Aktienindizes
Aktienmarkt-Modelle
Die Theorie der Börsenbewegungen versucht die Vielfalt der Aktienmärkte einzufangen – Im folgenden werden einige Beispiele gebracht für die theoretischen Ansätze mit denen man versucht, die typischen Abläufe an den Börsen zu systematisieren. Dabei muß man sich aber immer im klaren darüber sein, daß die Aktienmärkte, vor allem die in den USA, zu einem sehr starken Maße sich selbst prognostizieren. Denn größere Veränderungen haben tiefe volkswirtschaftliche Auswirkungen und wirken noch stärker auf die Stimmung der Bevölkerung ein. Zum Beispiel war es in der Vergangenheit fast immer so, daß, wenn der Dow auf einem 2-Jahres-Tief schließt, sich eine Bodenbildung andeutete auf die dann ein starker Anstieg folgte.
Umgekehrt war ein Schlußkurs auf einem neuen 2-Jahres-Hoch zwar noch kein Verkaufssignal, denn häufig stiegen hier die Kurse noch weiter, aber immer setzte dann ein Überoptimismus ein, der dann in absehbarer Zeit, meist innerhalb eines Jahres, zu einer oberen Wende führte. Meist setzt sich bei Konflikten mit volkswirtschaften Indikatoren die Eigendynamik der Aktienbörsen durch. Fällt der Dow zum Beispiel auf ein neues 5-Jahres-Tief, dann folgen etwa fünf Monate danach starke Anstiege und zwar unabhängig von den anderen volkswirtschaftlichen Faktoren. Umgekehrt gibt es allerdings für einen übertriebenen Optimismus kein klares Niveau.
Das Modell von Uwe Lang
Ausgangspunkt ist der Prozentsatz der Aktien, die höher notieren als vor einem halben Jahr. Man kann diese Zahlen für verschiedene Länder selbst erhalten, wenn man sich auf die Aktien eines kleineren Index beschränkt, wie Dow oder Dax, denn normalerweise liefern schon 20-30 Aktien ausreichende Ergebnisse. Von den gewonnenen Zahlen nimmt man einen Gleitenden Durchschnitt. Man kann dies ebenfalls selbst berechnen, indem man das Mittel der jeweils drei letzten Werte einsetzt. Er unterscheidet sechs Phasen, wobei die erste Phase, also der Anstieg nach der Bodenbildung, im Indikator recht schwach ist und meist noch einen größeren Rückschlag beinhaltet, so daß man erst in der zweiten Phase des Indikator einsteigen sollte.
Die Phase 3 beginnt dann, wenn 80% der Aktien höher liegen als vor einem halben Jahr. In den Kursen setzt dann die heftigste Aufwärtsbewegung ein. Dies ist also die heiße Phase des Bullenmarktes mit dem stärksten Momentum. Phase 4 bringt dann einen neuen Rückschlag, der häufig stark ausgeprägt ist, so daß es schwierig ist, sich zu entscheiden, ob man sich nicht in Phase 1 befindet, Phase 5 bringt dann meist neue Höchstkurse im Index. Jedoch liegt dann der Bullenmarkt in den letzten Zügen. Die Baisse beginnt dann in Phase 6, nachdem der Indikator schon weit nach unten gefallen ist. Dann findet sich das stärkste Abwärtsmomentum. Er ist der Meinung, daß man dieses Modell auch zur Selektion der Börsenplätze benutzen kann, denn meist steigen die Aktien dort am stärksten, wo sich dieses 6-Phasen-Muster am klarsten abzeichnet.
Das Aktienmarktmodell von Kostolanyi
Die sechs Phasen (A = Aufstieg, B = Abstieg):
A1 (Korrekturphase)
Der Tiefstpunkt ist erreicht. Die schwachen (zittrigen) Hände haben alles an die starken Hände verkauft. Da diese erst wieder bei stark gestiegenen Kursen verkaufen, bleibt den Kursen wegen fehlendem Angebot nichts anderes übrig als zu steigen.
A2 (Stimmungsumschwungsphase)
Aufgrund der gestiegenen Kurse setzt ein Stimmungsumschwung ein. Dauer und Länge dieser Phase hängt von wirtschaftspolitischen und konjunkturellen Faktoren wie zum Beispiel Entwicklung von Gewinn und Zinsen ab. Auch sehr stark von politischen Faktoren wie Optimismus und Vertrauen in die Regierung; besonders stark auch von der Liquidität und der Konjunktur (das Steigen der Konjunktur führt einerseits zum Steigen Optimismus, andererseits aber auch /der Liquidität)
A3 (Übertreibungsphase)
Gekennzeichnet durch sehr hohe Umsätze, da jetzt einerseits alle starken Hände verkaufen, andererseits alle zittrigen alles kaufen, was da ist, weil sie den Empfehlungen von Banken und den Medien glauben schenken, die in dieser Phase euphorisch sind. Es kommt zu einer starken Überbewertung: bei Aktien KGV, bei Devisen Kaufkraftparität, usw.
B1 (Korrekturphase)
Nach und nach beginnen die Kurse abzubröckeln. Häufig noch in der konjunkturellen Aufschwungsphase. Diese Phase kann je nach den politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen recht lange dauern oder aber auch sehr kurz sein.
B2 (Stimmungsumschwungsphase)
Aufgrund schlechter Nachrichten (z.B. Steigende Zinsen, um die überschießende Konjunktur zu dämpfen oder Gewinneinbrüche der Industrie) setzt eine Neubewertung der Kurse ein. Bei Devisen liefert hierzu meist der Entschluß der Regierungen den Kurs ihrer Währungen zu drücken den Anlaß.
B3 (Übertreibungsphase)
Starke Unterbewertung bei meist kleinen Umsätzen: die letzten schwachen Hände verkaufen. Beurteilung: Da dieser Ablauf mittlerweile sehr vielen Marktteilnehmern bekannt ist, wird es immer schwieriger, ihn zur Prognose zu benutzen. So treten zum Beispiel verstärkt Bärenfallen auf, auch verlängert sich die A-Phasen (auch bedingt durch die immer schneller wachsende Liquidität), andererseits treten z. T. stark verkürzte B-Phasen auf, zum Beispiel die beiden Kurseinbrüche in den 80er Jahren. Da diese häufig schon nach wenigen Monaten ausgeglichen sind, entsteht der Eindruck langanhaltender A-Phasen (z.B. 1982-89 in den USA).
Identifizierung der Auf- und der Abstiegsphase
A1
Sehr kleine Umsätze bei geringen steigenden Kursen. Bei Aktienbörsen: Rezession, sehr negative Stimmung, insbesondere der Experten. Besonders wichtig: Hoffnung auf Zinssenkung. Kursanstiege trotz weiterhin schlechter Nachrichten.
A2
Umsätze und Kurse steigen (es treten viele Neulinge auf, die meisten Profis und das Ausland kaufen). Überwiegend noch schlechte Nachrichten: aber schon kleine gute Nachrichten führen zu raketenartigen steigen (z.B. Juli-Hausse 1993 in Frankfurt).
A3
Umsätze steigen sehr stark, Kurse steigen weiter, aber meistens etwas geringer. Es treten vermehrt Fallen auf, die Stimmung ist euphorisch (bei Aktienmärkten boomt die Konjunktur). Der Börse wird in den Medien große Beachtung geschenkt, es treten vermehrt Kapitalerhöhungen und Neuemissionen auf, die Zahl der neuen Börsendienste steigt sprungartig. Bester technischer Indikator: AD-Ratio. Auch alle Börsencrashs dieses Jahrhunderts wurden von ihm vorausgesagt.
B1
Kurse beginnen zu sinken bei meist noch stärker sinkenden Umsätzen (Notverkäufe der schwachen Hände bei fehlender Nachfrage). Meist bleibt in dieser Phase die Stimmung noch positiv und die Konjunktur boomt weiter. Typisch: gute Nachrichten führen nicht mehr zu Steigerungen.
B2
Die ersten schlechten Nachrichten führen zu häufig dramatischen Kurseinbrüchen, die meist mit steigenden Umsätzen einhergehen (ein Teil der starken Hände kauft). Bei Aktienbörsen meist in der Phase der konjunkturellen Wende auf dem Höchstpunkt.
B3
Die Kurse fallen weiter (meist etwas langsamer), die Umsätze steigen meist noch stärker an (dies ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu A1, wo die Umsätze sehr niedrig sind), da jetzt die Profis kaufen. Die Börsenstimmung befindet sich noch nicht auf dem Tiefstpunkt, sinkt aber ständig. Konjunkturell geht es abwärts ohne daß man schon von einer Rezession sprechen kann. AD-Ratio ebenfalls bester Indikator.
Erläuterungen
Bei dem Modell ist zu beachten, daß Kostolanyi zurecht sich nicht an die allgemeine Regel hält, wonach hohe Umsätze den jeweiligen Trend bestätigen, sondern die Sache differenzierter auffasst. Dieses Grundschema ist eben nur ein Grundschema, das variiert wird. In erster Linie wird es von Liquidität und Zinsen variiert. Diese beiden Faktoren bedingen die sekundären Wellen, allerdings können sekundäre Wellen, seltener Trendwenden, auch von politischen Ereignisse, wie Kriegen, usw., hervorgerufen werden.
Langfristprognose des DAX
Grundsätzlich muß man beim Dax immer beachten, daß er sehr stark beeinflußt wird vom Verhalten des Dow und der Nasdaq. Die statistischen Faktoren, die also mit den Bewegungen des Dax korrelieren, sind so auch deshalb interessant, weil sie auch wohl etwas über die Bewegungen in den USA aussagen können, auch wenn die kausalen Zusammenhänge häufig unklar sind. Gebert und Hüsgen haben ein quantitatives Dax-Prognose-Modell entwickelt mit vier Einflußfaktoren. Einfacher und besser ist es, diese vier Faktoren einfach qualitativ abzufragen, treffen alle vier Punkte zu, schlägt dieses Modell den Dax um das Vierfache. Nach diesem Modell steigt der Dax, wenn:
- Der Dollar höher ist als im Vorjahr
- Die Inflation niedriger als im Vorjahr
- Die letzte Diskontveränderung eine Senkung war
- Und man nur zwischen dem 01.11. und dem 30.04. des nächsten Jahres im Markt ist
Eine sehr hohe Trefferquote als Einzelindikator hat auch der Lohnabschluß im öffentlichen Dienst, wenn man ihn in Relation setzt zur Inflationsrate. Eine Baisse ist zu erwarten, wenn der Lohnabschluß um mehr als 1, 5% über der Inflationsrate liegt, alles andere ist bullish. Der Beginn der Inversität bei der Zinsstrukturkurve ist ein sicheres Bärensignal, der Abbau ein gutes Bullensignal.
Das Aktienmarktmodell von Ruggiero
Er geht aus vom Zweig-Modell, das er um einiges abspeckt. Er benutzt nur die Prime Rate, den Diskontsatz der FED und die langen Bonds. Es gibt drei Regeln:
- Solange die Prime Rate kleiner als 12 ist, gilt, daß man kauft, wenn die Prime Rate zurückgenommen wird und gleichzeitig die letzte Diskontbewegung der FED nach unten gerichtet war.
- Wenn die Prime Rate steigt, verläßt man wahrscheinlich den Markt (go flat).
- Wenn die langen Bonds ein 42-Wochen-Tief machen, dann geht man long.
Von der Regel (1) gibt es praktisch keine Ausnahme, sie hat also eine 100%tige Trefferquote. Das Modell tradet den Markt praktisch nur von der Longseite. Es ist gedacht für größere Vermögen, der Ertrag ist genauso hoch, wie eine Buy-and-Hold-Strategie, man ist aber nur die halbe Zeit im Markt, hat also weniger Risiko und kann das Geld zwischenzeitlich anderweitig anlegen.