Fibonacci
Fibonacci Ellipsen (Bögen)
Die Ellipsen als Hilfsmittel des Traders hatten ursprünglich nichts zu tun mit der Fibonacci-Analyse, sondern sind ein Praktiker-Verfahren gewesen. Einer der ersten, der dieses Verfahren anwendete, zumindest von dem wir es wissen, war George Beyer, ein Weizen-Trader aus Chicago, der eine Reihe von Büchern verfaßt hat, auch astrologischer Art, die damals kaum Leser fanden und deren Nachdrucke heute zu Höchstpreisen gehandelt werden.
Einige Trader gingen so vor, daß sie sich Ellipsen verschiedener Größe ausschnitten und sie an die Charts anlegten. Wurde dann eine Ellipse von einem Chart in der Breite ausgefüllt, erwartete man, daß diese Ellipse den ganzen Wellenzug, also die Bewegung in Trendrichtung, die Kurse umspielen würde, so daß der Bruch eine Trendwende bedeutet. Heute ist es natürlich, die Ellipsen mit Chartprogrammen einzuzeichnen und fast alle führenden Programme geben mittlerweile diese Möglichkeit.
Dabei hat es sich bewährt, für die Größe der Ellipsen Fibonacci-Verhältnisse zu benutzen. Wie auch die anderen geometrischen Fibonacci-Verfahren kann man mit Hilfe der Ellipsen sowohl zeitliche als auch preisliche Prognosen treffen. Ähnlich wie mit den Kanälen und der Fibonacci-Spirale. Ihre Anwendung ist jedoch schwieriger und erfordert einige Übung, dennoch ist sie sehr lohnenswert. Die Schwierigkeiten liegen im folgenden:
- Auch wenn man eine Ellipse gefunden hat, die die Preisbewegung umspannt, kann es sein, daß man im späteren Verlauf die Ellipse verlängern muß. Hierzu gehört einige Erfahrung.
- Innerhalb der Ellipse treten verschiedene Formen von Wellen auf, also verschiedene Muster, was häufig verwirrend wirkt.
- Fibonacci-Ellipsen sind gelegentlich, sogar ziemlich häufig, miteinander verbunden. Das bedeutet, daß nach einem Austritt aus einer Ellipse nicht nur eine neue Ellipse beginnt, sondern es ist auch möglich, daß ein Teil einer alten Ellipse sinnvollerweise schon ein Teil der neuen werden kann, es gibt als Überschneidungen zwischen den Ellipsen und einzelne Wellenzüge können Teil zweier Ellipsen sein.
- Gelegentlich ist es auch lohnenswert bei größeren Ellipsen, zum Beispiel von Wochendaten, eine Teilbewegung zum Gegenstand einer kleineren Ellipse zu machen, dann einen Zeitrahmen niedriger auf Tages-Charts. Dies kann man natürlich auch mit Tages- und Stundencharts, usw. machen.
Man sollte sich immer bemühen für jeden dreiwelligen Zyklus eine eigene Ellipse zu bilden, also zwei Wellen in Trendrichtung und zwischen ihnen eine Korrekturwelle. Deren Stärke bestimmt die Breite der Ellipse. Die Ellipsen werden einerseits angewendet zu Gewinnmitnahmen, wenn man bereits im laufenden Trend ist und dessen Ende erwartet, andererseits dienen sie zum Markteinstieg, wenn man in die Haupttrendrichtung gehen will.
Man sollte zunächst mit einem dreiwelligen Muster beginnen, das sich immer findet und die Grundstruktur des Marktes ist. Hat man einige Übung, kann man versuchen, die Ellipse auch auf fünfwellige Muster anzuwenden, analog von Elliot. Die Ellipsen sind um dreiwellige Muster besser zu ziehen, aber die fünfwelligen bringen bessere Ergebnisse. Man kann auch so vorgehen, daß man mehrere kleinere Ellipsen aus der Vergangenheit in eine größere einbettet, um ein Fünfwellenmuster zu analysieren, falls es sich bildet.
Treten die Preise vor dem Ende der Ellipse aus, so wird dieser Ausbruch nicht gehandelt. Man verwirft vielmehr die alte Ellipse und zeichnet eine neue ein. Nach Möglichkeit sollte man die Ellipsentechnik verbinden mit den anderen Verfahren, das heißt die Endpunkte der Ellipsen sollten auf den Niveaus liegen von Retracements, Projektionen, Kanallinien, usw.
Der große Vorteil der Verwendung der Fibonacci-Ellipsen liegt darin, daß sie das anscheinend unübersehbare Wirrwarr der Kurse in deutlich erkennbare Muster gliedern. Der Trader, der es gelernt hat, die Kurse mit Hilfe der Ellipsen zu analysieren, weiß immer, wonach er Ausschau halten muß. Vor allem, wenn er die Ellipsen auf verschiedene Zeitrahmen anwendet, zum Beispiel Stunden-, Tages- und Wochendaten.
Die Bildung der Fibonacci-Ellipsen
Der Kreis entspricht einer Ellipse bei der die beiden Achsen der Ellipse, also die, die die Länge mißt und die, die die Breite mißt, jeweils die gleiche Länge haben. Ihr Quotient ist dann 1, eine Zahl, die auch zur Fibonacci-Reihe gehört. Von diesem Quotient 1 ausgehend, wird bei den Fibonacci-Ellipsen der Quotient zwischen der Länge der beiden Achsen in Fibonacci-Verhältnissen gesteigert und zwar 1,618; 2,618; 4,236; 6,854; 11,09; 17,944; usw.
Ist die Ellipse von 1,618 noch eher kreisförmig, ist die mit dem Quotienten von 4, 236 schon deutlich als Ellipse zu erkennen und weiter als 17,944 sollte man nicht gehen, diese entspricht schon einer Havanna-Zigarre und es gibt selten schmalere Bewegungen in den Kursen. Besonders wichtig ist, daß man erst dann sinnvoll versuchen kann, die Kurse in eine Ellipse einzufassen, wenn bereits die dritte Welle läuft, denn die Korrekturbewegung setzt den Maßstab für die Breite der Ellipse, wir brauchen also drei Punkte, den Beginn der Trendbewegung, ihr Ende, das zusammenfällt mit dem Beginn der Korrektur und dessen Ende.
Hierbei ist besonders darauf zu achten, daß die Welle 2, also die Korrekturbewegung, meist selbst aus drei Wellen besteht. Man muß also die Ellipse nicht zu früh anlegen, weil sie sonst viel zu früh gebrochen wird, was dann kein Hinweis auf eine Trendwende ist, sondern nur auf ein zu frühzeitiges Anlegen.
Die Ellipse als Ausgangspunkt der Fibonacci-Analyse
Die Ellipse eignet sich gut als Startpunkt für die Analyse. Sie funktioniert in allen Zeitrahmen, nur bei sehr extremen Preisschwüngen ist es nicht möglich mit ihr zu arbeiten. Ansonsten folgen die Kurse eben der Ellipsenform. Aus diesem Grund werden alle anderen Preisziele, die man findet, sei es über Projektionen, Retracements, Spiralen, usw., aufgewertet, wenn sie auf das Ende einer Ellipse fallen.
Dazu ist es natürlich nötig, daß man mit mehreren Zeitrahmen arbeitet, zum Beispiel wird man die Tagesbewegung auf Stundencharts meist in drei Ellipsen analysieren können. Es ist allerdings darauf hinzuweisen, daß das Ende einer Spirale nicht als Bestätigung eines Zeitziels dient oder eines Preiszieles. Der Endpunkt sollte zweimal bestätigt sein durch andere Instrumente.
Das Traden mit den Fibonacci-Ellipsen
Will man die Ellipse zum Markteinstieg verwenden, reicht normalerweise nicht ein Bruch der Ellipse, sondern man wartet bis die Ellipse völlig durchschritten ist und tradet erst am Ende auf den Bruch. Bei einem Bruch vor dem Ende ist es meist sinnvoller, die Ellipse zu verbreitern, also einen Quotienten zurückzu- gehen. Noch günstiger ist es, statt des Ausbruchs aus der Ellipse den Ausbruch aus einem Trendkanal zu traden, der sich durch Trendlinien ergibt, die als Tangenten an die Ellipse gelegt werden.
Die Ausbrüche aus den Tangenten an die Ellipsen geben zwar etwas später Signale als die Ausbrüche aus den Ellipsen selbst, aber wesentlich sicherere und diese Signale sind deutlich früher als wenn wir Trendlinien zeichnen würden an die Kurse selbst und deren Breaks traden. Siehe das Beispiel unten. Grundsätzlich gilt immer, daß wir für den Einstieg immer gegen den Trend gehen, das heißt gegen die Neigungsrichtung der Ellipse. War sie nach oben, wird also leerverkauft, war sie nach unten, wird gekauft. Wir würden also nur den Ausbruch in diese Richtung aus dem Kanal traden.
Ausnahmen können sich ergeben, wenn die Neigung der Ellipse fast waagerecht war, dann können Ausbrüche nach beiden Richtungen getradet werden. Kehrt sich der Markttrend am Ende der Ellipse um, dann betrachten wir den Endpunkt der alten Ellipse als Anfangspunkt für eine neue, wobei wir einige Überschneidungen in Kauf nehmen müssen. Es gibt nur wenig Kurse, die nicht in Ellipsenform sich abspielen. Die Ellipse eignet sich nur als gröberes Hilfsmittel für das Timing, für den konkreten Eintritt muß man weitere Indikatoren benutzen, zum Beispiel die speziellen Tagesmuster beim Daytraden, usw.
Die schmalen Ellipsen sehen zwar besser aus, aber sicherer sind die Ergebnisse bei den etwas fülligeren Ellipsen, also denen mit den kleineren Fibonacci-Verhältnissen. Noch wichtiger ist die Steigung der Ellipse. Je steiler, desto stärker wird vermutlich die Korrektur werden, auch die Größe einer Ellipse spielt eine Rolle: Wendepunkte werden besonders dann wichtig sein, wenn innerhalb einer großen Ellipse man an die Kurse drei kleinere Ellipsen einzeichnen kann. Die Ellipse gibt schon ein frühzeitiges Zeichen für eine Wende.
Befinden sich die Kurse nämlich am Ende der Ellipse und zeigen sich hier Wendezeichen, zum Beispiel wenn eine Widerstandslinie hält, wenn ein Fibonacci-Niveau erreicht wird und nicht durchbrochen wird oder die Kurse auf einem Fibonacci-Zeitziel wenden, kann es dann in der Nähe des Endes der Ellipse schon sinnvoll sein, sich noch innerhalb der Ellipse im Markt zu positionieren. Man sollte nur Ellipsen verwenden, die mindestens 21 Bars umfassen.
Frühzeitiges Ausbrechen aus den Ellipsen
Brechen die Kurse frühzeitig aus der Ellipse aus und nicht an ihrem Ende, muß die Situation neu analysiert werden. Man verwendet dann also eine neue Ellipse. Dies bedeutet aber nicht, daß man die erste Ellipse vergessen sollte: Denn fast immer tritt ein Wendepunkt auf, wenn das Zeitziel erreicht wird, das durch Ende dieser Ellipse gekennzeichnet wird. Die Kurse reagieren dann auf diese Ellipse, obwohl sie sich nicht mehr darin befinden.