Aktienindizes
Die Bedeutung der Saisonalität bei Aktienmärkten
Auch die Finanzmärkte zeigen deutliche Saisonalitäten, wenngleich sie im allgemeinen nicht so stark ausgeprägt sind, wie bei den meisten Rohstoffmärkten. Sehr sicher ist allerdings das Entstehens eines großen Trends, wenn eine bestimmte saisonale Bewegung ausbleibt. Fällt zum Beispiel die übliche Korrektur am Aktienmarkt im September und Oktober aus, dann liegen fundamentale Bewegungen vor, die auf einen größeren Bullenmarkt deuten. Ein Beispiel war der Herbst 1995 bei fallenden Zinsen und extrem günstigen Quartalsergebnissen. Eine ganze Reihe von saisonalen Bewegungen lassen sich nicht erklären, dies gilt noch stärker für die Bewegungen innerhalb eines Monats oder innerhalb einer Woche.
Man kann die statistische Analyse über das, was hier getrieben wird, hinaustreiben und zum Beispiel für jeden Tag des Jahres eine bestimmte Wahrscheinlichkeit festlegen, ob die Kurse sinken oder fallen werden. Hier finden sich ebenfalls teilweise signifikante Ergebnisse, eine Erklärung gibt es dafür nicht. Ein anderer Ansatz besteht darin, die Wochentage in Verbindung zu setzen mit dem Bias des Monats. Hier ergeben sich teilweise merkwürdige Dinge, obwohl der Juli beim S&P keinesfalls zu den besten Monaten gehört, steigen an den Donnerstagen des Juli in 70% der Fälle, usw. Die entsprechenden Daten werden teilweise im Internet angeboten, teilweise ermöglichen es eigene Software-Programme, solche Dinge selbst statistisch auszuwerten.
Jahresmuster für den Dax
Prinzipiell ähneln die Daten sehr stark dem Dow, was mit der Abhängigkeit der deutschen Börse zu tun hat. Im wesentlichen gibt es nur einen Unterschied, eine positivere Tendenz im Juli und August, die bekannte Sommer-Rallye. Januar ist der beste Monat, März der zweitbeste. Da auch November und Dezember ziemlich gut sind, kann man die Performance einfach dadurch steigern, daß man nur vom 1. 11. bis zum 30. 4. investiert ist. Dann verzichtet man zwar auf die Sommer-Rallye, erzielt aber insgesamt ein besseres Ergebnis bei höherer Sicherheit.
Durchbrechen des Jahresmusters
Allgemein bedeutet jede Durchbrechung eines saisonalen Musters auf eine sehr starke fundamentale Veränderung. Man sollte in solchen Fällen gegen das saisonale Muster traden, also mit dem neuen Trend.
Ein Beispiel sind bei Aktienbörsen die ersten drei Monate im Jahr, diese sind eigentlich immer positiv, es sei denn, es kommt zu starken Zinserhöhungen oder zu drastischen Einbrüchen in der Konjunktur.
Jahresmuster im Dow und S&P
Gute Monate (NewYork)
Januar, Juni, Juli, August, November, Dezember.
Neutrale Monate
März, April.
Schlechte Monate
Februar, Mai, September, Oktober.
Betrachtet man diese durchschnittliche Performance der Monate, so ergibt sich, daß man meist Gewinn macht, wenn man Ende Oktober kauft und Ende Mai verkauft.
Weitere Beziehungen
- Der Januar gehört zu den sichersten Bullenmonaten, vor allem die erste Woche.
- Auf den Februar und den März kann man sich zwar etwas weniger verlassen, wenngleich sie auch einen bullishen Bias haben. Wenn aber die Preise hier steigen, steigen sie meist sehr stark.
- Meist gibt es eine Korrektur von Mitte März bis Anfang April. Falls aber der April bullish ist, sind die Aufwärtsmoves hier enorm stark. Besonders die letzte Woche im April hat einen sehr starken Aufwärtsbias. Allerdings folgt dann Anfang Mai meist eine Korrektur.
- Die berühmte Sommer-Rallye fällt in den USA nicht sehr stark aus. Ende August finden sehr häufig Tops statt.
- Der September hat die häufigste Abwärtstendenz und ist er bearish, beschleunigt sich diese Tendenz im Oktober.
- Der Oktober ist also einerseits der Crash-Monat, wenn die Kurse schon sinken, andererseits, und dies ist noch sicherer, ein Monat der Bodenbildung, besonders in der zweiten Hälfte des Monats. Die Jahresend-Rallye, die hier beginnt, zieht sich häufig bis ins nächste Jahr hinein, Anfang September kann es gelegentlich noch zu einer Korrektur kommen. Insgesamt ist die Jahresend-Rallye das sicherste saisonale Muster.
- Die Jahresend-Rallye startet im Schnitt zwei Tage vor Thanksgiving und endet am fünften Trading-Tag im Januar. Sie zeigt statistisch die stärksten Anstiege in den letzten Jahrzehnten, etwa 40% der gesamten Anstiege im Dow.
Längere Zyklen
Diese Jahres-Saisonalität unterliegt aber Schwankungen durch längere Zyklen. Garrett stellte bei seinen Untersuchungen 17-Jahres-Epochen fest, in denen es jeweils, meist aber nur kleineren, Veränderungen in den saisonalen Mustern kam Allerdings mit der Ausnahme der Phase von 1915-1932 bleibt die Grundtendenz erhalten, daß nämlich die Preise am Jahresende und am Jahresanfang höher sind als in Sommer und Herbst. Im Jahr 2000 hat ein neues 17-Jahres-Muster begonnen, es ist auch daher auch auf etwaige Veränderungen zu achten.
Januar-Effekt
Aktien, die während des Jahres schlecht liefen (besonders, wenn es sich um volatile kleine Aktien handelt), beginnen ab Mitte November noch stärker und sicherer zu sinken, um dann nach der Jahreswende etwa sechs Wochen lang bis Mitte Februar zu steigen. Dies hängt mit Steuermanipulationen zusammen, die Fonds versuchen, Verluste für die Steuer auszuweisen.
Das Januar-Barometer von Gann
Meist wird es falsch dargestellt, man sagt nämlich, daß Gann die erste Woche bzw. die ersten zwei Wochen des Januars benutzte, um die Jahrestendenz vorherzusagen. Dies liefert allerdings zu optimistische Prognosen, da besonders immer die erste Woche im Jahr einen Aufwärts-Bias hat. Gann benutzte zwei Zeiträume im Januar und erhielt so eine Preiszone mit zwei Hoch- und zwei Niedrigpreisen, er nahm jeweils die Extreme und ging dann mit dem Trend, wenn diese Extreme herausgenommen wurden.
Und zwar benutzte er die Zeiträume vom 2. – 7. 1. und vom 15. – 21.1. Gibt es beim Januar-Barometer Unterschiede zwischen S&P und Dow, dann gibt meist der Dow Jones die besseren Hinweise. Man kann im übrigen auch statt der Gann-Verfahren den gesamten Januar nehmen und analog behandeln.
Das Konzept des kritischen Monats
Bei Rohstoffen hat sich das Konzept des kritischen Monats bewährt. Man geht davon aus, daß, wenn auf Wochenbasis das Hoch oder Tief eines bestimmten Monats durchbrochen wird, sich ein größerer Trend entwickelt. Dies ist zum Beispiel der Mai für Mais, Weizen und Soja. Bei den anderen Getreiden spielen Juli und Oktober eine ähnliche Rolle. Diese Erscheinung hängt zusammen mit der ausgeprägten Saisonalität und dem Ernterhythmus. In den Finanzmärkten sind diese Dinge nicht so eindeutig, allerdings sind die Durchbrüche über die Januar-Hochs und -Tiefs meist sehr weitführend, auch über die des Märzes. Für den Oktober ist es typisch, daß in der zweiten Hälfte hier ein Boden gemacht wird.
Feiertage
- Prinzipiell ähnlich verhält es sich bei den Feiertagen, zumal hier noch verstärkt die positive Stimmung, die z. T. auch noch am Wochenende aufkommt, als Faktor auftritt. Umgekehrt ist es ein wichtiges Warnsignal, wenn die Kurse vor oder nach Feiertagen stark sinken.
- Es empfiehlt sich jedoch zwischen den einzelnen Feiertagen zu differenzieren. So weisen die Tage vor und nach Thanksgiving eine ausgeprägte Aufwärtstendenz auf, was mit dem 4-Tage-Urlaub wahrscheinlich zusammenhängt. Daher ist es schon ein Short-Signal, wenn an diesen beiden Tagen der Dow nicht zusammengenommen um mindestens ein halbes Prozent steigt.
- Für Weihnachten ist es ein Short-Signal, wenn die Börse nach Weihnachten stagniert oder nach unten geht, man sollte aber frühestens am zweiten Tag nach Weihnachten shorten.
- Bei den übrigen Feiertagen (Ostern, Neujahr, Memorial Day, 4. Juli, Labour Day) shortet man am Tag danach, wenn die Schlußkurse am Vortag nach unten tendiert haben oder unverändert waren.
- Der beste Handelstag ist der Gründonnerstag, die Kurse steigen an weit mehr als an neun von zehn Gründonnerstagen und auch die durchschnittliche Kursbewegung ist sehr hoch.
Wahlperiode
Die Statistik zeigt, daß das Jahr vor dem Wahljahr mit Abstand das beste Börsenjahr ist. Das Jahr davor ist das schlechteste, also das zweite Jahr nach der Wahl. Prinzipiell ist das Wahljahr selbst nur wenig schlechter als das Jahr zuvor, jedoch schlagen sich hier verstärkt die Kandidaten nieder. Betrachtet man es von der Häufigkeit, wo die Kurse steigen, dann wäre das Nachwahljahr das schlechteste, jedoch hat das zweite Jahr nach der Wahl deshalb die schlechteste Performance, weil hier am häufigsten größere Bärenmärkte auftreten.
Wahlmuster beim Dax
Eine Abweichung beim Dax tritt insofern auf, als in Deutschland nur eines der mittleren Jahre negativ ist und zwar das mittlere, also das Jahr vor dem Vorwahljahr. Allerdings dürften sich die Verhältnisse hier, wie auch in anderen Rhythmen immer mehr den amerikanischen angleichen.
Das 10-Jahres-Muster
Negative Jahre
Statistisch negativ sind lediglich die Jahre mit 0 und mit 6. Allerdings sind auch die Jahre mit 2 neutral, manchmal bearish, manchmal bullish und auch die mit 1 und 4 sind durchwachsen, wenn auch statistisch gesehen eher positiv.
Positive Jahre
Die eigentlichen großen Hausse-Jahre sind die mit 3 und mit 5. Überraschenderweise sind auch die Jahre 7, 8 und 9 statistisch gesehen stark positiv, obwohl hier häufiger Crashs hineinfallen.
Crash-Jahre
In den negativen Jahren von 0 und 6 kommt es recht selten zu einem Crash. Sie treten meist in den positiven Jahren 7, 8 oder 9 auf, wobei diese Jahre dann meist noch leicht positiv schließen, wie etwa auch 1987.
Die Quartalsregel von Gann
Sie funktioniert nach wie vor hervorragend und wird bei Gann ausführlich darstellt.