Zeitanalyse mit Fibonacci-Verhältnissen

Im Gegensatz zum Count, der die Fibonacci-Zahlen benutzt, benutzt man hier die Fibonacci-Verhältnisse. Man nimmt den Abstand zwischen zwei Wendepunkten und multipliziert ihn mit einem Fibonacci-Verhältnis, zum Beispiel 0,618. Das Ganze natürlich in Bars gerechnet. Der Betrag wird dann zum letzten Hoch oder Tief dazugerechnet. Meist funktionieren hier gleiche Wendepunkte am besten, also wenn man zwei Tiefs oder zwei Hochs nimmt, häufig aber auch kann man den Abstand zwischen Hoch und Tief erfolgreich einsetzen.

In allen Fällen deutet der so gefundene Zeitpunkt lediglich auf eine Wende hin. Man kann noch nicht sagen, ob es ein Hoch oder Tief werden wird. Dieses Verfahren funktioniert am besten bei wichtigen Wendepunkten. Am besten bewährt sich bei den Verhältnissen 1,618. Man sollte so vorgehen, daß man dies zunächst als Standardverhältnis nimmt und es von verschiedenen, strukturell wichtigen Wendepunkten aus anwendet, man legt also verschiedene Spannen fest zwischen Wendepunkten (besonders gut funktioniert es, wenn die Wendepunkte gleichartig sind, also zwei Hochs und zwei Tiefs) und versucht, Überschneidungspunkte zu finden von verschiedenen Zeitanalysen

Anschließend benutzt man die anderen Verhältnisse, um die gefundenen Überschneidungspunkte oder einfachen Wendepunkte zusätzlich zu verifizieren. Besonders geeignet sind hier die Verhältnisse von 0,618 und 1,0. Sinnvollerweise verwendet man die Gliederung nach Elliot, das heißt man kann alle Verfahren anwenden, wie sie bei den Fibonacci-Projektionen üblich sind mit den Verhältnissen, nur eben jetzt bezogen auf die Zeitanalyse.

Die einzelnen Wellen stehen nämlich nicht nur, was ihre Größe angeht, also im Preis, miteinander in Bezug, sondern auch was ihre Länge angeht. Man kann auch frühzeitig wahrscheinliche Überschneidungen feststellen, indem man von verschiedenen Wellen ausgeht, von Impuls- und Korrekturwellen und prüft, ob sich mit verschiedenen Fibonacci-Verhältnissen gleiche Daten ergeben.

Variante von Larry Williams

Man geht, wie oben geschildert, vor, trägt aber den so berechneten Zeitraum nicht vom letzten Hoch oder Tief gerechnet vorwärts in die Zukunft ab, sondern von der Mitte der Bewegung. Die Strecke, die man also zur Projektion benutzt, wird in die Hälfte geteilt und an diesem Bar wird dann die projizierte Strecke in die Zukunft abgetragen. Besonders gut bewährt sich hier ein Verhältnis, das sonst wenig benutzt wird, nämlich das von 1,28. Dies ist die Quadratwurzel von 1,618.

Stimmt der so gefundene Zeitpunkt mit einem anderen Zeitpunkt, der über Fibonacci gefunden wurde, überein(sei es über ein Zeitverhältnis oder über einen Count), dann ist das Ergebnis sehr sicher ein Wendetag. Während die meisten Fibonacci-Verfahren nur etwa bis hinunter zum Stundenchart funktionieren, funktioniert dieses Verfahren auch gut bei 5-Minuten-Charts, allerdings nur, wenn die Wendepunkte, die man zur Festlegung der Strecke, die dann halbiert wird, benutzt, strukturell bedeutsam waren.

Dies meint, daß sie größere Wendepunkte gewesen sein müssen, relativ zum jeweiligen untersuchten Zeitrahmen. Ein Wendepunkt auf einem 5-Minuten-Chart kann natürlich objektiv wesentlich kleiner sein als einer auf einem Wochenchart, aber dennoch eben relativ gesehen in diesem Chart bedeutsam, also hervorstechend.

Zeitanalyse mit Fibonacci-Zahlen

Das einfachste Verfahren besteht darin, daß man die Bars zählt und jeweils in die Zukunft projiziert mit Hilfe der Zahlen der Fibonacci-Reihe. Hierbei unterscheidet man zwei Verfahren, die Vorwärts- und die Rückwärtszählung. Natürlich taucht bei dieser Zählung das Problem auf, daß die Lücken zwischen den Zahlen immer größer werden. Hierfür gibt es zwei Lösungen, die man beide anwenden sollte:

  • Man unterteilt die Intervalle zwischen den Zahlen mit Hilfe der Fibonacci-Verhältnisse.
  • Man bricht die Zählung nach der Zahl 89 ab und fängt von vorn an.

Allgemein läuft die Interpretation bei diesen Zählungen darauf hinaus, daß, wenn eine Fibonacci-Zahl überschritten wird, die Bewegung auch die nächste erreichen wird. Hat zum Beispiel ein Trend länger als 34 Tage gedauert, wird er zumindest bis zum 55. Tag weitergehen(was natürlich nicht ausschließt, daß es zwischen dem 34. und dem 55. Tag zu kleineren Korrekturen kommt). Auch bei der Zeitanalyse empfiehlt es sich zusätzlich zur Fibonacci-Zahlenreihe die Lucas-Zahlenreihe zu verwenden, die eng mit ihr verwandt ist.

Nicht immer finden sich Wenden an den so gefundenen Tagen. Aber einerseits ist dies eben so häufig der Fall, daß dies ein gutes Trading-Signal ist. Besonders dann, wenn man eben an diesem Zeitpunkt andere Indikatoren einsetzt, um eine mögliche Trendwende zu prognostizieren. Darüberhinaus ist eine Wende dann sehr wahrscheinlich an solchen Tagen, wenn sich verschiedene Zeitziele überlappen, die von verschiedenen früheren Wendepunkten ausgingen, natürlich auch, wenn sich Zeitziele überlappen, die einerseits durch die Zählung mit der Fibonacci-Reihe gefunden wurden, andererseits mit Zählungen über die Fibonacci-Verhältnisse.

Je größer die Zahl der Marktteilnehmer ist, desto sicherer werden alle Fibonacci-Verfahren, besonders die Zeitanalysen. Dies führt dazu, daß die Zeitanalysen besonders gut funktionieren, bei den Kassakursen von Devisen und Aktienindizes, aber auch bei den großen Aktien, die ein sehr breites Publikum haben. Man sollte auch Mindestgrößen für die Bewegung benutzen, diese Mindestgrößen hängen natürlich vom benutzten Zeitrahmen ab.

Wichtig ist natürlich in jedem Fall, daß die Mindestgrößen, die man benutzt, auch relativ häufig vorkommen, denn dümpelt der Markt längere Zeit vor sich hin, ohne daß die Mindestbewegungsgröße erreicht wird, funktionieren die Fibonacci-Analysen schlecht. Wichtig ist immer, daß wir Tage oder Bars finden, an denen sich mehrere Zeitziele treffen, also solche, die wir in Counts gefunden haben, solche, die wir über die Verhältnisse gefunden haben oder auch einfach Überschneidungen der gleichen Methode, die aber von unterschiedlichen Wendepunkten ausgingen.

Wir suchen also Cluster, aber selbst wenn wir diese Cluster gefunden haben, ist eine Wende nur dann sicher, wenn noch andere Indizien dafür sprechen, zum Beispiel wenn gleichzeitig ein Fibonacci-Preisziel erreicht wurde, etwa über eine Projektion oder über ein Retracement oder wenn wir ein Wendesignal erhalten, zum Beispiel von einem modernen Indikator. Machen verwandte Märkte, zum Beispiel der Dow und der S&P, an verschiedenen Tagen Wendepunkte, ist es sinnvoll, den mittleren Tag zwischen diesen Daten als Ausgangspunkt einer Zeitanalyse nach Fibonacci zu verwenden.

Natürlich nur, wenn die beiden Daten nicht zu weit auseinander lagen. Dies spräche für Sonderfaktoren, die einen Markt betreffen. Eine besondere Stärke der Zeitziele, die man über Fibonacci gewinnen kann, besteht darin, daß sie auch in Seitwärtsmärkten funktionieren, sowie auch in kürzeren Zeiträumen beim Daytraden. Wichtig ist in jedem Fall, daß zumindest eine doppelte Bestätigung vorliegt. Nicht nur Überschneidungen von Fibonacci-Zählungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, daß ein Tag ein Wendepunkt wird.

Auch das Gegenteil trifft häufig zu, wenn also nach einem wichtigen Wendepunkt in den Kursen eine Reihe von Fibonacci-Zahlen verstrichen sind, ohne daß es zu einem Wendepunkt kam, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, daß es jetzt zu einem kommt. Besonders häufig ist das bei den Zahlen 55 und 87 der Fall.

Vorwärtszählung (Forward Count)

Zum Vorwärts-Count benutzt man die Fibonacci-Zahlen. Man zählt also vor strukturell wichtigen Wendepunkten an beginnend die Bars in die Zukunft, um neue Wendepunkte festzustellen. Das Verfahren funktioniert etwa herunter bis zu Stundencharts. Meist wird man die Zahlen nach einer Weile abbrechen, weil die Abstände zu groß werden und eine neue Zählung bei einem neuen Wendepunkt beginnen. Beim Vorwärts-wie auch beim Rückwärtscount beginnt man die Zählung mit der Zahl 8, die kleineren Zahlen sind nicht effektiv. Man geht selten über 144 hinaus.

Rückwärtszählung (Backward Count)

Beim Backward Count geht man einfach vom heutigen Tag aus ohne zu wissen, ob dieser Tag ein Wendetag werden wird oder nicht. Man zählt jetzt mit den Fibonacci-Zahlen rückwärts. Trifft man mindestens drei Wendepunkte an auf Fibonacci-Zahlen in der Vergangenheit, so besteht eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit, daß der heutige Tag ein Wendepunkt sein wird. Alles in allem funktioniert dieses Verfahren etwas besser als der Forward-Count.

Der Backward Count nach Joe Duffy

Wie beim normalen Backward Count ist der Ausgangspunkt immer der aktuelle Tag. Jedoch muß dieser Tag ein neues Hoch oder Tief gemacht haben gegenüber den letzten N-Tagen. Duffy selbst verwendete hier 25 Tage, aber man kann die Zahl optimieren für den jeweiligen Markt. Es ist auch möglich, die Technik auf Stundencharts anzuwenden, man muß sich dann eben für eine Zahl von Stunden entscheiden. Man wendet bei diesem Verfahren allerdings nicht nur den Count an, sondern auch die Fibonacci-Verhältnisse.

Zunächst zählt man rückwärts die Zahl der Tage bis zum letzten signifikanten Hoch oder Tief. Jetzt teil man die Strecke zwischen diesem Hoch oder Tief und dem heutigen Tag in Fibonacci-Verhältnisse, wobei am besten die von 0,382 und 0,618 gute Ergebnisse liefern. Man kann die Strecke in beiden Richtungen teilen, man erhält also zwei Punkte innerhalb dieser Strecke, zumindest einer sollte ebenfalls auf ein Hoch oder Tief fallen.

Dann macht man eine Zeitprojektion, indem man die gefundene Strecke zwischen heute und dem letzten Hoch und Tief in die Vergangenheit projiziert, indem man sie multipliziert mit 1,618 und 2,618. Auch hier sollte zumindest ein signifikanter Wendepunkt erwischt werden. Sind die beiden obigen Punkte erfüllt, wenn also zumindest ein Teilungs- und ein Projektionspunkt auf ein Hoch oder Tief fällt, kann man eine Trendwende erwarten.

Die Ergebnisse dieser Technik sind sehr gut, besonders dann, wenn man gleichartige Extrempunkte benutzt, das heißt macht der heutige Tag ein neues Hoch innerhalb zum Beispiel der letzten 25 Tage, dann geht man bis zum letzten signifikanten Hochpunkt zurück (war es ein 25-Tage-Tief zum letzten wichtigen Tief) und nimmt dann diese Strecke als Ausgangspunkt.

Praktische Benutzung der Fibonacci-Zeitanalyse

Das Verhältnis von Preisziel und Zeitziel
Normalerweise arbeitet man gleichzeitig mit Preiszielen (z.B. über Projektionen oder Retracements) und mit Zeitzielen. Es wäre jetzt ein Fehler anzunehmen, daß beide zum gleichen Zeitpunkt erreicht werden. Dies ist im Normalfall nicht so, da Preis- und Zeitziele von völlig unterschiedlichen Parametern ausgehen. Wenn dies aber dennoch der Fall ist, ist dies natürlich eine zusätzliche Bestätigung und ein Hinweis auf eine sehr sichere Handelsmöglichkeit. Wird ein Zeitziel vor einem Preisziel erreicht, wird es dadurch nicht hinfällig, es kann später noch erreicht werden und umgekehrt.

Harmonisierung der Zeitziele
Jedes Datum, das zu mehr als drei vorangegangenen Wendepunkten in einer mathematischen Beziehung steht, wird wiederum ein Wendepunkt sein. Die Beziehungen brauchen nicht nur über die Fibonacci-Zeitanalyse zu gehen, auch andere Verfahren, wie Gann, sind geeignet. Dies erweitert die Möglichkeiten der Zeitanalyse beträchtlich.

Der Unterschied zwischen Preis und Zeit bei Korrekturen
Hierbei tritt ein deutlicher Unterschied auf zwischen Preis und Zeit: nach einer schwachen Korrektur im Preis folgt fast immer eine besonders starke Impulswelle, umgekehrt fällt sie schwach aus, wenn die Korrektur sehr stark war. Anders verhält es sich bei der Zeit: War die Zeitspanne einer Korrekturwelle gering, dann ist auch meist die folgende Impulswelle kürzer. Dagegen ist eine länger anhaltende Korrekturwelle meist ein Sprungbrett für eine starke folgende Impulswelle.

Fibonacci-Zahlen nach dem Open
Laut einer Untersuchung von Angell ereignen sich auf den Fibonacci-Zahlen überdurchschnittlich Wenden. Man setzt die Eröffnungszeit auf Null und zählt von da an die Minuten in Fibonacci-Zahlen. Die Untersuchung bezog sich auf New York, wobei 09.30 Uhr New Yorker-Zeit, die Eröffnungszeit, auf Null gesetzt wurde. Es ergaben sich die folgenden Uhrzeiten: 09.31; 09.32; 09.33; 09.35; 09.38; 09.43; 09.51; 10.04; 10.25; usw. Besonders die letzte Fibonacci-Zahl 55, also 10.25 Uhr, zeigte eine extrem signifikante Häufung der Wendezeiten.

Zeit-Retracements
Arbeitet man mit Zeit-Retracements, sollte man sie dadurch validieren, daß man, wenn die Kurse ein Retracements-Ziel erreicht haben, prüft, ob auch ein Zeitziel erreicht wurde. Außerdem deutet die zeitliche Länge der Korrekturbewegung auf die spätere Stärke des neuen Moves in Trendrichtung hin: Sehr kurze Retracements von drei bis fünf Bars führen meist zu einer explosiven Bewegung, Retracements von mehr als acht Bars eher zu schwächeren.

Grundlegende Probleme der Zeitanalyse
Für jede Form der Zeitanalyse, sei es nach Gann oder Fibonacci, gelten die folgenden Probleme. Alle bisherigen Software-Programme ermöglichen keine echte Zweidimensionalität, daher ist die Zuordnung von Preis und Zeit problematisch. Sie erfordert das Setzen bestimmter Verhältnisse zwischen X- und Y-Achse entsprechend den Gann-oder Fibonacci-Regeln. Diese Möglichkeit fehlt und kann durch Zoomen nicht ersetzt werden, da sich hier die Proportionen immer verändern. Ein weiteres Problem besteht in den wechselnden Zeiten, zu denen manche Märkte eröffnen.

Auf 30-Minuten-Charts zum Beispiel addieren sich schon nach wenigen Tagen zeitliche Fehler beim Dax zu Stunden. Auch fehlt die Möglichkeit mit Zeitfenstern zu arbeiten, die zu Fibonacci-oder Gann-Reihen gehören. Relativ einfach kann man dies für das Daytraden beim S&P-Future lösen, da dieser täglich immer 405 Minuten gehandelt wird (im übrigen sollte man hier eher ungewöhnliche Parameter wählen, zum Beispiel Fibonacci-Zahlen, die meisten Trader verlieren Geld und sie arbeiten mit 5-Minuten-Charts, 60-Minuten-Charts und Tages-Charts; schon kleine Änderungen können einem hier einen Vorteil verschaffen).