Aktienmarktindikatoren

Tick-Index

Im Gegensatz zu den Tick-Charts, die meist wenig hilfreich sind, ist der Tick-Index einer der wichtigsten Indikatoren, auch für das Daytraden. Es handelt sich um die Differenz der Zahl der steigenden Aktien und der fallenden Aktien auf dem letzten Tick. Es gibt hierfür zahlreiche Systeme. Vor allem bei den älteren muß man darauf achten, daß sich die Zahl der Aktien mit der Zeit vergrößert. Im folgenden geben wir ein einfaches System von Tim Ord.

Niedrige Werte im Tick-Index

Im allgemeinen funktioniert es nicht mit dem Tick-Index zu gehen, dagegen zeigt die Statistik, daß an einem Tag an dem er extrem niedrige Werte hatte, der Markt am nächsten Tag dazu tendiert zu steigen.

Ein Trading-System für den Tick-Index

Böden
Das Signal entsteht, wenn die Abwärts-Ticks -900 übersteigen an der NYSE und gleichzeitig oder kurz danach ein bullishes Kerzenmuster erscheint. Für das Timing ist es günstiger, einen Tag abzuwarten, wo zum zweiten Mal eine sehr hohe Zahl beim Down-Tick erscheint. Wir warten also auf zwei Tage, wobei an einem Tag davon eine Zahl größer als -900 beim Tick-Index erscheinen muß und am anderen Tag muß mindestens ein Wert von 70% davon auftauchen. Kaufsignal ist dann das bullishe Kerzenmuster.

Tops
Wir warten auf zwei Tage mit extrem positiven Werten im Tick-Indikator, hier reichen +600 bei dem einen, beim anderen sollten wieder 70% vom ersten gemessen werden. Jede bearishe Kerze ist dann ein Verkaufssignal.

Wichtige Ergänzung In beiden Fällen muß zusätzlich gefordert werden, daß der Kerzenkörper kleiner ist als drei Punkte im S&P. Lange Kerzen mit extremen Werten, sei es im Aufwärts-oder im Abwärtstrend, zeigen dagegen eine hohe Wahrscheinlichkeit für die Trendfortsetzung.

Variante mit Bar-Charts
Bei Verwendung mit Kerzencharts kann jedes Trendwendesignal der Kerzen genommen werden. Bei Bar-Charts sollte man sich beschränken auf Doppeltops bzw. Doppelböden, die nicht allzuweit auseinanderliegen, wobei der zweite etwas höher beim Top oder etwas tiefer beim Boden sein darf, aber nicht mehr als fünf Punkte im S&P. Der erste Top muß mindestens 600 Punkte haben beim Top oder mindestens -900 beim Boden, der zweite muß weniger haben, aber mindestens 70% davon.

Smart-Money-Index

Man ermittelt die Nettoveränderung des Dow für die erste Stunde und multipliziert sie mit -1. Dann ermittelt man die Nettoveränderung der letzten Stunde, diese wird unverändert addiert zu dem Anfangs gefundenen Wert. Die Werte werden fortlaufend addiert, es handelt sich also um einen Summationsindex. Bei der hier verfolgten Idee wird dieser jedoch nicht benutzt, sondern lediglich der Wert für einen Tag: ist das Tagesergebnis größer als 20, geht man am folgenden Tag auf die Käuferseite, liegt er unter 20, auf die Verkäuferseite. Im Durchschnitt ergeben sich vier bis fünf Signale im Monat.

Trading Regeln

Der Smart-Money-Index wurde ursprünglich für das längerfristige Traden verwendet, also für die kumulierte Summe, um längerfristige Tops und Böden zu identifizieren. Die Idee ist, daß die Veränderung der letzten Stunde von Profis bestimmt wird, während in der ersten Hälfte sich das breite Publikum ins Boxhorn jagen läßt. Überhaupt ist es so, daß man unabhängig von diesem Index die Bewegungen der letzten Stunde verfolgen sollte und man sich vor emotional motivierten Fehlentscheidungen in der ersten hüten sollte. Was die Eintages-Werte im Index angeht, so ist eine Trendwende umso wahrscheinlicher, je höher der Wert ist.

Tipp

Wenngleich der Smart-Money-Index für den Dow entwickelt wurde, so ist er dennoch kein typischer Aktienmarktindikator. Er funktioniert bei allen Märkten, die einen starken Einfluß der Fonds aufweisen. Da diese im wesentlichen die letzte Stunde bestimmen und kurzfristig auch die Richtung des Aktienmarktes bzw. des Marktes, wo sie tätig werden, wenngleich sie längerfristig natürlich falsch liegen.

Traditionelle Bewertungen des Aktienmarktes

Traditionell versucht man mit fundamentalen Kennzahlen zu entscheiden, ob die Situation für Investitionen günstig oder ungünstig ist. Alle diese Verfahren scheitern daran, daß sich die Bewertungsniveaus ständig verschieben und zwar auf zwei Skalen, einer längerfristigen, in der sich die langfristigen Strukturveränderungen der Wirtschaft niederschlagen und einer mittelfristigen, die hauptsächlich von Konjunktur und Marktstimmung abhängt. Beispiele:

Historisches KGV

Es gab Zeiten, wo das durchschnittliche KGV bei 40 lag und andere, wo es unter 10 lag. Für einen realistischen Trading-Zeitraum gibt also das KGV keine sinnvollen Signale. Außerdem schwankt es sehr stark, die Modebranchen liegen immer bei wesentlich höheren KGVs, manchmal über 100, trotzdem können diese Marktsegmente und Branchen noch ein hohes Anstiegspotential besitzen. Interessanter ist der KCFV, also das Verhältnis von Kurs zu Cash-Flow des Gesamtmarktes. Werte von weniger als 6 zeigten historisch immer eine Unterbewertung an und führten ausnahmslos zu einer Hausse, in Deutschland allerdings erst bei Werten von 3, 5. Werte von knapp 10 deuten allerdings auf Überbewertung hin, die Baisse folgt dann manchmal nicht gleich, sondern mit starker Verspätung.

Umlaufvermögen

Die prozentuale Zahl der Aktien, die unter ihrem Umlaufvermögen an der Börse notieren, war in manchen Phasen ein besserer Indikator als das KGV, aber sehr langfristig gesehen, zum Beispiel notierten in der Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er fast die Hälfte aller Aktien unterhalb ihres Umlaufvermögens. Dennoch ist dieser Indikator für Timing ungeeignet.

Q-Ratio

Es ist der Quotient aus Börsenkapitalisierung und Wiederbeschaffungswert der betriebsnotwendigen Anlagen. Ursprünglich für Einzelaktien gedacht, ist er ein guter Langfristindikator für die Börse, Bewertungen von über 1 lassen auf Überbewertung schließen. 1974 machte die Q-Ratio ein historisches Tief von 0,33 also eine erhebliche Unterbewertung. Da sie beim Crash von 1987 immer noch unter 1 war, zeigte sie, daß der Aufwärtstrend sich fortsetzen wird. Erst 1994 stieg die Q-Ratio über 1 als frühes Zeichen einer Überbewertung.

Produktivität und Gewinne

Die Wendepunkte in der Produktivität gehen den Wendepunkten in den Gewinnen voraus.

Arms-Index

Der Arms-Index ist einer der besten Aktienmarktindikatoren. Er gewichtet die Zahl der steigenden und der fallenden Aktien mit dem Volumen. Systematisch gehört er zur Marktbreite und wird auch dort besprochen.

Überschußliquidität

Die Überschußliquidität wurde schon definiert als Differenz zwischen dem Wachstum der Zentralbankmenge und dem Wachstum des BSP. Schwappt die Überschußliquidität von den Gütermärkten in die Finanzmärkte, so sind meist erst die Bonds an der Reihe und dann erst die Aktien. Es ist zu beachten, daß eine Hausse, die allein von der Liquidität getragen wird, besonders anfällig ist für einen Crash.

Hexensabbath-Zyklus

Man prüft vor dem Optionsverfalltermin, ob in den letzten drei bis vier Wochen das Publikum eher bearish oder eher bullish war, also mehr Puts oder mehr Calls gekauft wurden. Hieraus läßt sich die Marktrichtung teilweise mechanisch ableiten. Nehmen wir an, es wurden überwiegend Puts gekauft, dann werden die Glattstellungskäufe der Schreiber zwangsläufig Aktienkäufe hervorrufen, die den Kurs hochtreiben. Dies verstärkt sich dann, denn da die Gewinne der Put-Käufer verschwinden, werden diese ihre Puts verkaufen, was den Kaufdruck erhöht. Die so erzeugten Kaufsteigerungen werden andere Spekulanten anlocken, die Calls kaufen.

Dies führt zu weiteren Kaufen, da die Schreiber der Calls zur Eindeckung die Aktien kaufen müssen. Irgendwann werden die Leute aber die Call-Optionen verkaufen, was dazu führt, daß die Market-Maker die dazugehörigen Aktien verkaufen und so wird wieder eine Gegenbewegung nach unten hervorgerufen. Durch diesen Rhythmus beginnt der Markt auf den Verfallstermin hin zu oszillieren in immer größer werdenden erzwungenen Schwüngen. Als Faustregel läßt sich also sagen, daß, wenn ein deutlicher Überhang bei Puts besteht, dann wird es nicht möglich sein, den Boden unter dem Markt zum Einsturz zu bringen und die Unterstützungslinien werden halten. Liegt aber ein großer Überhang bei Calls vor, dann liegt ein starker Deckel auf dem Markt und die Widerstandslinien werden halten.

Verhältnis von OEX und S&P

Man dividiert den Kurs des OEX (Optionsindex des S&P)durch den des S&P500. Wichtig ist der 10-Tage-gleitenden Durchschnitt dieser Relation. Solange er ansteigt, läuft der Markt immer gut. Weiterhin kann man den Indikator mit der technischen Analyse bearbeiten. Ausbrüche aus Kanälen in Trendrichtung deuten meist auf größere Trendbewegungen im Index hin.

Kassenhaltung der Fonds

Da der Aktienmarkt sehr stark von den Fonds beeinflusst wird, ist dies ein Schlüsselindikator für die längerfristige Analyse.

Insider-Käufe

Die Insider-Käufe sind für den Aktienmarkt besonders dann ein bullishes Signal, wenn nach einem starken Markteinbruch die Zahl der Insider-Käufe stark zunimmt. Ein Beispiel war das Verhalten Ende Oktober 1987: Während im Normalfall die Insider doppelt soviele Aktien verkaufen als kaufen, da sie meist die Aktien über Optionen beziehen, wurden damals viermal soviele gekauft wie verkauft.

Handelsspannen-Index

Es wird die prozentuale Lage des Schlußkurses innerhalb der Tages-Range betrachtet. War der Tiefstkurs einer Aktie zum Beispiel 20$ und der Höchstkurs 22$ und der Close 21$, so würde das 50% entsprechen. Bewertet werden natürlich sämtliche Aktien. Die Formel lautet Close minus Tief dividiert durch High minus Tief und das wird mit 100 multipliziert und mit einem 26-Tage-GD geglättet. Fällt der Indikator unter 46%, beachtet man Kaufsignale, vor allem, wenn der GD dies tut. Verkaufssignale ergeben sich schon, wenn der Indikator über 54% steigt. Die Signale sind selten, aber sehr wichtig.

Die aktivsten Aktien

Ihre Bedeutung liegt darin, daß sich hier die Bewegungen des großen Geldes zeigen. Mindestens die Hälfte der aktivsten Aktien sollten einem Trend folgen und wenn der Trend bedeutend sein wird, wird dies ein wesentlich höherer Prozentsatz sein. Meist werden die 15 aktivsten Werte betrachtet, die auch in den Medien veröffentlicht werden. Manche nehmen aber auch die 20 aktivsten Aktien.

Aktive Aktien und Börsenphasen

Ein Bullenmarkt zeigt, je nach seiner Phase, ganz bestimmte Aktientypen bei den aktivsten Aktien. Chronologisch gesehen ist die Reihenfolge so:

  • Populäre Glamour-Aktien
  • Blue Chips
  • Spekulative Werte
  • Hunde und Katzen

Es ist also ein Ausstiegssignal, wenn schwache Werte bei den aktivsten Aktien auftauchen. Nach größeren Bärenmärkten haben wir überdies die Erscheinung, daß nicht nur Glamour-Aktien die Bewegung anführen, sondern auch bedeutende Wachstumswerte, die gerade in jener Phase in der Zukunft dann bedeutendes Wachstum zeigen werden.

Divergenzen beim Dow

Jede größere Trendwende beim Dow und auch die meisten kleineren sind durch Divergenzen gekennzeichnet. Diese können sich zu einem breiteren Index bilden, wie dem S&P, zu einem Unterindex (besonders interessant sind hier der Dow Transport und der Dow Utilities, also die Versorger) oder zu einem wichtigen Marktbreiteindikator, zum Beispiel der AD-Linie oder New Highs/New Lows.

Markt-OBV

Der OBV kann auch für den gesamten Aktienmarkt berechnet werden und kann dann als Filter benutzt werden für Signale der AD-Linie. Es empfiehlt sich, den OBV auf die aktivsten Aktien zu berechnen. Bei Wendepunkten zeigen sich Divergenzen zwischen der OBV-Linie und jener des Gesamtmarktes. Berechnet man den OBV nicht auf das Volumen, sondern auf die Anzahl der sinkenden und fallenden Aktien des Dow bzw. des S&P, so erhält man einen interessanten Indikator für kurzfristige Wenden, besonders ist er für obere Wenden geeignet.

Er zeigt bei Wenden ein typisches Hin und Her von Plus- und Minuswerten und deutlichen Divergenzen, da er kein neues Hoch macht, wenn der Dow eins macht und kein neues Tief, wenn dieser eines macht. Dieser Indikator stammt von Joe Granville und trägt den Namen Climax Indicator. Der sogenannte Erschöpfungsindikator geht ebenfalls vom OBV aus und zählt die Aktien eines Index, die den Höchst- oder Tiefstpunkt in ihrem OBV überschritten haben. Er ist im Gegensatz zum Climax besser geeignet für größere Wendepunkte. Der Dow wendet ziemlich bald, wenn mehr als die Hälfte seiner Aktien einen Wendepunkt im OBV gemacht haben.

Der Spread S&P/Value Line

Bei größeren Bewegungen des Aktienmarktes hat der Value Line meist eine Vorreiterrolle im S&P. Man vergleicht also die Relative Stärke zwischen beiden. Vor einem starken Bullenmove wird der Value Line stärker sein, vor einem starken Bärenmove wird der Value Line schwächer sein. Diesen Zusammenhang nutzt man dann als Filter: Es werden andere Timing-Indikatoren benutzt und dieser Zusammenhang wird so angewendet, daß man voraussagen kann, ob die Signale gut sind oder nicht.

Dividenden-Rendite

Bis zu der Super-Hausse in den 1990ern war die Dividendenrendite des Dow ein sehr sicherer Indikator für die Gipfelbildungen im Index. Der Aktienmarkt machte immer eine Korrektur, sobald die Rendite unter 3,5% sank. Es gab hier nur zwei Ausnahmen: 1929 und 1987, beide Male sank die Rendite bis fast auf 2,5%, bevor die Korrektur auftrat, danach folgten dann beide Male Crashs. In den 1990ern dann befand sich die Dividendenrendite ständig unterhalb dieser Marken erreichte 1999 1,5%. In den Medien wurde daraufhin verkündet, daß die Dividende jetzt keine Rolle mehr spielen würde, weil die Bewegungen am Aktienmarkt rein spekulativer Natur seien. Man kann jedoch nicht ausschließen, daß dies eine vorübergehende Phase ist und nach längeren Jahren der Abkühlung sich die Verhältnisse wieder normalisieren, so daß die Dividendenrendite wiederum eine Rolle spielt für die Dow-Bewertung.

Bullish Percent-Index

Es handelt sich um einen wichtigen Langfristindikator, der kaum bekannt ist und daher wohl deshalb in den letzten 50 Jahren fast immer richtige Signale gegeben hat, auch vor den Crashs, er funktioniert in allen Phasen, sogar in Seitwärtsbewegungen. Er mißt die Prozentzahl der Aktien an der NYSE, die ein Kaufsignal geben, wenn man sie auf einem P&F-Chart chartiert. Dabei machen 2% Veränderung ein Kästchen aus und eine neue Reihe entsteht bei 3 Kästchen, man benötigt also eine Veränderung von 6%, um in Gegenrichtung zu gehen. Wichtig sind bei der Interpretation auch Divergenzen zwischen dem Indikator und dem Markt.

Macht der Dow ein neues Hoch, dann sollte dieser Indikator ungefähr bei 70% liegen oder höher, liegt er zum Beispiel nur bei 50% oder etwas darüber bei einem neuen Hoch, dann bahnt sich eine Gipfelbildung an. Interessanterweise gab dieser Index auch vor politischen Krisen richtige Signale, zum Beispiel vor dem Einmarsch Husseins in Kuwait, was dann zum Golfkrieg führte. Allerdings sind Werte über 70% auch schon Überkauftwerte, man kann ihn also auch analog zu einem Oszillator interpretieren. Der Indikator arbeitet gut zusammen mit dem Prozentsatz der Aktien oberhalb ihres 10-Wochen-Durchschnittes. Dieser Indikator ist dann etwas besser für das kurzfristige Timing geeignet. Ebenso kann man ihn zusammen verwenden mit dem High/Low.

PSR und Gesamtmarkt

Dies ist ein Langfristindikator, nicht für das Timing geeignet. Findet man keine vernüftigen Aktien mit niedrigem PSR, ist der Markt überbewertet. Die Betonung liegt auf vernünftig, da viele Aktien, die zu sehr niedrigen Kursen gehandelt werden, also die Penny Stocks, normalerweise auch sehr niedrige PSR-Werte haben. Der PSR wird hauptsächlich bei Technologieaktien sinnvoll benutzt.