung des Ausbruches aus der Seitwärtsbewegung. Daher ist die Darstellung als Histogramm sinnvoll.
Bei den Divergenzen ist darauf zu achten, daß sich meist Mehrfach-Divergenzen bilden. Sie sind also nicht für das Timing geeignet, sind aber als grundsätzliches Wendesignal ziemlich sicher.

Sehr interessant ist seine Benutzung für das Daytraden: Die Divergenzen zum Kurs an einem Tag zeigen in der Regel die Richtung des kommenden Tages. Steigt er zum Beispiel an einem flachen Tag, dann werden die Kurse am nächsten Tag steigen. Gelegentlich kommt es vor, daß der Markt gespalten ist. Dies ergibt sich nicht aus der Ratio, sondern daraus, daß viele neue Hochs und viele neue Tiefs gebildet werden. Ein solch gespaltener Markt ist immer bearish.

Das Histogramm der Differenz zwischen Hochs und Tiefs ist häufig ein vorauslaufender Indikator. Seine Divergenzen zum Kurs treten sehr frühzeitig auf. Allerdings, wenn die Divergenz auf extrem hohem oder extrem tiefem Niveau stattfindet, dann spricht das meist für die Fortsetzung des Trends, denn extreme Niveaus werden meist am Anfang einer größeren Bewegung erreicht. Die folgende Divergenz führt dann nur zu einer geringen Korrektur. Die Richtung des Histogramms zeigt im übrigen auch meist die Richtung von Ausbrüchen aus Trading-Ranges und von Widerständen an.

Der Trend bei den Hochs und Tiefs

Wichtiger als die Frage, ob mehr Tiefs oder mehr Hochs gebildet werden, ist die Tendenz. Ein Aufwärtsmove startet nämlich normalerweise mit mehr Tiefs als Hochs, aber mit einem deutlichen Wachsen der Hochs. Umgekehrt verhält es sich bei einer Abwärtsbewegung. Allerdings ist dieser Indikator besser für Böden geeignet als für Topbildungen.

High/Low Logic Index

In den Index geht der jeweils kleinere Betrag ein, entweder die neuen Hochs oder die neuen Tiefs, prozentual gerechnet von allen Aktien. Die Idee ist ein wenig merkwürdig, die Grundidee dahinter ist aber sinnvoll. Man kann auch so vorgehen, daß man einfach die Prozentzahlen der neuen Hochs und der neuen Tiefs als Index getrennt berechnet, denn wenn beide hoch sind, sowohl die Tiefs als auch die Hochs, ist dies ein Zeichen von Marktschwäche. Sind beide niedrig, ist wahrscheinlich eine Bodenbildung im Gange, das muß man dann mit dem Chart und anderen Indikatoren abklären. Der Indikator ist nicht schlecht und scheint auch sein Aussagekraft über verschiedene Börsenphasen bewahrt zu haben.

Variante
Man dividiert die neuen Hochs durch die Summe aus neuen Hochs und neuen Tiefs. Verwendet wird meist ein 10-Tage-Durchschnitt. Die Interpretation verläuft analog der von Oszillatoren, er gibt sehr gute Signale für den Gesamtmarkt bei den Extremwerten, also im überverkauften und überkauften Bereich von jeweils 30% und 70%.

Leerverkäufe

Der Markt stellt sich immer gegen die Mehrheit und gegen die schwachen Hände. Geringe Leerverkäufe in den USA zeigen immer, daß ein Großteil der Aktienpositionen mit Kredit erworben wurde, der Rückschlag ist daher unvermeidlich. Umgekehrt zeigen ungewöhnlich viele Leerverkäufe, daß auch die kleinen Spekulanten short sind, was wiederum immer zu Kurssteigerungen führt.

Leerverkaufsindikatoren für den Gesamtmarkt

Die meisten funktionieren heute nicht mehr so wie früher, weil sich die Strukturen verändert haben, zum Beispiel hat das Optionstraden heute einen viel größeren Einfluß, daher werden die folgenden Indikatoren nur mit dieser Einschränkung als historische Indikatoren hier wiedergegeben.

Short Interest Ratio

Bei der NYSE folgen größere Rallye’s bei Werten von 2,0 oder höher. Werte von 1,0 sind bearish, die Signale kommen hier etwas früh. Das Gebiet zwischen 1,25 und 2 ist eher neutral. Die Ratio wird gebildet durch die Division des totalen Short Interest durch das Volumen.

Specialist Short Sale Ratio

Treten niedrige Werte auf bei gleichzeitig sinkenden Kursen, so steht eine größere Aufwärtsbewegung bevor. Das Signal sind hier Werte von weniger als 45% des gesamten Short Sellings. Das Problem bei diesem Indikator ist, daß er erst drei Wochen verspätet veröffentlicht wird. Man kann jedoch die Werte projizieren: Haben sie ein hohes Niveau von über 67% erreicht, und der Markt steigt weiter, werden sie wahrscheinlich hoch bleiben. Nicht jedoch, wenn in den drei Wochen der Kurs gesunken oder konsolidiert hat. Umgekehrt verhält es sich bei Abwärtsbewegungen.

Odd Lot Short Ratio

Werte von weniger als 1% sind bearish, aber mit einem langen Vorlauf. Dagegen sind die Signale bei Böden relativ gut, bei 6%.

Odd Lot to Specialist Shorts

Werte von 70 oder weniger sind sehr bullish, die Verkaufssignale sind schlecht, da die Werte bei Gipfeln zwischen 125 und 300 schwanken können.

Zweig’s Verkaufssignal

Dazu müssen vier Kriterien vorhanden sein: der 2 Wochen-GD, der Odd Lot Short Sale Ratio sinkt unter 0,60, steigt dann kurz auf 70 oder mehr an, um dann wieder zurückzufallen. Der Prozentsatz der Public Shorts (alle nicht Börsenmitglieder) an den Gesamtshorts sinkt unter 12,5. Im Durchschnitt folgten auf das Vorliegen dieser Signale mittelfristige Abwärtsbewegungen von 17,7% und einer Dauer von 35 Wochen. Die Signale haben eine relativ hohe Trefferquote, treten allerdings nur alle paar Jahre auf. Sie erwischen meist den Beginn des Bärenmarktes.