Kassa-Future-Spread oder Premium

Das ist die Differenz zwischen dem Kassa-Index und dem Future. Es handelt sich um einen extrem wichtigen und wohl am meisten mißverstandenen Indikator, da allgemein angenommen wird, dass ein grosses Premium (Future über Kassa) eine Kaufgelegenheit repräsentiert und ein grosser Diskont (Future unter Kassa) eine Short-Situation. Tatsächlich interessant ist aber das Momentum, das heißt der ROC, einerseits und andererseits der Vergleich zwischen dem laufenden und dem durchschnittlichen Wert.

Die Premium Bulge

Es ist zu beachten, dass wenn hier vom Premium die Rede ist, immer die Differenz gemeint wird zwischen Kasse und dem nächsten Future. Das normale Verhalten ist so, dass es viel stärker schwankt, als der Kurs des Kassamarktes. Wenn zum Beispiel bullishe Neuigkeiten hereinkommen, entsteht sofort ein grosses Premium, bei negativen kann es zu einem Discount kommen. Nun gibt es aber sehr viele Gründe für die Schwankungen im Premium. Das bedeutet, dass letztlich der Kassa-Index darüber entscheidet, welche Richtung der Future einschlagen wird. Daher sollte man immer den Kassa-Index als Entscheidungsgrundlage benutzen.

Der wichtigste Grund für das Schwanken des Premiums liegt in dem Market Engeneering: nehmen wir zum Beispiel an, einige grosse Trader wollen, bevor sie einsteigen, die Bären vertreiben. Durch das Bid/Ask-System kann ein One-Lot-Trader den Markt ebenso bewegen, wie einer von hundert Lots. In dem Augenblick, wo die Short Squeeze läuft, haben die Leute ihren Job beendet, die Panik der Bären wird dann den Rest besorgen. Dies passiert immer und immer wieder und man muss, besonders als Off Floor Trader, sich eine Strategie zurechtlegen, um von diesem Spiel zu profitieren.

Wir gehen jetzt so vor, dass wir immer dann, wenn das Premium sich bewegt, zum Beispiel steigt, die Zeit ins Spiel bringen. Ein steigendes Premium bedeutet ja, dass der Future steigt, während der Kassa-Markt mehr oder minder stagniert oder erheblich weniger steigt. Es kann nun natürlich sein, dass der Kassa-Markt bald folgen wird. Falls aber nach zwei Minuten die Kassa-Preise einem deutlich anziehendem Future nicht folgen, ist es wahrscheinlicher, dass der Markt von den Höhen zurückkommen wird. Ein solches Signal ist natürlich besonders wichtig, wenn man sich an wichtigen Unterstützungs- oder Widerstandslinien befindet, zum Beispiel am Tageshoch oder -tief.

Die Beurteilung des Spreads

Dies hängt von vielen Faktoren ab, u. a. von der Tageszeit. Nehmen wir zum Beispiel an, am frühen Vormittag, nachdem der Markt nur leicht nach oben gegangen ist, steigt das Premium und ist deutlich höher als sein 10-Tage-GD. Dies ist meist eine günstige Chance, um long zu gehen. Befindet sich zum Beispiel innerhalb der ersten 25 Minuten nach dem Open der Kassa-Preis im Abwärtstrend, während das Premium steigt oder zumindest intakt bleibt, so ist das immer ein Zeichen, daß der Markt bullish ist. In jedem Fall handelt es sich um eine kritische Situation: Denn entweder muß jetzt unmittelbar der Kassapreis beginnen, anzuziehen oder das Premium zurückfallen.

Man wird dann mit dem jeweiligen Trend gehen. Fällt in den nächsten Minuten das Premium auf den normalen Wert seines 10-Tage-GDs zurück, dann ist ein baldiger Einbruch im Future wahrscheinlich. Man weiß jetzt, daß das Tageshoch bereits gemacht wurde, was ein zentraler Punkt beim Daytraden ist. Diese Bewegungen des Premiums ereignen sich allerdings sehr schnell. Man hat nur etwa zehn Minuten Zeit, um in den Markt zu gehen. Im Prinzip ist dies zu anderen Tageszeiten ebenso, allerdings nicht ganz so sicher, am sichersten noch in der letzten Stunde. Dennoch ist diese Trading-Technik von entscheidender Bedeutung, denn ihr folgen meist sehr heftige Bewegungen.

Divergenz Kassa-Future

Verlieren die Future fast ihr gesamtes Aufgeld gegenüber der Kasse, so ist dies meist der Vorbote eines scharfen Einbruchs. Machen die Kurse gleichzeitig neue Tageshochs, so werden sie zwar auch nachgeben, aber dies ist ein Zeichen, daß der Kurs von bestimmten Insidern gestützt wird. In der Regel setzt sich jedoch der Future durch, da hier immer das Hedging auftritt, dem dann die Orders in den Kassamärkten erst folgen. Neue Tops im Index, die vom Future nicht bestätigt werden, zeigen, daß das Hedging zunimmt, was immer auf eine Trendwende deutet. Man sollte in solchen Situationen auch auf die Intermarket-Divergenzen achten, also Divergenzen zwischen den einzelnen Aktienindizes, wie S&P und Major Market, usw.

Andererseits muß man sich klarmachen, daß letztlich der Kassapreis die Richtung bestimmt, man sollte also den Kassa-Preisen fünf bis zehn Minuten Zeit geben, um dem Future-Preis zu folgen, ansonsten liegt der Verdacht vor, daß der Future zurückkommen und dem Kassa-Preis folgen wird. Ein Schlüssel zur Beurteilung des Kassa-Future-Spreads liegt in der Beachtung der anderen Indikatoren. Steigt zum Beispiel die Prämie, während der Kassa-Kurs sinkt, so liegt häufig Short-Covering vor. Sinken aber die anderen Indikatoren weiter, wird der Trend sich weiter fortsetzen nach unten. Man beachtet hier das Volumen, den Tick-Indikator und andere Indikatoren mit denen man arbeitet.

Divergenz Kassa-Future beim Daytraden

Hier kommt es entscheidend darauf an, daß man schnell handelt. Sobald sich eine Divergenz zeigt, muß man sofort handeln, denn schon Sekunden können einen Unterschied machen zwischen Verlust und Gewinn. Nehmen wir an, daß die Future-Preise, die Kassa-Kurse, der Dow und der Tick alle sinken, dann aber beginnt die Prämie, also der Kassa-Future Spread, einen Boden zu machen und fängt an zu steigen.

Die Wahrscheinlichkeit ist jetzt, daß die Leute auf dem Parkett an einen wichtigen Wendepunkt glauben und begonnen haben, Future-Kontrakte zu kaufen, einerseits, um Profite mitzunehmen, weil sie zuvor short waren, andererseits, um Long-Positionen aufzubauen. Dies ist ein deutliches Wendesignal. Möglicherweise wird so etwas hervorgerufen durch Nachrichten oder dadurch, daß führende Aktien begonnen haben, einen Boden auszubilden, usw. Das schnelle Handeln unterscheidet den Profi vom Anfänger, der immer noch auf Bestätigungen wartet.

Der Kassa-Future-Spread im Globex

Der S&P-Future öffnet um 8.30 Uhr CST und schließt um 15.15 Uhr. 30 Minuten danach wird er wieder im Globex geöffnet und zwar bis 8.15 am nächsten Morgen. Da der Globex nicht sehr liquide ist, sollte man ihn nur zur Beobachtung benutzen. Er gibt Hinweise auf das nächste Open, dabei muß man allerdings auch den Spread beachten zwischen Kassa und Future. Der Spread wird veröffentlicht am Boden des Tickers auf CNBC. Er erscheint dort alle paar Minuten.

Das Ganze sieht wie folgt aus, nehmen wir ein Beispiel:
S&P 1323, 25 | +2,13 | Prem | 10,55 | FV | 9,90

Der S&P steht also bei 1323,25, das entspricht +2,13 gegenüber dem gestrigen Close. Prem ist Premium, da es positiv ist, kostet der Future 10,55$ mehr, also 1333,80. FV ist der Faire Wert für diesen Spread, er beträgt 9,90. Der Faire Wert des Future wäre also 1333,15. Ende des Tages schloß der Future bei 1338. Der Kassa-Close lag bei 1323,10. Die Prämie war also auf 15 Punkte gestiegen und damit um mehr als 5 Punkte über dem fairen Wert.

Daraus läßt sich schließen, daß am nächsten Morgen an der NYSE Kaufprogramme aktiv werden, diese werden die Aktien in New York kaufen und den Future in Chicago shorten. Gleichzeitig kann man erwarten, daß der Dow 40 Punkte höher eröffnen wird, da ein Punkt im S&P-Kassa acht Dow-Punkten entspricht. Bei den Beobachtungen der Globex-Kurse kommt es also weniger darauf an, wie stark der Future dort nach oben oder unten geht, sondern wie stark er über oder unter seinen fairen Wert geht, um die Eröffnungsbewegung zu prognostizieren.

Widerstandslinien, Formationen und Kassa-Future-Spread

Sehr häufig kommt es vor, daß Divergenzen zwischen Kassa und Future sich an wichtigen Widerstandslinien ereignen oder auf der einen Seite eine Chartformation sich bildet oder ähnlich Ein typischer Fall ist zum Beispiel, wenn der Future ein Fibonacci-Retracement-Niveau überschreitet und die Kasse das noch nicht nachgemacht hat. Hier gilt nicht der Satz, daß der Future immer einen Vorlauf hat, die Chancen stehen nach wie vor 50 : 50, denn der Future überschießt solche Niveaus häufig. Man muß sie hier also erst abwarten. Wird in der Kassa ein exaktes Retracement gemacht, werden wahrscheinlich die Future-Kurse folgen und wieder anfangen, zu steigen, analog auch umgekehrt, wenn die Fibonacci-Korrektur nach oben ging, usw.

Ein anderer typischer Fall besteht darin, daß im Future-Markt ein Short-Signal ausgelöst wird und im Kassa-Markt eine bullishe Formation scheitert (oder umgekehrt im Future ein bullishes Signal kommt und im Kassa-Markt eine Bärenmarktformation scheitert). Ein Beispiel wäre ein 222-Signal zum Shorten im Future, während im Kassa-Markt eine ABC-Korrektur scheitert, die Kurse also dort weiter sinken. In der Mehrzahl der Fälle basieren Divergenzen zwischen Kassa und Future auf dem Programmtraden, macht die Kasse zum Beispiel eine ABC-Korrektur nach oben, während gleichzeitig im Future die Kurse sinken, darf man annehmen, daß die großen Fonds shorten. In dem Augenblick, wo die Absicherungskäufe an der Kassa zu Ende gehen, werden auch dort die Kurse einbrechen.

Momentum des Kassa-Future-Spreads

Das Grundproblem bei der Interpretation besteht darin, daß einerseits der Future meist den Kassa-Markt führt, daß er andererseits viele falsche Bewegungen macht. Denn letztlich entscheidet der Kassa-Markt über die zusätzliche Richtung. Das Momentum oder ROC des Spreads kann hier hilfreich sein. Außerdem gilt als Faustregel, daß, wenn nach einer heftigen Bewegung im Future der Kassa-Markt noch nicht in einigen Minuten folgt, der Future bald zurückkommen wird. Weiterhin sollte man einen gleitenden Durchschnitt des Future-Kassa-Spreads benutzen. Tendenziell sollte man bullish sein, so lange das Premium über seinem 10-Tage-GD liegt und bearish, solange es darunter ist.