Fibonacci-Kanäle

Die Fibonacci-Kanäle haben nichts zu tun mit den normalen Preiskanälen. Diese entstehen durch Anlegung einer Trendlinie zu der dann eine Parallele gezogen wird im jeweiligen entgegen- gesetzten Hoch-oder Tiefpunkt. Dagegen werden die Fibonacci-Kanäle anders berechnet. Die grundlegende Trendlinie von der aus die Fibonacci-Kanäle berechnet werden, wird durch ein 3-Wellen-Muster hindurchgezogen, sie wird als Basislinie bezeichnet. In einer dreiwelligen Bewegung verbindet man Anfang- und Endpunkt dieser Bewegung, die Basislinie geht also durch Welle 2 hindurch.

Der Unterschied zwischen den Impuls- und den Korrekturwellen wird im Elliotmuster dargestellt. Zu dieser Basislinie wird nun die sogenannte Außenlinie gezogen durch jenen Extrempunkt der Welle 2, in deren Richtung sich nach Ende der Welle 3 die Kurse bewegen. Auf diese Weise entsteht ein Kanal, der aber anders als die üblichen Trendkanäle nicht die gesamte Wellenbewegung einschließt. Zu diesem Kanal nun werden Parallelen gezogen, wobei die Breite des Kanals mit Fibonacci-Verhältnissen multipliziert wird.

Dieses Verfahren ist noch nicht in allen gängigen Softwarepaketen enthalten und daher wenig bekannt. Wichtig ist, daß man nur strukturell wichtige Wendepunkte und Wellenzüge zur Konstruktion eines Fibonacci-Kanals benutzt. Im Normfall bietet die arithmetische Skalierung hier bessere Ergebnisse als die übliche halblogarithmische. Bei den meisten Fällen endet die Relevanz der Kanäle bei der Relation 2,618. Es kommt aber häufig vor, daß noch weit höhere Relationen funktionieren, etwa 4, 236. Dies hängt von der Breite des Kanals ab: Je schmaler der Kanal, desto brauchbarer werden die entfernten Fibonacci-Linien.

Es gibt mittlerweile gute Software, die die Kanäle automatisch setzt. Diese kann jedoch auch nicht das Problem der Skalierung lösen, das darin besteht, daß bei allen geometrischen Verfahren, die Preis und Zeit verbinden (auch Fibonacci-Spirale, Fibonacci-Ellipse und Gann-Angles). Die Ergebnisse variiieren je nach Skalierung. Hier gibt es zwei Lösungsmöglichkeiten.

  • Man benutzt eine herkömmliche Software, und versucht durch ausprobieren, eine richtige Einstellung zu finden, also von früheren Erfolgen auf heutiges zu schließen. Dies ist einfach, aber nicht exakt, funktioniert aber häufig gut.
  • Man benutzt eine Software, die das Skalierungsproblem (weitgehend) gelöst hat. Diese verfügt dann allerdings nicht über alle hier dargestellten Verfahren, wie Kanäle und Ellipsen. Will man mit ihnen arbeiten, muß man dies per Hand machen, was aufwendiger, aber exakter ist.

Traden mit Fibonacci-Kanälen

Besonders relevant sind die Kreuzungspunkte der Linien, die aus verschiedenen Fibonacci-Kanälen abgeleitet werden. Diese entstehen dadurch, daß man sowohl an Trend- als auch an Korrekturbewegungen Basislinien konstruiert und daraus Kanäle formt auf die man dann die Fibonacci-Linien zieht. Es entsteht also ein Muster von sich kreuzenden Linien. Natürlich entstehen so viele Kreuzungspunkte und man kann nicht im vorhinein bestimmen, welcher Kreuzungspunkt erreicht werden wird oder welcher relevant sein wird.

Erreichen aber die Kurse einen Kreuzungspunkt, dann ist eine Wende wahrscheinlich und fast sicher, wenn noch andere Hinweise hierauf vorliegen, wenn also gleichzeitig zum Beispiel ein Preisziel über ein Fibonacci-Retracement oder eine Fibonacci-Projektion erreicht wird oder ein Zeitziel aus der Zeitanalyse. Natürlich sind auch Überschneidungen mit den anderen geometrischen Fibonacci-Verfahren interessant, wie der Ellipse oder der Spirale. Die Regel der Alternation findet sich auch bei den Kanälen.

Wird eine Linie berührt, bewegt sich der Marktpreis meist zunächst zurück zur vorhergehenden Linie und dann geht erst der Trend weiter zur entfernteren äußeren Linie. Für das praktische Traden vielleicht der wichtigste Punkt ist der: Geschieht eine Wende auf einer Linie, dann wird die jeweils nächste Fibonacci-Linie erreicht werden. Wird die Linie durchbrochen, zumindest deutlich, dann wird die weiter entfernte Fibonacci-Linie erreicht werden. Auf diese Weise ist dieses Verfahren auch geeignet, neue Preisziele festzulegen.

Wie werden gültige und ungültige Kanäle unterschieden?

Hierfür gibt es eine einfache Faustregel: Wenn der erste größere Wendepunkt an einer Linie (die mit dem Fibonacci-Verhältnis von 0,618 oder 1,0 gezeichnet wurde) auf Unterstützung oder Widerstand trifft, ist der gezeichnete Kanal gültig. In diesem Fall werden auch die weiteren Linien dieses Fibonacci-Kanals von Bedeutung sein. In der Regel sollte schon die erste Parallellinie funktioneren als Wendepunkt.