Fibonacci-Analyse beim Daytrading

Die meisten Fibonacci-Verfahren erbringen die besten Ergebnisse auf Tages-Charts. Man wird also beim Daytrading vor allem jenen Fibonacci-Niveaus Beachtung schenken, die im größeren Zeitrahmen von Tages-Charts gewonnen wurden. Dennoch funktioniert die Fibonacci-Analyse auch im kleineren Zeitrahmen gut genug, so daß man sie auch auf Stundencharts anwenden kann und einige Verfahren sogar noch niedriger bis hin zu 5-Minuten-Charts.

Vor allem dann, wenn man sie mit anderen Intraday-Indikatoren verbindet. Hierbei ist nicht nur an die normalen Indikatoren zu denken, sondern auch an Dinge, wie die Marktlupe. Darüberhinaus wird man grundsätzlich allen verwendeten Daytrading-Techniken größere Beachtung schenken, wenn ihre Prognosen mit Fibonacci-Niveaus zusammenfallen. Ein Beispiel wären die Pivot-Punkte. Man kann allerdings auch anstatt der Pivot-Punkte die Fibonacci-Niveaus des Vortages benutzen.

Man teilt den Tages-Bar von gestern in drei Drittel mit den Verhältnissen von 38,2% und 61,8%, also den beiden wichtigsten Fibonacci-Verhältnissen bei den Retracements. Sodann verfährt man so, als handele es sich um die Pivot-Punkte. Wenn zum Beispiel die Eröffnung von heute im unteren Drittel stattfindet und die Preis ins mittlere vordringen, kauft man den Markt in der Erwartung, daß die Preise auch noch ins obere vordringen werden, usw.

Retracements und Projektionen beim Daytraden

Wie gesagt, sollte man beim Daytrading vor allem auf jene Retracements und Projektionen achten, die aus einem höheren Zeitrahmen gewonnen wurden, also aus Tages-Charts. Diese spielen dann auch eine Rolle, wenn die Kurse relativ weit von ihnen entfernt sind: Ist man zum Beispiel aufgrund von anderen Indikatoren im Markt und im Gewinn und die Kurse bewegen sich in unsere Richtung auf ein Fibonacci-Ziel hin, gibt dies natürlich für uns noch einen zusätzlichen Anreiz im Markt zu bleiben und die Gewinne erst dann mitzunehmen, wenn das Fibonacci-Preisziel erreicht wurde, egal, ob es über ein Retracement oder eine Projektion gewonnen wurde.

Diese Ziele werden meist erreicht, denn die Kurse wenden meist nicht beim ersten Fibonacci-Ziel, sondern meist erst bei den folgenden. Darüberhinaus sind natürlich auch jene Preisziele wichtig, die durch Retracements und Projektionen in kürzeren Zeitrahmen gewonnen wurden, besonders auf Stundencharts. Ganz besonders natürlich, wenn sich hier Cluster bilden von mehreren Preiszielen, ausgehend von unterschiedlichen Bewegungen. In Verbindung mit den üblichen Daytrading-Techniken, wie der Opening-Range, den Pivot-Punkten, usw. ergeben sich so zahlreiche Möglichkeiten für das Handeln. Im Tagesverlauf erklären die Kombinationen von Fibonacci-Projektionen und Fibonacci-Retracements fast sämtliche Bewegungen.

Eine Fibonacci-Formel für das Tageshoch & Tief

Sehr häufig läßt sich mit dem einfachen Fibonacci-Niveau von 0, 618 das Tagestief oder -hoch bestimmen. Man braucht hier eine ABC-Bewegung, die im Verlauf des Tages gemacht wird, also eine Bewegung in Trendrichtung (AB) und dann eine Korrektur im Gegenrichtung (BC). Die entsprechenden Formeln sind dann die folgenden:

Tageshoch: C + 1,618(B-A)
Tagestief: C - 1,618(A-B)

Eine Fibonacci-Projektion für die Eröffnungsphase

Diese einfache Fibonacci-Projektion findet sich auch außerhalb des Daytradens bei normalen Bewegungen, unabhängig von einer Eröffnung. Sie kommt aber sehr häufig vor im Intraday-Bereich und ist für die Bewegungen nach der Eröffnungsphase sehr typisch. Häufig kommt sie in komplexerer Formation vor, das heißt der Bewegung 1 geht zunächst noch eine andere vom Open voraus, die retraced wird und dann erst kommt die Bewegung 1, usw.

Es ist also in der Praxis etwas schwieriger, das Muster zu erkennen. Bei dieser Projektion handelt es sich um eines der 10 Gartley-Muster. Die Projektionsniveaus von 1,27 und 1,618 sind hier die häufigsten. Bei der Marke von 1,27 muß man mit Hilfe der anderen technischen Verfahren entscheiden, ob hier die Kurse weitergehen oder hier bereits schon wenden. Hilfreich sind auch die Kerzen-Charts und ihre Muster.

Ein Fibonacci-Retracement-System für die Eröffnung

Häufiger kommt es anstatt zu einer Fibonacci-Projektion der Eröffnungsbewegung zu einem Fibonacci-Retracement. Auch hier gilt das Analoge, wie für die Projektionen. Wir haben wieder die beiden typischen Fibonacci-Verhältnisse für die Eröffnungsphase und müssen die Technik verwenden, um zu entscheiden, welches relevanter sein wird und ob sie überhaupt relevant werden.

Die zwei wichtigsten Daytrading-Verfahren der Fibonacci-Analyse

Natürlich arbeitet man beim Daytraden auch mit Retracements und Projektionen und mit den anderen Verfahren, jedoch sind drei Fibonacci-Techniken besonders für das Daytraden geeignet.

1. Fibonacci-Ellipsen

Beim Daytrading ist folgendes zu beachten: Man tradet hier nicht, wie bei Tages-Charts, den Ausbruch aus den Tangenten, die an die Ellipsen angelegt werden, sondern schon den Ausbruch aus der Ellipse selbst, natürlich nur, sofern diese am Ende der Ellipse stattfindet. Dies ist nötig, da sonst die Bewegung häufig zu schnell wäre, wir also zu spät kämen. Der entscheidende Vorteil für das Daytrading liegt darin, daß sich praktisch alle Kurse in allen Zeitrahmen bis etwa zu 4-Minuten-Charts sich vollständig in Ellipsenform einfügen, das heißt die jeweiligen Wellen.

Dieser Vorteil überwiegt die Hauptschwierigkeit der Methode, nämlich die Tatsache, daß hier sehr viele freie Entscheidungen einfließen, man also viel Übung braucht, um effektiv zu werden. Überdies funktionieren die Ellipsen auch in längeren Seitwärtsbewegungen, wie sie beim Daytraden in vielen Zeitrahmen häufig sind. Man sollte die Ellipsen, die sich auf Tages-Charts bewähren, beim Daytraden untergliedern: Enthält eine Ellipse auf Tages-Charts zum Beispiel fünf Wellen (vgl. hierzu das Elliot-Muster), so untergliedert man sie in fünf Ellipsen auf Stundencharts. Dies ist eine zentrale Technik der Ellipsenmethode beim Daytrading. Jede Ellipse sollte aber nach Möglichkeit mindestens 21 Bars enthalten.

Sinnvoll ist es, auch beim Daytraden darauf zu achten, daß nach Möglichkeit die Endpunkte der Ellipsen auf Preisziele zu liegen kommen, die man entweder über die Kanäle oder über die Retracements und Projektionen gefunden hat. Ein entscheidender Vorteil der Verwendung von Ellipsen beim Daytrading liegt darin, daß wir hier in Echtzeit analysieren können die Wellenmuster, während dies bisher gescheitert ist bei der Elliot’schen Wellenanalyse. Arbeitet man mit Stundencharts, wird man im Tagesverlauf etwa drei.

2. Zeitanalyse

Zu den Vorteilen der Zeitanalyse nach Fibonacci gehört es, daß sie auch in kleineren Zeitrahmen funktioniert, auch in Seitwärtsmärkten. Deshalb ist sie für das Daytraden ideal geeignet. In jedem Fall sollte man jedoch nur mit Zeitzielen arbeiten, die mindestens von einer anderen Zeitprognose, die von anderen Wendepunkten ausging, zusätzlich bestätigt wird, also zum Beispiel von zwei Prognosen mit Fibonacci-Verhältnissen, die von unterschiedlichen Wendepunkten ausgingen oder von einer Prognose über die Zählung und einer über die Verhältnisse, usw.

Da in kleineren Zeiträumen die Verhältniszahl von 1,618 (dies ist im üblichen die normale Wachstumskonstante)eine sehr große Rolle spielt, ist es am besten, wenn eine Zeitprojektion mit dieser Verhältniszahl durchgeführt wurde. Die beiden Projektionen, die gefordert werden, um mit einem Zeitziel zu arbeiten, sollten nicht weiter als zwei Bars auseinanderliegen, das heißt wir benutzen keine Zeitziele, wenn die Projektionen mehr als drei Bars auseinanderliegen.

Der Wendepunkt, wenn er eintritt, wird entweder in der Mitte zwischen den beiden Bars eintreten oder auf dem zweiten. Man sollte bei den Zeitzielen im Daytrading-Bereich so vorgehen, daß man zunächst verschiedene Projektionen mit 1,618 macht. Dann versucht man diese mit den Verhältniszahlen von 0,618 und 1,0 zu bestätigen. Gelingt dies nicht, prüft man, ob man eine Bestätigung mit höheren Fibonacci-Verhältnissen erreichen kann ober über die Zählung.

Ein Fibonacci-System für das Daytrading von Tom deMark

Wir zeigen hier das Kaufsignal, das Short-Signal ist analog im umgekehrten Sinn. Zunächst muß der Markt um mindestens 8,2% der True Range des Vortages (True Range meint die Gesamtstrecke des Vortages einschließlich möglicher Lücken) tiefer eröffnen als das Tief von gestern. Allerdings darf er nicht tiefer eröffnen als 100%, tut er dies, findet kein Trade-Signal statt. Hinzukommen muß, daß das Hoch von gestern mindestens gleich sein muß oder größer als die Tiefs zwei oder drei Tage zuvor.

Man geht jetzt einen Tick oberhalb des 38,2%-Niveaus in den Markt und schließt der Markt die Lücke, kann man einen Tick oberhalb des Tiefs des Vortages erhöhen. Man kann natürlich vorsichtit sein und warten bis die Lücke geschlossen ist und erst beim Tief des Vortages in den Markt gehen. Bei diesem System handelt es sich um eine Variante des üblichen Lücken-Tradens. Das System ist verwandt mit dem Oops-System von Larry Williams.