Daytrading
Traden am Handelsschluß und danach
Es ist eine Streitfrage, ob man zehn Minuten vor dem Close den Markt verlassen soll, wenn man Gewinne gemacht hat oder ihn bis zum Close durchhalten. Für die frühzeitigen Gewinnmitnahmen sprechen die häufig auftretenden Hin und Her-Bewegungen, die ziemlich unregelmäßig verlaufen aufgrund der verschiedenen Marktinteressen der Teilnehmer. Es kommt aber manchmal auch in den letzten Minuten zu einer Panik, während der der Markt noch kräftig in die Trendrichtung sich bewegt. Man muß lernen aus dem Kursverhalten und der Stimmung dies abschätzen zu können.
Hat man Grund an das Entstehen einer Mini-Panik in den letzten 15 Minuten zu glauben, sollte man 15 Minuten vor Schluß, wenn man im Gewinn ist, eine Market-on-Close-Order erteilen, um am Schluß den Markt zu verlassen. Dies funktioniert allerdings wirklich gut, erst, wenn man mindestens 5, besser 10, Kontrakte handelt, da sich dann die Ausfühfungen wesentlich verbesern, da die großen Floor-Trader, die falsch liegen, die größeren Aufträge sammeln, um schnell aus dem Markt zu kommen und dann jeden Preis zahlen.
Die Mini-Paniken entstehen immer dann, wenn der Markt sich in einer ausgesprochenen Trendphase befindet. Dagegen bewegen sich die Märkte in der Gegend des Close sehr volatil, wenn im Verlauf des Tages ein wichtiges Preisziel erreicht wurde oder der Nachmittags-Trend die Preise zurückgebracht hat in die Nähe des Eröffnungskurses, usw. Immer dann, wenn der Trend am Nachmittag gegen den Morgentrend läuft, wird dieser fast völlig retraced, es entwickelt sich also tendenziell ein Doji. Man kann also die Lage des Close-Preises dann prognostizieren.
Die Bedeutung des Schlußpreises
Trat am Schluß keine Mini-Panik auf, so stellt der Schlußpreis die Value-Area des Tages dar, also eine Art Gleichgewichtspreis. Daher kehren die Märkte am nächsten Tag in dieses Gebiet zurück. Dies ist ein weiteres Argument für das Daytraden, denn im Normalfall erhält man den Schlußpreises des heutigen Tages auch noch am nächsten Tag. Dies gilt auch in Gegenrichtung: Je weiter sich der Preis vom gestrigen Close entfernt hat, desto wahrscheinlicher wird heute ein Trendtag.
Grundsätzlich bedeutet ein starker Close eine höhere Eröffnung am nächsten Tag und ein schwacher eine niedrigere. Die Frage, ob man die dann entstehenden Lücken auf Schließen handeln soll oder auf Fortsetzung des Trends, hängt im wesentlichen von der Natur des heutigen Tages ab neben den dann morgen auftretenden Indikatoren, usw. War heute ein Trendtag, dann wird sich meist der Trend zumindest am Vormittag noch weiter bewegen. In allen anderen Fällen wird die Lücke in der Regel geschlossen werden.
Befindet sich das morgige Open nahe des heutigen Close, dann befindet sich der Markt sozusagen im Gleichgewicht. Man wird erst traden, wenn der Markt sich vom Close wegentfernt hat. Diese Idee liegt den Jackson-Zonen zugrunde. Man kann das Verhältnis Close und morgiges Open noch verfeindern, indem man die Taylor-Analyse anwendet. In der Schlußphase sollte man vor allem die Bewegungen der Institutionellen beobachten, vor allem auch, in welche Branchen sie Geld pumpen. Dies sagt viel über ihr Verhalten am nächsten Morgen aus.
Jede Bewegung, die sich sehr spät entwickelt, führt dazu, daß viele Spieler auf der falschen Seite des Marktes erwischt werden. Dies bedeutet, daß noch eine Reihe von Orders übrig sind, die erst am nächsten Morgen erledigt werden, denn der scharfe Move am Ende wurde dadurch hervorgerufen, daß sehr viele Orders hereinkamen in diese Richtung und in der Regel können nicht alle in kurzer Zeit abgewickelt werden. Dies ist dann die Voraussetzung für eine größere Lücke am nächsten Morgen. Man sollte daher das Halten über den Schlußkurs hinaus in Erwägung ziehen, um im nachbörslichen Handel oder im Globex zu traden oder erst am nächsten Morgen auszusteigen.
Traden nach dem Close
Allgemein sind die Möglichkeiten des Tradens außerhalb der Öffnungszeiten heute noch besser als früher, aber immer noch nicht ausreichend liquide. Außerdem besteht hier die große Gefahr von starken Händen manipuliert zu werden. In Runaway-Märkten allerdings, wo sich regelmäßig eine große Lücke bildet zwischen dem heutigen Close und dem morgigen Open, jeweils in Trendrichtung, könnte es günstig sein, im Markt zu bleiben, denn die großen Lückenbildung hat neben dem Jagen der Stops noch den Zweck, in Trendmärkten die vielen kleinen Daytrader an Gewinnen zu hindern, die am Close aus dem Markt gehen. Wie gesagt, sollte man eine solche Strategie nur in Runaway-Märkten anwenden, sonst ist es zu riskant.
Schluß- und Eröffnungspreis
Grundsätzlich ist natürlich der Eröffnungspreis wichtiger für das Daytraden als der Schlußpreis. Allerdings gibt der Schlußpreis eben eine gute Prognose ab für den nächsten Tag. Besonders dann, wenn er an einem Extrem des gestrigen Bars lag, also in der Nähe des Hochs oder Tiefs. Während dies beim Eröffnungskurs ziemlich normal ist, zeigt dies beim Schlußkurs nämlich immer, daß ein sehr starkes Sentiment im Markt liegt, also der Markt stark bullish oder stark bearish gestimmt ist. Dies setzt sich normalerweise am morigen Tag zunächst fort.