Fibonacci
Fibonacci-Retracements
Unter Retracement versteht man den prozentualen Teil einer Bewegung, der von der folgenden Korrektur wieder überdeckt wird. Steigt zum Beispiel der Euro gegen den Dollar von 1,10 auf 1,20 und würde die folgende Korrektur von 1,20 auf 1,15 sinken und dort einen Boden machen und die Kurse dann wieder ansteigen, dann würde man von einem 0,5-Retracement sprechen, weil die Korrektur eben 50% oder die Hälfte der Aufwärtsbewegung betragen hat.
Typischerweise finden auf dem Fibonacci-Retracement-Niveau Wendeformationen in den Kerzencharts statt. Vor allem, wenn man mit Retracements bei kleineren Bewegungen, etwa auf Stundencharts arbeitet, sollte man sich auf jeden Fall mit den Kerzenformationen vertraut machen. Man muß immer die Retracements in Verbindung sehen mit der Stärke des jeweiligen Trends. Befindet sich der Markt zum Beispiel in einem sehr starken Aufwärtstrend, dann bezieht sich das Retracement sehr oft, wenn es eintritt, also die Korrekturbewegung, nicht auf den gesamten Trend, sondern nur auf die letzte Welle des Trends.
Sinnvoll ist es hier, a la Elliot, zwischen Impuls- und Korrekturwellen zu unterscheiden und eine Zählung durchzuführen. Bei den benutzten Fibonacci-Niveaus ist es sinnvoll, den Fibonacci-Trick anzuwenden. Allgemein gilt, daß Retrecement-Niveaus besonders dann zuverlässig sind und Vertrauen verdienen, wenn sie auf früheren Widerstands- und Unterstützungsniveaus lagen. Günstig ist es auch, wenn sie auf Widerstandslinien liegen, die über die Murrey-Analyse oder über die Planetenlinien gefunden wurden.
Wenn Retracement-Niveaus nicht genau erreicht werden, sondern nur so ungefähr, hilft manchmal die Benutzung des Fibonacci-Tricks. Allerdings neigen manche Märkte auch zu Retracements, die nicht auf den Fibonacci-Verhältnissen basieren, jedenfalls nicht direkt, zum Beispiel macht Gold sehr häufig ein Retracement von 0,44. In der Regel lassen sich diese empirisch gefundenen Zahlen aber auch in irgendeiner Form auf die Fibonacci-Reihe zurückführen, vor allem, wenn man die Fibonacci-Verhältnisse in den dreidimensionalen Räumen, also geometrischen Formen, wie Kugeln, Pyramiden, usw., untersucht.
Handelt es sich um größere Retracements, ist es interessant, sie zu vergleichen mit den Zyklen, die gerade im Markt herrschen, ob also ein zyklischer Wendepunkt bevorsteht, was die Treffsicherheit natürlich stark erhöht. Man sollte immer versuchen, die gefundenen Retracement-Niveaus zusätzlich abzusichern über Projektionen. Diese müssen dann natürlich von anderen Kursbewegungen ausgehen. Außerdem gibt noch eine Vielzahl von Indikatoren Hinweise zum Beispiel durch Divergenzen zwischen Indikatoren und Kurs.
Man sollte für jeden Markt, in dem man handelt, empirisch ein Minimum festlegen für die Mindestgröße der Bewegung, auf die es sich lohnt, Retracements zu berechnen. Beim Yen sind das zum Beispiel 200 Basispunkte. Kommt es zu einer Bullen-oder Bärenfalle auf einem Retracement-Niveau, so sollte man in jedem Fall die Position drehen oder wieder in den Markt gehen. Denn es sind dann sehr starke Bewegungen zu erwarten. Es ist natürlich schwierig zu entscheiden, ob man sich wirklich in einem Trend befindet, der weitergehen wird oder in einer Art Seitwärtsbewegung.
Der Trendwechsel sollte möglichst schnell geschehen, wobei schnell natürlich relativ zu sehen ist zum Zeitrahmen, in dem man handelt. Nach einer starken Bewegung, sei es nach oben oder unten, entsteht praktisch immer eine Korrektur auf einem Fibonacci-Niveau, wenn die Kurse zum ersten Mal eine Korrektur machen. Dauert die Bewegung dann längere Zeit an, so kann bei späteren Korrekturen sich diese Beziehung auflockern, das heißt es können dann Korrekturen entstehen, die nicht durch Fibonacci erklärbar sind.
Allgemein empfiehlt es sich, die Fibonacci-Retracements in Zusammenhang zu setzen mit Gann-Angles, Fibonacci-Niveaus, den Murrey-oder Planetenlinien. Es ist zu beachten, daß die Gann-Angles auch geeignet sind, für eine Prognose des wahrscheinlichen Retracement-Niveaus. Dieses ist von besonderer Bedeutung für das erfolgreiche Traden. Man sollte die Fibonacci-Retracements immer in Zusammenhang mit Trendkanälen benutzen, da ein Retracement eine wesentlich höhere Trefferquote hat, wenn es in der Nähe der Grenze eines Trendkanales stattfindet.
Die drei wichtigsten Fibonacci-Verhältnisse für Korrekturen
Die wichtigsten Verhältnisse sind 0,382; 0,5 und 0,618. Meist ist es so, daß größere Bewegungen auch größere Korrekturen haben. Ist der Trend allerdings stark, dann neigen die Kurse dazu, in der Mitte und gegen Ende des Trends nur die kleinen Korrekturen zu machen von 0,382. Nach einer Trendwende allerdings beträgt die Korrektur der ersten Bewegung des neuen Trends, also der Welle 1 in der Elliot-Terminologie so gut wie immer 0, 618. Dies gilt vor allem für untere Trendwenden, also bei Bodenbildungen.
Alles in allem ist 0,618 das wichtigste Retracement. Es dominiert, sofern nicht ein starker Trend vorliegt. Wird dieses Niveau deutlich überschritten, dann haben manche Märkte die Tendenz, weiter zu gehen und zwar unabhängig von den Fibonacci-Niveaus bis zum Schlußkurs des Bars des letzten Bodens oder Gipfels. Außerdem ist noch das Retracement-Niveau von 1,0 zu beachten, dies führt zu einem Doppelboden bzw. Doppeltop. Treten geringere oder größere Retracements auf, so sagt dies etwas über die Stärke des Trends aus.
Ein kleines Retracement deutet auf einen sehr starken Trend hin, ein großes Retracement auf einen schwachen. Ausnahme macht hier der Beginn einer Bewegung: Das erste Retracement auf eine beginnende Bewegung ist meist sehr groß, meist 0,618 oder sogar mehr. Dies spricht dann nicht für einen schwachen Trend, sondern ist typisch für den Beginn eines Moves.
Die Retracements von 0,38 treten meist nur dann auf, wenn zuvor eine sehr scharfe Trendbewegung voranging mit relativ großen Bars. Als Faustregel sollten die Bars etwa dreimal so lang gewesen sein, wie normale. Dann wird ein schwaches Retracement von 0,38 wahrscheinlich. Außerdem tritt dieses Korrekturniveau gehäuft auf, das heißt gab es einmal ein 0,38-Retracements, so besteht die Wahrscheinlichkeit, daß es sich bei der nächsten Korrektur wiederholt.
Sekundäre Fibonacci-Retracements
Nicht immer endet eine Korrektur auf einem der üblichen Fibonacci-Verhältnisse. Forscht man dann aber genauer nach, dann verhält es sich meist so, daß die Wende auftrat auf einem abgeleiteten Verhältnis, also einem sekundären Fibonacci-Verhältnis.
Darunter versteht man, daß man entweder:
- Von einem Korrekturniveau, zum Beispiel 0,618 einer Bewegung wiederum ein anderes Korrekturniveau berechnet; berechnet man zum Beispiel von 0,618 das Korrekturniveau von 0,382 so erhält man 0,23; wenn also eine Korrektur 23% der Bewegung retraced, befindet sich auch das im Rahmen der Fibonacci-Verhältnisse und so gibt es eine ganze Reihe von abgeleiteten Korrekturniveaus.
- Gelegentlich kommt es auch vor, daß Wenden auf anderen Niveaus enden und zwar auf Fibonacci-Niveaus, die durch Teilungen von Strecken erzeugt werden, wobei die Endpunkte dieser Strecke Fibonacci-Korrekturniveaus sind.
Nehmen wir für das letztere ein Beispiel. Nehmen wir an, wir teilen die Strecke zwischen dem 0,382- und dem 0,618-Niveau einer Bewegung wiederum in Fibonacci-Verhältnisse ein. Bei Verwendung der drei wichtigen Verhältnisse erhalten wir wieder drei neue Punkte auf denen die Niveaus wenden können.
Diese Vielfalt der möglichen Wendepunkte zeigt schon eindeutig, daß die Fibonacci-Retracements eben für sich allein genommen, kein Traden ermöglichen. Sie sind aber ausgesprochen nützlich zur Kursbeobachtung und um Gelegenheiten für das Traden zu finden, vor allem aber, um günstige Einstiegspunkte zu finden, bei denen man enge Stops legen kann, weil man schnell weiß, wann man falsch liegt.
Ein Fibonacci-Retracement-System für die Eröffnung
Im Intraday-Bereich dominieren die 0,618-Retracements. Gelegentlich findet man auch das Verhältnis von 0,79. Dies erlaubt eine einfache, aber wirkungsvolle Technik, die nicht nur eine hohe Trefferquote hat, sondern auch ein extrem günstiges Verhältnis von Gewinn zu Verlust. Man wartet bis die erste Eröffnungsbewegung ein 0,618-Retracement gemacht hat.
Man geht jetzt in den Markt und legt den Stop bei 0,85, ebenfalls ein Fibonacci-Niveau. Der Trade wird nur gemacht, wenn die Preisbewegung keine großen Bars enthält und auch der Close des Bars niemals mit einem Extrem in Trendrichung zusammenfiel. Beides würde dafür sprechen, daß das Niveau nicht hält. Zusätzlich kann man andere Indikatoren benutzen, um zu prüfen, ob sie für eine Wende sprechen, auch andere Widerstandslinien, zum Beispiel Murrey.
Eröffnung und Fibonacci
Für viele Märkte ist es typisch, daß in der Mehrzahl der Fälle die Richtung des Opens auch die Tagesrichtung darstellt, allerdings wird dann in der Regel auf die erste größere Bewegung nach dem Open ein Fibonacci-Retracement gemacht, meist von 0,618, auch 0,5 kommt relativ häufig vor. Dies ist im übrigen auch für Devisen typisch, so daß man die Future-Kurse in Chicago für Devisen beachten sollte als Indikator, auch wenn man im Interbankenhandel tradet.
Dieses Fibonacci-Retracement auf die Eröffnungsbewegung stellt einen sehr günstigen Eintrittspunkt dar und zwar aus drei Gründen:
- Bei Erreichen des Fibonacci-Niveaus verlangsamen sich die Kurse meist stark, so daß ein Eintritt leicht möglich wird.
- Man kann hier sehr günstig mit einem engen Stop arbeiten, den man auf das 0,85-Niveau legt.
- Die Trefferquote dieses Trades ist sehr hoch, etwa bei 75%, besonders, wenn man noch andere Indikatoren hinzunimmt. Der Grund ist, daß sich hier mehrere Wahrscheinlichkeiten addieren, denn in der Mehrzahl der Fälle entwickelt sich der Tag in Richtung der Eröffnung.